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Hunderte Reisebüros von Thomas Cook bleiben geschlossen. Die Pleite könnte für andere Reisebüros auch Gutes haben. Bild: Thomas Cook

Thomas Cook: Schweizer Reisebüros zwischen Schadensorgen und PR in eigener Sache

Diverse Schweizer Reisebüros setzen sich aktiv für ihre Kunden ein und hoffen, dass die Vorteile einer Reisebüro-Buchung und einer Absicherung wieder ins beste Licht rücken. – Der SRV blitzt bei Kaera ab: Schweizer Reisebüros müssen bei eigenem Schaden zum Insolvenzverwalter. – Wo lebt die Marke Thomas Cook weiter? – Lauda schielt auf A320 von Thomas Cook.

Schweizer Reisebüros engagieren sich für ihre Kunden

Gestrandete Passagiere, abgesagte Ferien oder Rückführungen in das Heimatland, die von den Reisenden selbst bezahlt werden müssen. Die Auswirkungen der Thomas Cook-Insolvenz sind riesig und allem voran für die Kunden eine grosse Belastung. Der finanzielle Schaden ist immens und noch immer ist nicht klar, ob bereits gebuchte Reisen zurückerstattet werden – die Wahrscheinlichkeit ist jedoch gering. Die ganze Entwicklung wirft einen dunklen Schatten über die Reisebranche und man fragt sich, wie das hätte verhindert werden können.

Nun melden sich kleinere Schweizer Reisebüros zum Konkurs von Thomas Cook. Sie zeigen, dass das Ende vom Konzern nicht für alle Feriengäste bitter ausgehen muss und sogar zukünftige Reisen planmässig stattfinden können. Marcel Gsell, Geschäftsführer von Sunshine Reisen, äussert sich wie folgt: «Ich habe einen mehrfach fünfstelligen Betrag dazu ausgegeben, damit alle Kunden wohlbehalten nach Hause reisen und auch alle zukünftigen Urlauber jetzt ihre Ferien doch noch antreten können. Alle gebuchten Reisen werden von und durch Sunshine Reisen planmässig durchgeführt.» Das gilt auch für die Partnerunternehmen und Beteiligungsbetriebe Sunshine Reisen Waldstatt, Flawil, Elgg, Gossau und Marcellos Travel Service GmbH Zürich, Hampis Travel Service GmbH Horn sowie Amigo Tours GmbH Zürich.

Auch Daniel Roduner, Inhaber des Reisebüros Port-Air AG in Ennetbürgen, äussert sich ähnlich und betont, dass alle Passagiere dank des persönlichen Engagements zurückgeholt werden konnten oder eine Alternative für die bevorstehende Reise gefunden wurde. Und dies ohne finanziellen Mehraufwand für die Feriengäste.

Doch wie ist das möglich? Die Sicherung der Kundengelder ist enorm wichtig, weil so das Vertrauen zu den Kunden geschafft und deren finanzielle Sicherheit gewährleistet ist. Trotzdem wird angenommen, dass noch immer etwa 500 unabhängige Reisebüros ohne eine solche Absicherung in der Schweiz geschäften. Dass das fatale Folgen haben kann, zeigt der Konkurs von Thomas Cook. Sunshine Reisen und das Reisebüro Port-Air AG verfügen beide über eine Kundengeldabsicherung und nutzen nun genau diesen Fakt um zu zeigen, dass man mit ihnen nach wie vor unbeschwert verreisen kann. Auch wollen die beiden Büros an alle jene Reisebüros ohne Kundengeldabsicherung appellieren, sich einer Versicherung anzuschliessen und aus der Krise zu lernen.

Schweizer Reisebüros müssen bei eigenem Schaden zum Insolvenzverwalter

Letzte Woche trat der Schweizer Reise-Verband (SRV) mit einem Schreiben an die Kaera heran, welche für die Schadenabwicklung der Zürich Versicherung in Frankfurt und somit für den Fall Thomas Cook zuständig ist. Es ging darum, dass Ansprüche betreffend über Schweizer Reisebüros gebuchten Pauschalreisen über Letztere abgewickelt werden sollten statt direkt, und dies möglichst über den Schweizer Kaera-Ableger. Dem Vorschlag wurde jedoch nicht stattgegeben, wie der SRV meldet. Die Zurich Insurance dürfe definitiv keine Rückzahlungen an die Reisebüros vornehmen. Das Reisebüro könne zwar die Schadenanzeige im Namen des Kunden einreichen, müsse aber das Formular «Erklärung des Reisenden» von allen Passagieren unterzeichnet zusätzlich hochladen. Eine mögliche Rückzahlung oder Teilrückzahlung der gemeldeten Schadenansprüche geht immer direkt auf das Konto des Kunden. Der entstandene Schaden des Reisebüros kann nur über den Insolvenzverwalter eingereicht werden, aber definitiv nicht über die Kundengeldabsicherung Kaera.

Die Adressen und das Vorgehen zum Herantreten an die Kaera waren in der neusten Branchen-Information von Thomas Cook ersichtlich. Die Kontaktdaten des Insolvenzverwalters liegen derweil noch nicht vor.

Wo ist Thomas Cook noch aktiv?

Thomas Cook ist in Grossbritannien, Deutschland und eigentlich ganz Europa am Boden. Es gibt aber noch Firmen, die mit dem Namen Thomas Cook weiter geschäften -zumindest vorläufig.

Da ist einerseits Thomas Cook India. Diese gehört formell nicht mehr zum Thomas Cook Konzern, sondern wurde 2012 an die kanadische Fairfax Financial Holdings verkauft, durfte aber den Markennamen beibehalten. Thomas Cook India ist komplett unabhängig von Thomas Cook in Europa und damit von deren Kollaps auch nicht direkt betroffen; sämtliche Reisen von Thomas Cook India sind garantiert und werden durchgeführt. Allerdings hat das Unternehmen durchblicken lassen, dass infolge der weltweiten negativen Presse im Zusammenhang mit Thomas Cook jetzt womöglich der Name geändert werden muss. Die Nutzung des Markennamens «Thomas Cook» war ohnehin nur bis 2024 garantiert. Die Marken-Änderung kommt nun wohl etwas früher als geplant.

Und dann gibt es noch Thomas Cook in Destination (Thailand) Ltd., ein Joint Venture zwischen der Thomas Cook Group und der in Bangkok beheimateten, vom Schweizer Luzi Matzig gegründeten DMC Asian Trails. Laut «TTR Weekly» war die Lage in Thailand bislang deutlich entspannter als in Europa: Da Thomas Cook keine eigenen Flüge nach Thailand betrieb, konnten die bereits gebuchten Kunden ihre Reise wie geplant beenden und mit Linienflügen normal nach Hause fliegen. Auch für Kunden, welche nach dem 8. Oktober in Thailand unterwegs sind, seien die Hotel-/Leistungsträger-Kosten von der Zurich Insurance gewährleistet. Trotz solcher Garantien sollen sich einige Reisende aber doch zur Annullierung entschieden haben.

Darüber hinaus sind auch die 36 Angestellten von TCiD (Thailand) nicht von Sorgen befreit. Luzi Matzig erklärt zwar, dass alle Löhne bezahlt werden und für den Geschäftsbetrieb bis auf Weiteres Mittel vorhanden sind. Es wird jedoch rasch Klarheit herrschen müssen, ob Thomas Cook in irgendeiner Form (als Neckermann Reisen oder sonstwie) wieder auferstehen kann und damit der TCiD (Thailand) wieder Geschäft zuschanzen kann. Das Joint Venture war im April 2018 gegründet worden und im Oktober 2018 operativ an den Start gegangen, mit Büros in Bangkok und Phuket. Nun hängt die Zukunft des Joint Ventures in der Luft, soll jedoch noch im Verlauf des Oktobers geklärt sein.

Lauda schielt auf Thomas-Cook-Flugzeuge

Mit dem Ende von Thomas Cook stellt sich natürlich die Frage, was mit der grossen Flugzeugflotte passiert, welche aktuell - mit Ausnahme von Condor - gegroundet ist. Da bringen sich bereits einige in Stellung. Die österreichische Tochtergesellschaft des Lowcost-Riesen Ryanair, die Lauda, hat dem Vernehmen nach die Fühler nach den A320 im Portfolio von Thomas Cook ausgestreckt. Von den 105 Flugzeugen bei Thomas Cook sind deren 13 Airbus A320 und 49 A321. Lauda (die frühere Laudamotion) betreibt bislang eine reine Airbus-Flotte mit 21 A320-200. Das Problem ist aber, dass Boeing mit Problemen rund um die B737MAX beschäftigt ist und Airbus bei den A320 einen Produktions-Backlog hat. Um die projizierte Nachfrage für den Sommer 2020 zu befriedigen, sind neue Flugzeuge benötigt. Da käme die bei Thomas Cook freiwerdende Kapazität gerade recht und die Leasingfirmen würden die gegroundeten Flugzeuge mit neuer Bemalung sicherlich lieber früher als später wieder in die Luft schicken. Der Sachverwalter von Thomas Cook wird allerdings auch noch ein Wörtchen mitzureden haben.

(JCR/NWI)