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Der vor über 25 Jahren gegründete Garantiefonds ist die grösste Kundengeldabsicherungslösung der Schweizer Reisebranche. Der Lack bröckelt allerdings. Bildmontage: TN

Die Erklärungsversuche des Garantiefonds

Der Garantiefonds der Schweizer Reisebranche ist eine bekannte, bewährte Institution. Allerdings gibt es hin und wieder Kritik. Dieser wird primär mit PR begegnet, Fragen über Grundsätze prallen an der Stiftungsform ab. Sollte es mehr Transparenz geben oder ist alles gut wie es ist? Diskutieren Sie mit.

Der Garantiefonds der Schweizer Reisebranche ist zwar nicht die einzige, aber die älteste und grösste Organisation, welche die von Gesetzes wegen vorgeschriebene Kundengeldabsicherung für Reiseunternehmen übernimmt. Also eine für die Reisebranche wichtige und notwendige Organisation. Doch seit langem steht Kritik am Garantiefonds im Raum – und nimmt nicht ab.

An der Generalversammlung des Schweizer Reise-Verbands (SRV) war beispielsweise öffentlich kritisiert worden, dass die Stiftungsratsmitglieder zu hoch entlöhnt werden. Für viele KMU-Reisebüros sind die hohen Anforderungen an die Aufnahme im Garantiefonds ein Problem, wobei dies aufgrund des Vorhandenseins von verschiedenen Kundengeldabsicherungslösungen eigentlich abgefedert werden kann. Es gibt teils auch Kritik an einem Präsidenten und einem Geschäftsführer, welche beide in der Branche wenig sichtbar sind - allerdings wird diese Kritik selten öffentlich vorgetragen.

Berechtigte Kritik? Mal abgesehen von dieser Frage muss man vor allem diskutieren, wie viel Informationspflicht eine Organisation wie der Garantiefonds gegenüber seinen Teilnehmern hat, welche diesen mit ihren Eintrittsgebühren und Jahresbeiträgen letztlich finanzieren. Wir haben bei Stefan Spiess, Geschäftsführer des Garantiefonds, einige Kritikpunkte vorgelegt – welche eine Woche später schriftlich beantwortet wurden.

Thema Entschädigungen

2018 wurde für den zehnköpfigen Stiftungsrat (samt Rechtsberatung) eine Summe von 91‘566 Franken ausbezahlt, also leicht weniger als noch im Vorjahr (91‘908 Franken). «Für den erheblichen Aufwand in den Sitzungen, den Ausschüssen und den dazugehörigen Arbeiten für Abklärungen handelt es sich im Vergleich zu anderen Mandaten um bescheidene Entgelte», erklärt Spiess und fügt an «weitere Details dazu werden nicht ausgewiesen». Damit bleibt die Frage im Raum, wie viel Präsident André Dosé selber einsteckt, und wie viel die anderen Ratsmitglieder, also Martin Wittwer (TUI Suisse) Jacques Lathion (Lathion Voyages), Rolf Besser (Rechtsanwalt), Walter Güntensperger (Hürzeler Bicycle Holidays), Heinrich Marti (Marti Reisen), Daniel Bühlmann (Hotelplan Suisse), Claude Luterbacher (Transcontinental), Rolf Helbling (Helbling Reisen), Dieter Zümpel (DER Touristik Suisse) und Garantiefonds-Geschäftsführer Stefan Spiess selber.

Zugegeben, 91‘000 Franken für 10 Personen, das ist für Schweizer Verhältnisse nicht enorm. Die Frage ist aber, weshalb denn der Stiftungsrat so gross sein muss. Diese Frage bleibt unbeantwortet bzw. wir erhalten eine Art Statutenauszug: «Der Stiftungsrat ist das zentrale Organ der Stiftung […], ihm obliegt die Verantwortung für den Garantiefonds und die Ombudsstelle. Im Interesse der Teilnehmer definiert der Rat die Abläufe zur gesunden Bewirtschaftung der Risiken sowie zur effizienten Abwicklung bei Schadenfällen. Zur operativen Umsetzung seiner Entscheidungen sowie zur Kommunikation setzt er die Geschäftsstelle ein. Zu den weiteren Aufgaben des Rats gehören unter anderem Investmententscheidungen, um einen langfristig soliden Ertrag des Fondsvermögens zu erzielen, zeitgemässe Anpassungen des Vertragswerks, die Definitionen der Abläufe, Verhandlungen mit externen Parteien wie zum Beispiel den Rückversicherern, politische Arbeit, Sonderausschüsse zu spezifischen Fragen wie auch zur Begleitung der Geschäftsstelle in Fachfragen und Einschätzungen.»

Schön und gut – aber warum werden denn die Teilnehmer darüber nicht detaillierter in Kenntnis gesetzt? Und darf man nicht auch mal Statuten hinterfragen?

Thema Stiftung als Rechtsform

Womit wir beim Thema «Stiftung» wären. Diese Organisationsform erlaubt es, öffentlich keine Rechenschaft ablegen zu müssen, ausser der grundlegenden finanziellen Berichterstattung. Aber warum ist man überhaupt als Stiftung organisiert? Auch da folgt «PR-speak»: «Der SRV hat sich für die Gründung eines Garantiefonds in der Form einer Stiftung entschieden, weil es die geeignete Rechtsform ist, um ein Vermögen für einen besonderen Zweck einzusetzen. Wesentliche Anforderungen waren dabei, dass es eine eigene Lösung ohne staatliche Aufsicht gibt, dass diese kostengünstig als Selbsthilfeorganisation organisiert ist und gleichzeitig eine Ombudsstelle damit geschaffen und finanziert wird. Einzig die grossen Touroperators wären damals in der Lage gewesen, aus eigener Kraft eine Absicherung für sich zu machen, doch es wurde eine Branchenlösung bevorzugt, welche allen Reisebüros diente.» Wobei bei dieser, siehe oben, doch primär die grossen Reiseveranstalter das Sagen haben. Und warum stellt man diese Organisationsform – rund 26 Jahre nach der Gründung und in einem komplett anderen Reisebranchen-Umfeld als anno dazumal – nicht mal in Frage?

Person André Dosé

Der Stiftungsratspräsident André Dosé ist in der Branche natürlich bekannt, aufgrund seiner Zeit bei der Crossair (1986-2002) und als erster CEO der Swiss (2002-2004), allenfalls noch für sein kurzes Gastspiel als CEO von Gulf Air (2007).

Seit seiner Wahl zum Stiftungsratspräsidenten des Garantiefonds – André Dosé ist in seiner zweiten Wahlperiode bis 2020 - hat man ihn in der Branche eigentlich nie gesehen, auch nicht an der SRV-GV. Das führt zu Fragen. Antwort aus dem Garantiefonds: «Laut Statuten ist als Präsident eine Person zu wählen, die nicht oder nicht mehr aktiv in der Reisebranche tätig ist. Seine Hauptaufgaben sind die Führung des Stiftungsrats, die strategische Weiterentwicklung der Stiftung sowie die Kontrolle und das Monitoring der operativen Geschäfte.» Dosé habe laut Spiess zusammen mit seinen Ratskollegen «die Stiftung intensiv weiterentwickelt»: «So ist in seiner Zeit zum Beispiel die Früherkennung von Risiken deutlich verbessert worden, was ganz im Sinne der Teilnehmer und der Kosteneffizienz liegt.» Und zum Abschluss noch die Feststellung: «Bei seiner Tätigkeit verknüpft er geschickt das Know-how der Räte mit den jeweils anliegenden Entscheidungsprozessen und setzt dabei eine transparente Kommunikation ein.» Diese Antwort kommt wohl eher aus Dosé’s persönlicher PR-Küche als aus Spiess‘ Feder.

Zumindest die besagte transparente Kommunikation scheint nach aussen hin entweder nicht der Fall oder aber ungenügend umgesetzt zu sein. Und ob eine Verschärfung der finanziellen Anforderungen an die Reisebüros – Stichwort «15% Eigenkapitalquote» - wirklich «in Sinne der Teilnehmer» ist, darf bzw. sollte diskutiert werden.

Themenbereich Mitgliederschwund und Schadenfälle

Auf der Website des Garantiefonds steht, dass etwa 1100 Reiseveranstalter und Reisevermittler aus der Schweiz und Liechtenstein dem Garantiefonds angeschlossen sind. Aus welchem Jahr diese Aussage wohl stammt? Auf Nachfrage beim Garantiefonds kommt nämlich folgende Antwort: «Die Zahl der Teilnehmer liegt aktuell bei 500 und ist gegenüber dem 31.12.2017 mit 517 Teilnehmern leicht gesunken [um 3,3 Prozent innert Jahresfrist; Anm.d.Red.]. Im Vordergrund stehen dabei Geschäftsaufgabe bei Pensionierung sowie bei Unternehmen mit anderen Geschäftszweigen der Rückzug aus dem Reisegeschäft.»

Darüber hinaus gibt es natürlich Mitgliederschwund aufgrund von Schadensfällen. Im Jahr 2018 war es die Reisebüro Uster AG mit einer Nettoschadensumme von 184'000 Franken (nach Abzug der Garantie von 50'000 Franken) sowie in diesem Jahr bislang zwei kleinere Fälle, die Yalea Languages Schweiz AG und die Krish Tours & Travels AG. «Da letztere zwei Fälle erst in der Bearbeitungsphase sind, gibt es noch keine definitiven Zahlen», schreibt Spiess, «zurzeit gehen wir davon aus, dass die Kosten im Rahmen der individuell hinterlegten Garantien liegen dürften und damit das Fondsvermögen nicht belastet werden sollte.»

Deckung von Einzelleistungen

Der Garantiefonds ist bekanntlich aktuell damit beschäftigt abzuklären, was eine Deckung von im Reisebüro gebuchten Einzelleistungen kosten würde und ob so etwas überhaupt durchsetzbar wäre. Ein Thema, das die Reisebranche brennend interessiert. Wie weit ist man da? «Der Garantiefonds plant an einer geeigneten Plattform wie der GV des SRV weiter über seine Tätigkeiten zu informieren und die aktuellen strategischen Punkte einem breiteren Publikum der Branche näherzubringen», heisst es lediglich.

Dann lassen wir dies mal so im Raum stehen und freuen uns darauf, an der nächsten SRV-GV eingehender über die Aktivitäten, Strategie und Ziele des Garantiefonds informiert zu werden - hoffentlich dann nicht nur mittels einer unilateralen Präsentation, sondern auch mit einer anschliessenden Diskussion.

(JCR)