Rail & Road

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Wegen der Affäre sind schon Köpfe gerollt: Uber durchlebt gerade einen Shitstorm wegen einem Datenhack. Bild: Youtube

Ein Uber-dimensionaler Skandal

Der populäre Fahrdienst hat einen massiven Hack verschwiegen und die Hacker für die Löschung der Kundendaten ausbezahlt. Die Kritik am Unternehmen ist enorm.

Kennen Sie noch jemanden in der Reisebranche oder aus ihrem persönlichen Umfeld, der keine Uber-App auf dem Handy hat? Der Taxifahrdienst hat trotz viel Gegenwind auch in der Schweiz einen beispiellosen Siegeszug hingelegt, trotz diversen Skandalen rund um ihren Gründer Travis Kalanick. Aber jetzt durchlebt die Firma, welche mit der Ernennung von Dara Khosrowshahi eigentlich zur Ruhe kommen wollte, einen weiteren Shitstorm. Der Grund: Ein Problem, welches in vielen (touristischen) Foren, zuletzt auch an der SRV-GV, als eines der wirtschaftlichen Hauptprobleme der kommenden Jahrzehnte erkannt wurde: Hacking.

Das Problem in diesem Fall ist aber nicht der Hack selber, sondern der Umgang der Firma mit dem Datenleck. Konkret: Ende 2016 verschafften sich externe Personen via Hack Zugang zu Daten von über 57 Millionen Uber-Nutzern. Zu den Datensätzen gehörten Namen, Mail-Adressen und Telefonnummern sowie auch 600'000 Fahrausweis-Identifikationsnummern. Uber war aber nicht der Meinung, dass es nötig sei, die Öffentlichkeit oder schon nur die Behörden zu informieren. Stattdessen wurde den Hackern Geld gezahlt, um die Informationen zu löschen.

Dara Khosrowshahi erst seit August CEO von Uber, erklärte in einem Statement, er habe bis vor Kurzem nichts über den Hack gewusst. Er hat eine interne Untersuchung eingeleitet; zwei Personen, welche die Nicht-Veröffentlichung des Hacks anordneten, wurden bereits entlassen. Darunter soll offenbar Chief Security Officer Joe Sullivan sein. Auch die Behörden wurden inzwischen informiert.

Khosrowshahi liess durchblicken, dass nach Bekanntwerden des Lecks sofort Massnahmen eingeleitet wurden, um den Verlust weiterer Daten zu verhindern. Neue Sicherheitssysteme für Cloud-Daten seien seitdem eingerichtet worden. Ausserdem seien keine Kreditkartennummern oder Geburtsdaten gestohlen worden. Er bestätigte aber auch, dass die beiden Hacker ausbezahlt wurden und dass sichergestellt worden sei, dass die Daten vernichtet sind. Wie das geprüft wurde, erklärt Uber nicht, und auch über die Höhe des «Lösegelds» wurden keine Angaben gemacht. «Bloomberg» geht davon aus, dass es sich um rund 100'000 Dollar gehandelt habe.

Ob diese Episode von Uber den Siegeszug des Unternehmens in der städtischen Mobilität eindämmt? Kaum. Den Gebrauch von geheimer Software, den Datenklau bei Google oder Anschuldigungen sexueller Natur gegen den CEO hat Uber bereits überlebt. Es wird aber den Konkurrenten wie Lyft Auftrieb geben und zeigt, dass Khosrowshahi noch viel Arbeit vor sich hat, um die Reputation der Firma auf Augenhöhe mit deren technischen Vorteilen zu bringen.

(JCR)