Karriere

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Es stellt sich die Frage, mit wem Sie über Ihren Traum reden – oder eben auch nicht. Bild: Fotolia

Haben Sie einen Traum?

Von Felix Frei

Neue Wissensgebiete? Besondere Arbeitseinsätze? Ein Karriereschritt? Wer bei der Arbeit Träume hat, ist beneidenswert gut dran, findet Psychologe Felix Frei.

Als Martin Luther King 1963 anlässlich des Marsches auf Washington für Arbeit und Freiheit, an dem mehr als 250'000 Menschen teilnahmen, kundtat: «I have a dream», sprach er den wohl stärksten Satz der Epoche. Unsereiner bäckt kleinere Brötchen. Doch das soll uns nicht daran hindern, eigene Träume zu haben. Privat sowieso nicht, aber eben auch in der Arbeit nicht.

Obligatorisch ist das nicht. Es spricht nichts dagegen, seine Arbeit ordentlich und engagiert zu machen, aber darin nicht mehr zu sehen und zu wollen, als seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Der Zeitgeist ruft uns zwar immerfort zu Begeisterung und Sinnerfüllung gerade auch in der Arbeit auf – doch vieles daran ist übertrieben und wirkt eher affektiert. Diesbezügliche Schwärmereien mancher Managementtheoretiker sind so übertrieben, dass man sie (mit Willy Brandt) fragen möchte: «Hätten Se’s nicht ’ne Nummer kleiner?»

Nichtsdestotrotz: Wenn Sie für sich einen Traum haben, sind Sie beneidenswert gut dran. Sie wissen dann ganz besonders gut, wofür Sie sich anstrengen. Selbstredend kann das ein Karrieretraum sein, aber das muss es keineswegs. Man kann von neuen Wissensgebieten oder Arbeitseinsätzen ebenso gut wie von besonderen Erfolgen in der angestammten Arbeit träumen. Träume sind eine ganz und gar persönliche Sache.

Wen können Sie einweihen?

Umso mehr stellt sich die Frage, mit wem Sie über Ihren Traum reden (oder eben auch nicht). Privat vielleicht mit Ihrem Ehepartner oder Ihren Kindern, vielleicht mit einem engen Freund, einer Freundin.

Das ist einzig eine Frage Ihres Vertrauens. Innerbetrieblich ist es aber heikler. Kollegen sind womöglich Konkurrenten oder Neider in Bezug auf Ihren Traum. Falls Sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führen: Die können Sie höchstens einweihen, wenn sie Teil Ihres Traums sein können und dieser für sie ebenso attraktiv ist.

Aber was machen Sie mit Ihrem Chef? Stellen Sie sich drei Fragen: Brauche ich die Unterstützung meines Chefs für die Verwirklichung meines Traums? Ist es ein Gebot der Fairness, ihn darüber zu informieren (das ist es, wenn Sie es bei umgekehrter Rollenverteilung so sehen würden)? Könnte er meinem Traum im Wege stehen (zum Beispiel, weil er auf dem Stuhl sitzt, den Sie gerne möchten, und den er nicht räumt)? – Ich denke, die Konsequenz wird dann auf der Hand liegen.

Mit einem Menschen aber müssen Sie reden: mit Ihnen selbst. Sie sollten sich periodisch fragen, ob Sie einen Traum haben und, wenn ja, worin er besteht. Und – ob ja oder nein – Sie sollten Ihr berufliches Tun und Lassen daraufhin prüfen, ob es diesbezüglich stimmig und zweckmässig ist. Bei Wünschen kann man ja noch auf andere oder sein Glück hoffen. Bei Träumen muss man schon selbst etwas unternehmen, wenn sie denn wahr werden sollen.

Aber wie gesagt: Es ist auch legitim, sozusagen traumlos zu arbeiten. Mir freilich scheint es durchaus fair zu sein, Ihren Chef auch darüber nicht im Unklaren zu lassen.