Future

Die Morgensonne scheint auf den Panamakanal, eines der bekanntesten Wahrzeichen des Landes, und auf Panama-Stadt: Dieses zentralamerikanische Land bietet eine Mischung aus Natur, Kultur und moderner Infrastruktur. Bild: Unsplash, Zdeněk Macháček

Sind das die Trendziele der Zukunft?

Markus Fässler

Noch gibt es sie: Länder oder Regionen, die nur von wenigen Menschen bereist werden. Die Schweizer Tourismusprofis verraten, wo sie Potenzial für eine touristische Entwicklung sehen.

Jenseits der üblichen Ferienhotspots wächst bei vielen Reisenden die Begeisterung für wenig bekannte Landschaften abseits der Touristenströme. Auch Fachleute aus der Schweizer Reisebranche richten ihren Fokus zunehmend auf Regionen, die bislang im Schatten der etablierten Touristenziele geblieben sind.

Nach Einschätzung der Reiseprofis könnten folgende Länder künftig eine bedeutendere Rolle im internationalen Reisegeschehen einnehmen:

Suriname

«Suriname könnte sich in den kommenden Jahren als interessanter Newcomer herausstellen. Wer sich für Natur, Artenvielfalt und Ursprünglichkeit interessiert, findet hier ein Paradies. Das macht das Land zu einem spannenden Reiseziel für Naturliebhaber und Naturliebhaberinnen», sagt Beatrice Honegger, Manager Tour Operating Latino Travel (eine Marke der Knecht Reisegruppe). Der Staat an der Nordostküste Südamerikas hat viel zu bieten. Über 80 Prozent des Landes bestehen aus unberührtem Primärwald – eine Seltenheit in einer Zeit, in welcher Regenwälder zunehmend schwinden.

Die Hauptstadt Paramaribo, die eine bewegte koloniale Geschichte hat, zählt rund 250'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Bild: Adobe Stock

Dazu gibt es Strände sowie eine artenreiche Flora und Fauna: Affen, Faultiere, Tapire, Jaguare und Delfine sind hier ebenso heimisch wie unzählige Vogelarten. In der Hauptstadt Paramaribo erinnert die Architektur mit Bauten wie dem Fort Nieuw Amsterdam an die bewegte Kolonialgeschichte des kleinen, aber überraschend vielfältigen Landes.

Uganda

Ugandas Westen hat sich wegen der Nationalparks und Gorilla-Trekkings bereits seit längerem zu einem beliebten Ziel für Touristinnen und Touristen gemausert. Lisa Nyffeler, Inhaberin des Afrika-Spezialisten Bricks Travels, sieht jedoch auch im Osten des Landes grosses Potenzial. «Die Region öffnet sich langsam für den Tourismus und bietet einen spannenden Mix aus Natur, Kultur sowie ein authentisches Eintauchen in das Leben der Bevölkerung», sagt sie. So warten unter anderem kulturelle Touren mit Mitgliedern des Volksstamm Karamojong, Walking Safaris im Karamoja-Gebiet oder ein Besuch im Pian Upe Nature Reserve auf die Besucherinnen und Besucher.

Der Kidepo-Valley-Nationalpark liegt im Nordosten Ugandas und gilt als eines der wildesten Safari-Ziele in ganz Afrika. Bild: Unsplash, Mark Nsubuga

Und dann ist da noch der Kidepo-Tal-Nationalpark, eines der wildesten und abgelegensten Safari-Ziele Afrikas. Im äussersten Nordosten Ugandas an der Grenze zum Südsudan gelegen, lassen sich hier etwa Büffelherden, Elefanten, Löwen, Husarenaffen, Rothschild-Giraffen sowie eine Vielzahl von Antilopen und nachtaktiven Fleischfressern beobachten.

Puerto Rico

Puerto Rico bleibt für viele Reisende ein blinder Fleck auf der Landkarte. Das könnte sich laut Brancheninsidern bald ändern. Denn Puerto Rico punktet mit Karibik-Stränden, US-Infrastruktur und der Möglichkeit, das Land auf abwechslungsreichen Rundreisen zu entdecken.  Schliesslich bietet das US-Territorium, gut zwei Flugstunden von Miami entfernt, nicht nur feine Sandstrände, sondern auch eine Vielfalt an kulturellen, städtischen und landschaftlichen Erlebnissen. In San Juan zeugen koloniale Festungen von der spanischen Vergangenheit.

Bunte Häuser, Street Art, Wandmalereien und eine lebendige Atmosphäre: Das Viertel La Perla außerhalb der Altstadt von San Juan wirkt vielversprechend – ist jedoch nicht ganz sicher. Bild: Adobe Stock

Naturfreunde kommen ebenfalls auf ihre Kosten, etwa im El Yunque-Regenwald. In dieser spektakulären Landschaft mit unzähligen Wasserfällen und praktischen Wanderpfaden lassen sich unter anderem Coqui-Frösche und Papageien beobachten Ein besonderes Highlight des Landes: Die biolumineszenten Buchten, in denen unzählige Mikroorganismen das Wasser nachts erstrahlen lassen.

São Tomé und Príncipe

Die grossen Touristenströme sucht man auf der Inselrepublik São Tomé und Príncipe vergeblich. Grund genug, den Archipel als weitgehend noch unbekanntes Paradies mit einem grossen touristischen Potenzial für die Zukunft zu nennen. Zumal es ab der Schweiz bei einer bestehenden Nonstop-Verbindung in rund sieben Stunden Flugzeit erreichbar wäre. Dank des fehlenden Massentourismus lässt sich die Natur umso intensiver erleben.

Das Wahrzeichen von São Tomé: Der Felsen Pico Cão Grande prägt die Landschaft der Insel. Bild: Adobe Stock

Auf die Reisenden warten dichte Regenwälder und eine vielfältige Tierwelt mit vielen Vogelarten, die es sonst nirgends zu sehen gibt. Auch Taucherinnen und Taucher sind auf São Tomé und Príncipe richtig. Rund um die Inseln tummeln sich Schildkröten. Geschichtlich hat São Tomé und Príncipe ebenfalls viel zu erzählen: Imposante Kolonialbauten erinnern zum Beispiel an die portugiesische Vergangenheit.

Philippinen

Abgesehen von Boracay, das wegen seiner Beachpartys und Top-Strände zum Touristenmagnet wurde, gibt es auf den Philippinen keine Spur von Massentourismus. Bei 7641 Inseln hat es definitiv genug Ausweichmöglichkeiten – und gemäss Stephan Roemer, CEO des Asien-Spezialist Tourasia, jede Menge Potenzial. «Der Trend bei den Reisenden heisst weg von der Masse. Die Philippinen haben keine Masse. Die touristische Infrastruktur ist zwar begrenzt, was zugleich aber den Reiz des südostasiatischen Landes ausmacht», sagt er.

Einheimische spazieren entlang der Reisterrassen von Batad in Banaue auf der philippinischen Insel Luzon. Bild: Adobe Stock

Im Norden von Luzon beeindrucken Jahrtausende alte Reisterrassen, die von Hand in die Berghänge gegraben wurden und heute als Unesco-Welterbe gelistet sind. Im Landesinneren lassen sich ehemalige Zuckerbaron-Farmen besuchen. Für Taucherinnen und Taucher bietet das Meer eine der weltweit artenreichsten Unterwasserwelten.

Saudi-Arabien

Nach und nach öffnet sich Saudi-Arabien für den Tourismus. Dafür wird einiges an Geld in die Hand genommen. Über 500 Milliarden Dollar will der Wüstenstaat in die Entwicklung innovativer und umweltfreundlicherer Reiseziele investieren und so seine Abhängigkeit vom Öl reduzieren. Saudi-Arabien ist voller Kontraste zwischen Jahrtausenden alten Wüstenlandschaften und hypermodernen Städten.

Der Altstadtbezirk Al-Balad in Dschidda mit seiner traditionellen Architektur gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Bild: Adobe Stock

In Riad, Jeddah oder Dammam lässt sich der Wandel zur Moderne beobachten, ohne dass die kulturellen Wurzeln verloren gingen. Zudem gibt es trotz der Rub‘ Al-Khali, der grössten Sandwüste der Welt, weit mehr als nur Sand. So warten unter anderem sechs Unesco-Welterbestätten, an den Küstenregionen am Roten Meer Korallenriffe sowie verschiedene Tauchspots.

Nicaragua

Auch in Zentralamerika schlummern weniger bekannte Reisedestinationen. Für Beatrice Honegger von Latino Travel gehört dazu Nicaragua: «Das Land der Seen und Vulkane bietet insbesondere für Wiederholungsreisende viel Potenzial und Neuland.» Wichtig zu wissen: Die Infrastruktur und die Hotelkapazitäten sind hier noch nicht auf dem Niveau von Costa Rica.

Die kleine Stadt Nagarote im Westen Nicaraguas liegt am Fuss des Vulkans Momotombo. Bild: Adobe Stock

«Die Nachfrage zeigt, dass Nicaragua-Reisende vielfach Abgeschiedenheit und Ruhe suchen – und diese auch finden», so Honegger.

Panama

Panama bleibt trotz seiner zentralen Lage zwischen Nord- und Südamerika ein Aussenseiter auf der touristischen Landkarte – noch. Denn: «Panama ist politisch stabil und auch die wirtschaftliche Lage wird den Tourismus ankurbeln. Demnach könnte Panama in den kommenden Jahren eine immer bedeutendere Destination werden», ist Gabriela Stauffer, Geschäftsführerin Dorado Latin Tours, überzeugt. Panama gilt bereits jetzt als ein aufstrebendes Ziel für Reisende, insbesondere für diejenigen, die eine Mischung aus Natur, Kultur und moderner Infrastruktur suchen. Zu den Highlights des Landes gehört unter anderem der berühmte Panama-Kanal, eines der grössten Bauwerke der Welt.

In Panama-Stadt treffen Besucher sowohl auf eine beeindruckende Skyline als auch auf eine faszinierende koloniale Altstadt. Bild: Unsplash, Luis Aleman

Abseits davon hat das Land mit Regenwäldern, Stränden, vorgelagerten Inseln wie die San Blas-Inseln oder Bocas del Toro, übrigens ein Geheimtipp für Seglerinnen und Segler, ebenfalls viel zu bieten. Die Hauptstadt Panama City überrascht derweil mit ihrer Mischung aus moderner Skyline, kolonialer Altstadt und hochstehender Gastronomie.