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Aufgrund der hohen Anzahl an kommerziellen Besteigungen versinkt der Mount Everest zunehmend im Abfall. Bild: Ananya Bilimale

Knatsch um Mount-Everest-Säuberung

35'000 Kilogramm Abfall sollen in diesem Jahr vom höchsten Berg der Welt von Soldaten abtransportiert werden. Doch diese Arbeit ist gefährlich und bringt ein hohes Risiko mit sich, weshalb der Plan auf Kritik von den Sherpas stösst.

Jährlich pilgern im Frühjahr hunderte Abenteurer zum Himalaya Gebirge, um den wohl bekanntesten Gipfel, den Mount Everest, zu erklimmen. Jeder von ihnen produziert beim Aufstieg durchschnittlich acht Kilogramm Abfall, bestehend aus leeren Sauerstoffflaschen, Zelten, Dosen, Flaschen oder Medikamenten. Leider kommt der Grossteil des Mülls nicht wieder hinunter. Um das Problem zu bekämpfen, müssen Bergsteiger eine Kaution von rund 400 Schweizer Franken bezahlen, die sie zurückerhalten, wenn sie ihren Abfall zurückbringen.

Leider funktioniert dieser Ansatz nicht. Dieser Betrag ist zu günstig, denn für eine Mount-Everest-Expedition bezahlen die Abenteurer rund 53'000 Franken. Da tun diese Zusatzkosten auch nichts zur Sache. Bringen sie nicht die vorgeschriebene Abfallmenge zurück, wird pro fehlendes Kilo eine Busse von rund 100 Franken erhoben – eine Strafe, welche die Outdoor-Enthusiasten in Kauf nehmen.

Nun reicht es der Regierung von Nepal und sie plant in einer grossen Aufräumaktion 35'000 Kilogramm Abfall vom Mount Everest und den fünf umliegenden Gipfeln Lhotse, Pumori, Amadablam, Makalu und Dhaulagirizu entfernen – darunter auch Leichen. Dafür soll das Militär aufgeboten werden. Kostenpunkt beträgt umgerechnet rund 7,5 Millionen Schweizer Franken. Dieser Plan stösst den Sherpas sauer auf, weil die Arbeit in den hoch gelegenen Gebieten enorm gefährlich ist.

Sherpas zeigen sich besorgt

Gegenüber «BBC» sagt Kami Rita, ein Sherpa, der den Mount Everest bereits 24 Mal bestiegen hat: «Die Regierung sollte Sherpas mobilisieren, um den Müll aus höheren Lagen aufzuräumen. Nur ausgebildete Sherpa-Führer und -Träger können das tun und sie sollten für die Säuberung eine angemessene Entschädigung erhalten.» Die Armee hat im vergangenen Jahr 10'000 Kilogramm Abfall aus tiefer gelegenen Gebieten erfolgreich entfernt, in der Höhe sei die Arbeit aber für unerfahrene Bergsteiger gefährlich. Alleine im letzten Jahr verunglückten bei der Besteigung elf Menschen tödlich, die Leichen befinden sich noch immer auf dem Berg. Wegen der extremen Kälte sind die Körper gefroren und haben ein Gewicht von rund 150 Kilogramm – keine leichte Aufgabe, diese vom Berg zu schaffen.

Die Regierung überlegt sich immer mehr Massnahmen, um die steigenden Besucherströme auf dem gigantischen Berg einzudämmen. So sollen in Zukunft maximal 150 Bergsteiger pro Tag zugelassen werden. Ausserdem sollen diese vorgängig eine Art «Höhen-Führerschein» vorweisen, um zu beweisen, dass sie erfahrene Bergsteiger sind.

(NWI)