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Schnee im tropischen Herzen Afrikas: Sowas gibt's nur auf dem über 5000 Meter hohen Kilimanjaro. Bald sollen Touristen per Seilbahn dorthin gelangen. Gute Idee? Bild: Sergey Pesterev

Bald soll es per Seilbahn auf den Kilimanjaro gehen

Ein Aufstieg auf den höchsten Berg Afrikas ist ein langes, beschwerliches und extrem lohnendes Erlebnis. Tansania will jedoch eine Variante für Faule, um mehr Touristen anzulocken. Widerstand formiert sich bereits.

Der Kilimanjaro ist das höchste Bergmassiv Afrikas - eine Unesco-geschützte Landschaft aus insgesamt drei Vulkankratern, wobei der höchste Gipfel, der Kibo (oder auch Uhuru Peak) auf 5895 Metern über Meer liegt. Wer das eisbedeckte «Dach Afrikas» besteigen wollte, brauchte bislang dafür eine Genehmigung, rund eine Woche Zeit und meist auch die Hilfe von lokalen Trägern. Ein eindrückliches Erlebnis, das allerdings körperliche Fitness und auch ziemlich viel Geld benötigt; einige bezahlen das Abenteuer gar mit dem höchsten Preis, ihrem Leben.

Dennoch haben in den letzten Jahren rund 50'000 Personen jährlich den Kilimanjaro erklommen. Eine Zahl, welche die Regierung Tansanias nun erhöhen will, und zwar um rund 25'000 Personen. Wie das gehen soll? Indem man es den Besuchern leichter macht. Constantine Kanyasu, der stellvertretende Tourismusminister des Landes, hat gegenüber der Agentur Reuters eröffnet, dass Machbarkeitsstudien für die Einrichtung einer Seilbahn bereits in Auftrag gegeben wurden. Dafür sei man mit je einem chinesischen und einem «westlichen» Industrieunternehmen in Verhandlungen. Geprüft werden die bestmögliche Route, das für die Umsetzung des Projekts benötigte Investment und der zukünftige Nutzungsplan. Schliesslich sollen die zusätzlichen Touristen weiteres Geld in Tansanias Kassen spülen, welche schon jetzt sehr stark auf Deviseneinnahmen aus dem Tourismus angewiesen sind. Allein 55 Millionen Dollar werden jährlich mit Gebühreneinnahmen für die Besteigung des Kilimanjaro erzielt.

Widerstand der Träger

Noch spricht man hier nur von einem Projekt. Es ist auch alles andere als klar, ob die Seilbahn bis zum Gipfel führen wird oder nur bis zum einer Station auf mittlerer Höhe. Aktuell führt die höchste Seilbahn der Welt nur bis auf 4843 Meter, über 1000 Meter tiefer als der Uhuru Peak. Ebenso hat die tansanische Regierung in Aussicht gestellt, dass es eine Umweltverträglichkeitsprüfung geben werde.

Trotzdem regt sich schon Widerstand gegen das Projekt. In erster Linie noch nicht mal von Umweltschützern: Es sind die lokalen Träger und Guides, welche um ihr Einkommen fürchten. Ihr Argument ist klar: Der erleichterte Aufstieg wird den Bedarf für Träger und Guides reduzieren, dazu auch die durchschnittliche Aufenthaltsdauer am Berg. Manche Touristen brauchen für den einwöchigen Aufstieg rund 15 Hilfspersonen. In den Bergmassiven des Kilimanjaro und des nahe gelegenen Mount Meru arbeiten bis zu 20'000 Personen als Träger und Guides. Ob deren Jobsituation berücksichtigt wird?

Es ist zu befürchten, dass sich die tansanische Regierung vor allem auf eigene direkte Einkünfte stützt. Das Tourismusgeschäft wächst gut, im letzten Jahr konnten die Umsätze aus dem Tourismusgeschäft um 7,13 Prozent gesteigert werden. Eine Seilbahn, gepaart mit dem Ausbau von Safari- und Badeferien-Einrichtungen, könnte Tansania aus dem Schatten von Kenia treten lassen. Ob der Preis dafür wohl zu hoch ist?

(JCR)