Tourismuswelt
Sunday Press SBB haben Probleme mit der Sicherheit
Rück- und Ausblicke, Bilanzen und Prognosen sowie Menschen, die 2017 Schlagzeilen machten, prägen die letzten Sonntagszeitungen des Jahres. Entsprechend wenig News gibt es aus der Welt des Tourismus zu vermelden.
Gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz verschaffte sich die «SonntagsZeitung» Einblick in eine Datenbank des Bundesamts für Verkehr (BAV) und kommt zum Schluss, dass die SBB «Probleme mit der Sicherheit haben». Allein im letzten Jahr mussten 980 Güter- und Passagierzüge angehalten werden, «weil ein Sicherheitsrisiko bestand». Zu den riskanten Zugfahren und Betriebsunterbrüchen komme es wegen Fehlern des Personals, das Zugkontrollen vornimmt, und Angestellten von Firmen, die Güterwagen beladen.
Die Auswertung der «Neuen Ereignisdatenbank» zwischen 2010 und 2016 zeigt, dass insgesamt 3700 defekte oder fehlerhaft vorbereite Güter- und 160 Passagierzüge im SBB-Streckennetz verkehrten. Das Sicherheitsniveau bei der Zugvorbereitung sei aber nicht gesunken, sondern trotz der Zunahme der Beanstandungen gestiegen, sagt dazu Philipp Thalmann, Projektleiter Optimierung Zugvorbereitung bei SBB Cargo. Dass mehr Beanstandungen gemeldet werden, führt Thalmann auf den Ausbau der Überwachungsanlagen zurück von 93 im Jahre 2009 auf heute 203.
«Meistens können Züge mit Mängeln aus dem Verkehr gezogen werden, bevor es zu Unfällen kommt», bilanziert die «SonntagsZeitung». Zwischen 2010 und 2016 gelang das in 25 von 3860 riskanten Zugfahren jedoch nicht: Es kam zu mehreren Kollisionen von Zügen mit Gegenständen, zwei Bränden, einer Entgleisung und weiteren Vorfällen. Um Fehler zu reduzieren und Sicherheitsrisiken schneller zu erkennen, wollen die SBB weiter in die Technik investieren. «Wenn ein Mangel erst auf der Reise festgestellt wird, kann dies den Betrieb stören. Deshalb ist es unser Ziel, Mängel möglichst schon vor der Abfahrt des Zugs zu beheben», sagt der SBB-Entwickler Thalmann. Gemeinsam mit den Österreichischen Bundesbahnen arbeiten die SBB am intelligenten Güterzug. Sensoren sollen beispielsweise Türsicherungen überwachen oder anzeigen, wenn ein Wagen nicht gleichmässig beladen ist.
«Der mächtige Herr Meyer»
Auch der «SonntagsBlick» beschäftigt sich mit den Bundesbahnen und zwar mit CEO Andreas Meyer, der am 1. Januar 2007 das Amt angetreten hat und nun elf Jahre an der SBB-Spitze steht. Er habe das Unternehmen «ganz nach seinem Gusto umgekrempelt und sitz so fest im Sattel wie nie», heisst es im Titel des grossen Porträts, «doch geliebt wird er noch immer nicht». Er habe den Ruf des «geldgierigen Managers» nicht mehr ablegen können, nachdem er in seinem ersten Dienstjahr 1,2 Millionen Franken bezogen hatte und damit zum bestbezahlten Manager eines bundesnahen Betriebs wurde. Er ecke aber auch mit seiner «forschen, zackigen Art» an, zudem gelte er als «Kontrollfreak».
Seit seinem Amtsantritt vor elf Jahren sind in der SBB-Konzernleitung 18 Topmanager gekommen und gegangen. Alle acht Mitglieder der aktuellen Konzernleitung wurden von Meyer eingestellt. «Und mit dem Ausscheiden von Jeannine Pilloud als Chefin des Personenverkehrs ist ab Montag niemand mehr übrig, der ihm den Platz im Scheinwerferlicht streitig machen könnte», schreibt der «SoBli». Meyer selbst kommt ausgiebig zu Wort. Er räumt ein, dass er zu Beginn seiner SBB-Laufbahn «gelegentlich autoritär» aufgetreten sei. Der Vorwurf ein Sololäufer zu sein, habe ihn stark getroffen. «Denn ich verfolge, wenn immer möglich, einen partizipativen Ansatz und war in anderen Unternehmen bekannt dafür, starke Teams zusammenzustellen.»
Die SBB brauche eine neue Kultur: Mitarbeiter sollen selber Ambitionen entwickeln und ohne Auftrag Verantwortung übernehmen. Die Chefs sollen mit Handlungsspielräumen und Vertrauen führen. Zugleich stellt Meyer aber klar: «Ich bin kein Anhänger von Laisser-faire. Ein guter Chef zeichnet sich nicht dadurch aus, dass er alles abnickt.» Betrachtet man die nackten Zahlen, schreibt der «SoBli» weiter, haben sich die Bundesbahnen in der Ära Meyer bemerkenswert entwickelt: 2016 beförderten sie über 40 Prozent mehr Fahrgäste als 2006. Die Anzahl GA-Inhaber nahm in seiner Amtszeit um 50 Prozent zu. Zum Vergleich: Die Wohnbevölkerung der Schweiz wuchs im gleichen Zeitraum um zwölf Prozent. Auch Meyer ist stolz auf diese Zahlen, betont aber: «Das ist das Verdienst aller 33'000 SBB-Mitarbeiter. Ich habe nur die Weichen gestellt.»
Vueling kauft Niki – und setzt auf die Schweiz
Ausführlicher als die «NZZ am Sonntag» berichtet der «SonntagsBlick» über den Kauf des Ferienfliegers Niki für 36,5 Millionen Euro durch die spanische Billigairline Vueling, die zum IAG-Mutterkonzern gehört (British Airwys und Iberia). «Damit sind auch die letzten Reste von Air Berlin verramscht», schreibt das Blatt. Im Niki-Paket enthalten sind die Niki-Markenrechte, bis zu 15 Airbus-Mittelstreckenjets und vor allem die Start- und Landerechte von Niki.
«Dies wird Vueling in die Lage versetzen, ihre Präsenz in Österreich, Deutschland und der Schweiz auszuweiten und den Kunden eine grössere Auswahl bei Niedrigkosten-Reisen zu bieten», schreibt IAG-Chef Willie Walsh in einer Mitteilung. Niki flog in der Schweiz den Flughafen Zürich und den Basler Euro-Airport an. Diese Slots fallen nun an die Spanier. Bis Ende Februar soll der Deal vollzogen sein. Von den rund 1000 Angestellten können laut IAG 740 ihren Job behalten.
TCS bietet Drohnenkurse an
Um den sinkenden Mitgliederzahlen entgegenzuwirken, stösst der Touring Club der Schweiz (TCS) in ein neues Geschäftsfeld vor. Seit November bietet er Drohnenkurse an. Buchbar sind gemäss «SonntagsZeitung» vier Kursmodule für angehende und erfahrene Drohnenpiloten in den Kantonen Zürich, Neuenburg und Bern. Im Vordergrund stehen Einsteiger- sowie die Basiskurse. «Die Nachfrage ist hoch», sagt TCS-Sprecher Daniel Graf, ohne jedoch Zahlen zu nennen. Wegen des Wetters konnte jedoch noch kein einziger Kurs durchgeführt werden.
Um Mitglieder zu gewinnen, bietet der TCS neu auch Internetschutzbriefe an. Versicherte erhalten dadurch Warnungen per E-Mails oder SMS, wenn ihre persönlichen Daten im Netz oder im Darknet auftauchen. Laut Graf hat der TCS seit Mitte Oktober bereits mehrere Tausend solcher Schutzbriefe verkauf. «Das Interesse und die Nachfrage nach dieser Leistung übertrifft unsere Erwartungen.» Auch mit einem neuen Mitgliedschaftsmodell, über das demnächst informiert wird, will man den Mitgliederschwund stoppen. Vor zehn Jahren zählte der TCS noch 1,64 Millionen Mitglieder, 2016 waren es noch 1,44 Millionen.
Schär, Humm und Ribar
Bei den von der «SonntagsZeitung» gekürten «Schweizer des Jahres» tauchen auch drei Leute aus der erweiterten Tourismusbrache auf. Pascal Schär, Direktor von Saas-Fee Tourismus, schaffte es bei den Gewinnern auf Platz 19. Zur Begründung heisst es: «Mit dem Saisonpass für 222 Franken gelang es ihm, letzten Winter Tausende Schweizer Wintersportler aus anderen Skigebieten abzuwerben.» Als «bester Koch der Welt» belegt Daniel Humm den 21. Rang. «Eine internationale Jury ist also der Meinung, dass sein Eleven Madison Park die wichtigste kulinarische Destination auf dem Planeten sei.»
Auf einen Spitzenplatz, Rang 2, kommt SBB-Präsidentin Monika Ribar, allerdings bei den Verlierern, und zwar wegen ihres Verwaltungsratsmandats bei einer Offshore-Firma des vorbestraften Schweizer Geschäftsmanns Jean-Claude Bastos. Durch die sogenannten «Paradise Papers» war bekannt geworden, dass sie für ihr Engagement für ein Hafenprojekt in Angola mit angeblich 100'000 Franken entschädigt wurde. Dummerweise hatte sie «vergessen», das Mandat offenzulegen.