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Der Hotelplan-Hauptsitz in Glattbrugg wird im Zuge der Integration in Dertour Suisse aufgegeben. Bild: Hotelplan

Diese Rolle spielt der Arbeitsort bei der Jobwahl

Im Zuge der Übernahme von Hotelplan durch Dertour Suisse wird der Standort in Glattbrugg aufgegeben. Die Belegschaft wird am Dertour-Hauptsitz in Zürich-Altstetten gebündelt. Travelnews beleuchtet, welche Bedeutung der Arbeitsort für Angestellte hat.

Die Entscheidung von Dertour Suisse, die gesamte Belegschaft am Standort in Zürich-Altstetten zu bündeln, ist mehr als ein betriebswirtschaftlicher Schritt. Sie berührt einen der sensibelsten Faktoren im Arbeitsleben: den Arbeitsort.

Studien aus der Schweiz belegen seit Jahren, dass der Arbeitsweg zu den wichtigsten Kriterien bei der Jobwahl gehört. Laut Erhebungen von Job Cloud liegt die akzeptierte Pendelzeit im Schnitt bei rund 45 Minuten.

Gleichzeitig nimmt die Bereitschaft stark ab, wenn zusätzliche Umstiege oder unzuverlässige Verbindungen hinzukommen. Forschungen des Bundesamts für Statistik zeigen zudem: Wer länger pendelt, bewertet seine Lebensqualität tiefer und denkt häufiger über einen Jobwechsel nach.

International stützt Forschung aus der Harvard Business School diese Befunde: Ein zusätzlicher Arbeitsweg von 10 Minuten wirkt sich ähnlich negativ auf die Arbeitszufriedenheit aus wie eine signifikante Lohnreduktion. Das unterstreicht, wie sensibel Mitarbeitende auf Veränderungen des Arbeitsorts reagieren.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, weshalb Dertour Suisse die Erreichbarkeit so stark gewichtet hat. Dass sich für viele Mitarbeitende aus Glattbrugg der Arbeitsweg nach Altstetten sogar verkürzt, ist kein Detail, sondern ein zentraler Hebel für Akzeptanz.

Wechsel des Arbeitsorts für viele ein grosser Schritt

Der Wechsel des Arbeitsorts fällt vielen Mitarbeitenden schwer. Nicht primär aus Loyalität zum Ort selbst, sondern wegen der Folgewirkungen: Anpassung der täglichen Routinen, Betreuungspflichten, soziale Einbindung und Wohnsituation.

Gerade in der Schweiz mit ihrem stark föderalen und regional organisierten Alltag sind solche Veränderungen spürbar. Laut arbeitsrechtlicher Einschätzung von Swissmem, dem Berufsverband der Tech-Industrie, gilt ein Standortwechsel nur dann als zumutbar, wenn er keine unverhältnismässigen Mehrbelastungen verursacht.

Gleichzeitig hat sich die Bedeutung des Arbeitsorts gewandelt. Die Flex-Work-Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) zeigt: Rund die Hälfte der Erwerbstätigen in der Schweiz arbeitet zumindest teilweise mobil. Für viele ist Homeoffice heute ein Muss. Dennoch bleibt der physische Standort wichtig – als sozialer Anker, als Ort der Zusammenarbeit und Identifikation.

Auch Swissstaffing, der Verband der Schweizer Personaldienstleister, stellt fest: Das Arbeitsumfeld und flexible Arbeitsmodelle rangieren inzwischen vor klassischen Faktoren wie Lohn. Der Standort wirkt dabei indirekt – über Infrastruktur, Erreichbarkeit und die Frage, wie gut sich Arbeit und Privatleben verbinden lassen.

Dertour Suisse hat die Tragweite der Standortfrage erkannt und die Perspektiven der Mitarbeitenden in die Analyse einbezogen. Der Entscheid für Altstetten ist nun gefällt. Dennoch ist klar: Nicht allen wird der Umzug leicht fallen. Für einige dürfte der Arbeitsweg künftig weniger komfortabel sein, andere hängen schlicht am vertrauten Umfeld in Glattbrugg. Einem Standort, der über Jahre Identität gestiftet hat.

(RSU)