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David Birrer, Chief Operating Officer der Edelweiss, spricht im «Travel News Talk» über seinen Werdegang, aktuelle Herausforderungen im Flugbetrieb und die Hintergründe von Flugannullationen. Bild: TN

David Birrer: «Die Zahl der annullierten Flüge relativiert sich bei genauem Hinsehen»

David Birrer, Chief Operating Officer der Edelweiss, spricht im «Travel News Talk» über die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf den Flugbetrieb und erklärt, warum es bei Flugannullationen oft an schnellen Antworten fehlt. Dabei ordnet er Zahlen ein und zeigt auf, wo es bei der Kommunikation noch hakt.

David Birrer, heute Chief Operating Officer (COO) der Ferienfluggesellschaft Edelweiss, ist quasi auf dem Flugplatz zur Welt gekommen. Sein Vater führte in der Zentralschweiz eine Flugschule. Schon als Sechsjähriger sass Birrer im Theorielokal, das im Elternhaus untergebracht war, und bekam den Unterricht mit. Viel verstanden habe er damals noch nicht, erinnert er sich im aktuellen «Travel News Talk», aber die Faszination für die Fliegerei sei von Anfang an da gewesen.

Dennoch nahm er in der beruflichen Karriere zwischenzeitlich einen Umweg. Nach einer Lehre im Flugzeugwerk Emmen und einem Studium zog es ihn in die Welt der technischen Verbreitung von Radio und Fernsehen – ein Job, der ihn rund um den Globus führte.

Erst 2009 kehrte er in die Aviatik zurück. Bei der Lufthansa Aviation Training Switzerland AG wurde er Teil der Geschäftsleitung und stand zuletzt während rund fünf Jahren als Managing Director an der Spitze. Damit erfüllte er sich einen Kindheitstraum. Schon als Zweitklässler schrieb er in ein Freundschaftsbuch bei der Frage nach dem Berufswunsch: «Leiter einer Flugschule».

Was bei Flugannullationen dahinter steckt

Seit März 2022 verantwortet Birrer als COO das operative Geschäft der Edelweiss – und damit auch den Umgang mit geopolitischen Unsicherheiten. Der Iran-Krieg habe direkte Auswirkungen auf den Flugbetrieb: Routen müssten laufend neu bewertet werden, etwa nach Malé, Phuket oder Colombo, die derzeit aufgrund gesperrter Lufträume mit Umwegen verbunden seien.

«Wir prüfen laufend, welche Strecken wir profitabel fliegen können», so Birrer. Die Lage bleibe dynamisch, man arbeite mit verschiedenen Szenarien, sehe aktuell aber keine Engpässe beim Kerosin und gehe davon aus, den Sommerflugplan wie geplant durchführen zu können.

Ein wiederkehrendes Ärgernis für Reisende und Reisebüros sind kurzfristige Flugannullationen. Hierzu sagt Birrer: «Die Zahl der annullierten Flüge relativiert sich bei genauem Hinsehen.» Von rund 11’000 Flügen im vergangenen Jahr seien lediglich 0,8 Prozent gestrichen worden. Das entspreche rund 90 Flügen.

Warum die Edelweiss in solchen Fällen nicht schneller und transparenter informiert? Laut Birrer liegt das oft daran, dass zum Zeitpunkt einer Annullation die Ursachen noch gar nicht vollständig geklärt sind.

«Häufig fehlt uns in diesem Moment schlicht das ganze Bild», erklärt er. Die Gründe für eine Annullation seien vielfältig: Ein verfügbarer Slot könne kurzfristig verfallen, die gesetzlich erlaubte Arbeitszeit der Crew würde überschritten oder die Ankunft am Zielort wäre deutlich verspätet.

Im Podcast spricht Birrer zudem über die Zuverlässigkeit des Airbus A350 seit der Einflottung vor rund einem Jahr, gibt einen Ausblick auf die neue Kabine ab Ende 2026 und verrät, welcher Flughafen weltweit sein persönlicher Favorit ist.

(RSU)