Ferien in der Schweiz

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Haben in diesem Winter viel vor in Zermatt: Franz Julen (VRP Bergbahnen, links) und Tourismusdirektor Daniel Luggen. Bild: TN

«Kommen Sie nach Zermatt – statt an den Malediven-Strand!»

Von Nadia Imbaumgarten

Als erste Schweizer Destination präsentiert Zermatt Tourismus das kommende Winterangebot, das auch Reisende, die sonst an den weltweiten Stränden weilen, ansprechen soll. Travelnews hat bei Tourismusdirektor Daniel Luggen nachgehakt.

Der nächste Tourismuswinter wird ganz anders. Viele Schweizerinnen und Schweizer, die in anderen Jahren an den Stränden von Thailand oder den Malediven, die Winterferien verbracht hätten, werden dieses Jahr ihre Ferien aus bekannten Gründen in der Schweiz verbringen. Auf einen möglichen Andrang von Schweizer Reisenden bereiten sich die Wintersportore bereits einmal vor und ergänzen ihr Ferienangebot über die Pisten hinaus. Dies hat die gestrige Präsentation von Zermatt Tourismus verdeutlicht.

Wir haben Tourismusdirektor Daniel Luggen nach dem Angebot neben der Piste gefragt. Im Video sagt er: «Wir wissen, dass es viele Schweizer gibt, die verhindert sind, in die Malediven oder in die Südsee zu verreisen. Und für die, die nicht die verrückten Skifahrer sind, bieten wir ein breites Alternativangebot an.»

Die Wintersaison 2020/2021 in Zermatt findet also statt, dies steht definitiv fest! Was noch nicht feststeht ist jedoch, wie sich die Situation verändern wird und wie der Aprés-Ski gestaltet werden darf. Hier werde Zermatt stets den Richtlinien vom Bund und Kanton Wallis folgen, wie es gestern hiess. Hohes Mass an Flexibilität ist indes gefragt, um die Wintersaison erfolgreich über die Bühne zu bringen.

Ab dem 28. November 2020 dürfen sich Wintersport-Fans wieder auf den uneingeschränkten Fahrspass in Zermatt freuen. Denn trotz der Corona-Pandemie werden im Skigebiet Zermatt alle Bahnen in Betrieb sein diesen Winter. Dies macht Zermatt ganz bewusst so: «Es bringt mehr Sicherheit für den Gast, da sich die Wintersportler so besser verteilen, auch wenn in Zermatt das lange Anstehen schon vorher kein Thema war. Zudem ist sich der Gast gewohnt, dass in Zermatt 360 Kilometer grenzüberschreitende Pistenlänge genutzt werden kann. Dies wollen wir dieses Jahr genauso machen», erläutert Franz Julen, Verwaltungsratspräsident des grössten Seilbahnunternehmens der Schweiz, der Zermatt Bergbahnen AG. Bereits schon jetzt sind 21 Kilometer Pistenlänge auf dem Gletscher befahrbar und ab anfangs November werden dann flächendeckend Beschneiungsanlagen eingesetzt, damit dem Saisonstart Ende November nichts mehr im Wege steht. Auch für diejenigen die das Skigebiet bereits kennen, gibt es Neues zu entdecken: Die neue Gondelbahn Kumme, die erste Fahrgastbahn ist welche ohne Betriebspersonal läuft, wird ab dem 20. Dezember in Betrieb genommen.

Zermatt werde sich auch in der kommenden herausfordernden Saison an fünf Strategiepunkte halten, erzählt Julen weiter: Das Wintergeschäft sei absolutes Prioritätsgeschäft und man werde investieren, auch wenn es heisse, dass Wintersport in Zukunft nicht mehr wachsen wird. So will Zermatt Marktanteile gewinnen und das Sommergeschäft stärken. Weiter setzt Zermatt nach wie vor auf top Qualität, auf einen weiteren Ausbau der Digitalisierung und ein noch stärkeres Umweltbewusstsein.

Alternativprogramm ist diesen Winter besonders wichtig

Viele Sonnenanbeter welche geplant hätten, weg zu fliegen, finden diesen Winter auch in der Destination Zermatt ein breites Angebot, wie Daniel Luggen ausführt. Zermatt will nämlich gezielt diese Personen abholen und mit Schlittelwegen, Winterwanderungen oder Skitouren ebenfalls in die Höhe locken. Zudem betonte Luggen, dass Zermatt den Nachwuchs im Wintersport stärken will, und Familien weiterhin mit attraktiven Angeboten unterstützen werde: Kinder bis neun Jahren fahren gratis Ski und Snowboard in Zermatt. In Zermatt werden jedoch nach wie vor keine Discount-Tickets verkauft. Hohe Qualität koste ihren Preis, sind Julen und Luggen überzeugt. Und doch profitieren Kunden von preiswerten Angeboten, wenn sie früh buchen und in der Destination übernachten werden, erklärt Julen weiter.

Was diesen Winter noch in den Sternen steht ist allerdings, wie das Aprés-Ski-Angebot aussehen wird. Zermatt ist nicht bekannt für die grossen Partys nach dem Pistenflitzen: «Natürlich gehört Aprés-Ski dazu, doch für unsere Destination ist es zweitrangig», erklärt Luggen. «Es wird ein gepflegter Aprés-Ski stattfinden. Wir wollen das Schutzkonzept nicht gefährden», erklärt Luggen weiter zu diesem Thema. Es bestehe bereits eine gute Lösung im Zusammenhang mit der Digitalisierung: Gäste können sich mit einer App ein- und auschecken in Restaurants und Bars.

Trotz all den Vorlagen und Unklarheiten ist man optimistisch gestimmt für die bevorstehenden Wintertage: «Wir sind agil genug, um auf verschiedene Situationen zu reagieren», äussert sich Luggen. Dennoch gilt für Julen ganz klar: «Wir werden der kommenden Wintersaison mit dem nötigen Respekt entgegentreten und die Vorgaben vom Bund und Kanton konsequent einhalten». Der Sommer habe gezeigt, dass sich Gäste gut an die verordneten Regeln halten. «Wenn sich jemand weigerte, eine Maske zu tragen, wurde diese Person von den anderen Gästen darauf aufmerksam gemacht». Dennoch, wenn sich jemand nicht an die Regeln hält, schreckt die Bergbahn-Unternehmung nicht davor zurück, auch Tickets zu entziehen. Dies sei Zermatt den Gästen schuldig, diese sollen sich sicher fühlen in Zermatt, ergänzt Julen weiter.

Grosse Zukunftspläne

Das Dorf Zermatt auf 1600 Höhenmetern ist auch im Ernstfall gewappnet: Eine Task Force vor Ort soll helfen, falls das «Worst-Case-Szenario» eintreffen sollte, und jemand am Coronavirus erkranken würde. Die Task Force kümmert sich dann um die betroffenen Personen und Betriebe und wissen genau, wie damit umzugehen ist.

Wagt man noch einen Blick in die weitere Zukunft, so zeigt sich, dass Zermatt auch in den kommenden Jahren Grosses vor hat. Die BVZ-Gruppe, zu der die Gornergrat Bahn gehört, investiert 45 Millionen Franken in fünf neue Doppeltriebzüge, deren Inbetriebsetzung auf 2022 geplant ist. Wie bereits erwähnt will Zermatt die Sommersaison stärken. Dies tun sie mit einer im 2021 geplanten multimedialen Erlebniswelt in welcher man rund um die Geschichte des Matterhorns eintauchen kann. Zudem verfolgt die ZBAG (Zermatt Bergbahnen) weiterhin die Ausrichtung nach Italien. Die 3S Bahn Testa Grigia-Klein Matterhorn befindet sich zurzeit im Bau und mit deren Vollendung wird das «AlpineX», die höchste Alpenüberquerung per Seilbahn, Tatsache und bringt das Sommergeschäft einen Schritt weiter. Auch das Verbindungsprojekt Zermatt-Valtournenche/Cervinia-Monte Rosa Ski wird vorangetrieben. Wenn dies fertiggestellt ist, soll dies eines der grössten Skigebiete der Welt werden. In Zermatt wie auch in Cervinia ist man gewillt, die Idee eines Weltcuprennens jeweils im November von Gobba di Rollin (CH) nach Laghi Cime Bianche (IT) zu verwirklichen.