Ferien in der Schweiz

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Die Schweizer Hotels, wie hier das Grandhotel Giessbach, rollen den roten Teppich aus für einheimische Gäste. Bild: Swiss-Image, Markus Bühler

Sprunghafter Anstieg von Buchungen in Schweizer Hotels

Von Nina Wild

Seitdem der Bundesrat weitere Corona-Lockerungen per 11. Mai angekündigt hat, freuen sich Schweizer Hotels über steigende Buchungsanfragen von Schweizer Gästen, wie eine Umfrage von Travelnews zeigt.

Am 11. Mai kehrt ein Stück Normalität in die Schweiz zurück. Kleine Läden und Restaurants dürfen – zwar unter strengen Sicherheits- und Hygienemassnahmen – wieder öffnen und Gäste empfangen. Steigt mit der Entspannung der Pandemie auch wieder die Reiselust der Menschen? Travelnews hat sich einigen Schweizer Hoteliers umgehört, wie sich die Buchungsanfragen entwickelt haben, seit der Bundesrat weitere Lockerungen gutgeheissen hat.

Im Hotel Lenkerhof im Simmental in Bern sind alleine an einem Morgen 93 E-Mails mit angen Buchungen oder Anfragen eingegangen, wie General Manager Jan Stiller verrät. Ein ähnliches Bild zeichnet sich im Hotel Castell Zuoz im Engadin ab: «Die Individualbuchungen haben massiv zugenommen! Wir liegen im Juli wie im August über Vorjahr», verrät Martin Müller, Direktor des Hotels. Im Hotel Deltapark in Gwatt bei Thun ziehen die Buchungen ebenfalls wieder an, seit bekannt ist, wann der Betrieb seine Türen wieder öffnet: «Die Anfragesituation für den Sommer sehr schnell verbessert. Nach totaler Stille und vielen Absagen im März und April, haben wir nun sehr viele Mails von Schweizer Gästen erhalten. Auffallend ist, dass viele Schweizer Gäste gleich mehrere Tage bei uns verbringen möchten – also wirklich Ferien machen und nicht bloss eine Pause», erklärt Mirco Plozza, Direktor vom Hotel Deltapark. Diego Glaus vom Albergo Losone sagt sogar: «Es gibt wahnsinnig viele Anfragen für die Sommerferienzeit. Viele, die anrufen, sind fast schon verzweifelt. Wir haben lange Wartelisten und sind quasi vierfach überbelegt».

Marketing auf Schweizer Klientel ausgerichtet

Das grösste Potenzial, um die leeren Zimmer in diesem Sommer zu füllen liegt naturgemässe bei den einheimischen Gästen, solange es ausländischen Gäste verwehrt ist, in die Schweiz zu reisen. Deshalb haben die Hotels kurzerhand ihre Werbe-Strategien angepasst: «Wir richten unsere Kommunikations- und Marketingaktivitäten gezielt auf unsere Schweizer Gäste und zeigen auf, wie räumlich grosszügig unser Resort ist und das hier bei uns in Bad Ragaz genügend Platz ist, damit alle ihren stillen Winkel finden», sagt etwa Marco R. Zanolari, General Manager Grand Hotels in Bad Ragaz.

Ähnlich geht Marco Plozza vor: «Unsere klassischen Kommunikationskanäle wurden stark auf das Schweizer Klientel ausgerichtet.» Im Hotel Lenkerhof wird versucht, mit tieferen Preisen Gäste zu gewinnen und das Hotel ermöglicht die kostenlose Annullation bis 48 Stunden vor Anreise anstelle von einer Woche. Rolf Bucher vom Hotel Sunstar Arosa verweist neben den Marketing-Bemühungen des Hotels auch auf die Gutschein-Aktion der Tourismusdestination, die viele Schweizer Gäste in die Berge locken soll: «Die Destination hat mit der Aktion ‹buy now, travel later› eine tolle Geschichte aufgezogen», lobt er.

Immer wieder ist die Rede von einer «neuen Normalität» nach Corona. Dazu gehören strenge Sicherheits- und Hygienemassnahmen, etwa das Abstand halten oder das Tragen von Schutzmasken. Bei der Umfrage wird klar, dass für die Umsetzung der Vorschriften branchenweite Lösungen gesucht werden müssen. «Es macht wenig Sinn, dass da jeder sein eigenes Süppchen braut», sagt etwa Martin Müller vom Hotel Castell. Darüber hinaus müssen für die verschiedenen Bereiche wie das Spa, Restaurants oder Zimmer unterschiedliche Konzepte erarbeitet werden, gibt Jan Stiller zu bedenken. Auf welche Einschränkungen sich die Reisenden konkret gefasst machen müssen, ist noch nicht bekannt. Fakt ist aber, dass die Schweizerinnen und Schweizer den eigenen vier Wänden trotz Pandemie entfliehen möchten und bereit sind, auch die daraus resultierenden Veränderungen im Hotelbetrieb hinzunehmen.