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Dominic Eckert, Gründer von Dreamtime Travel, schätzt das touristische Potenzial von Angola als sehr hoch ein. Bilder: TN / Angola Tourism Board

«Angola ist keine klassische Safari-Destination wie Namibia oder Südafrika»

Reto Suter

Angola nutzt die ITB Berlin um sich selbstbewusst als neue Destination auf der internationalen Tourismus-Bühne zu positionieren. Angola-Kenner Dominic Eckert erklärt im Interview mit Travelnews, warum das Land genau jetzt touristisch durchstarten will und weshalb Schweizer Reisende besonders gut ins Profil passen.

Lange Jahre fristete Angola an Afrikas Atlantikküste ein eher stiefmütterliches Dasein auf der touristischen Landkarte. Das soll sich nun ändern. Schnell und mit Nachdruck. Die Perle im Südwesten Afrikas tritt an der ITB Berlin, die von heute bis Donnerstag stattfindet, als offizielles Gastland auf.

Unter dem Motto «Visit Angola – The Rhythm of Life» präsentiert sich das Land jung, dynamisch und selbstbewusst. Angola ist erst das dritte afrikanische Gastland in der 60-jährigen Geschichte der ITB Berlin – ein eindeutiges Signal für den touristischen Aufbruch.

Zu den profiliertesten Angola-Kennern in der Schweiz zählt Dominic Eckert, Gründer von Dreamtime Travel. Er begleitet den Auftritt des Landes an der ITB aus nächster Nähe. Travelnews wollte von ihm wissen, wie gross die Chancen sind, dass Angola touristisch durchstartet – und was das Land so einzigartig macht.

Herr Eckert, was steckt hinter der aktuellen Tourismus-Offensive Angolas?

Dominic Eckert: Angola verfügte aus meiner Sicht schon seit vielen Jahren über ein enormes touristisches Potenzial, doch dieses stand lange nicht im Fokus. In den vergangenen zwei Jahren ist jedoch ein klarer Richtungswechsel spürbar. Angola möchte sich wirtschaftlich breiter aufstellen und erkennt den Tourismus zunehmend als Chance für nachhaltige Entwicklung – gerade auch ausserhalb der grossen Städte. Eine nationale Tourismusorganisation wurde aufgebaut, die internationale Positionierung professionalisiert und gezielt in Infrastruktur sowie Sichtbarkeit investiert. Dass dabei der deutschsprachige Raum und insbesondere die Schweiz als wichtige Quellmärkte gelten, überrascht mich nicht: Schweizer Reisende suchen authentische, wenig bekannte Destinationen – und genau hier passt Angola sehr gut ins Profil.

Wie gross schätzen Sie das touristische Potenzial des Landes ein?

Ich halte das Potenzial für sehr hoch. Ich habe Angola vor über zehn Jahren erstmals intensiv bereist, und schon damals hat mich die Vielfalt des Landes beeindruckt – landschaftlich, kulturell und menschlich. Dreamtime Travel gehörte zu den ersten Schweizer Veranstaltern, die Angola ins Programm aufgenommen haben. Lange blieb es eine Nische, allerdings mit stetig wachsendem Interesse. Gerade Reisende aus der Schweiz, die bewusst neue Wege gehen möchten, entdecken hier eine besondere Faszination. Das Land hat sich stabilisiert und weiterentwickelt. Natürlich ist nicht alles perfekt, doch Angola verfügt heute über eine moderne, progressive Verfassung und befindet sich auf einem konstruktiven Weg. Man spürt deutlich, dass sich in Angola etwas bewegt.

«Die landschaftliche Vielfalt ist aussergewöhnlich»

Was macht Angola als Reiseziel besonders?

Angola ist vor allem ein Land der Kontraste und der Weite. Die landschaftliche Vielfalt ist aussergewöhnlich: Wüstenlandschaften, grüne Hochebenen, spektakuläre Felsformationen, Wasserfälle und eine lange Atlantikküste mit teilweise völlig unberührten Stränden. Hinzu kommen eine bewegte Geschichte und eine starke kulturelle Identität. Musik, Rhythmus und Lebensfreude sind im Alltag allgegenwärtig. Der neue Slogan «Rhythm of Life» trifft dieses Lebensgefühl sehr gut.

Welche Rolle spielt die Hauptstadt Luanda für Reisende?

Luanda polarisiert. Die Stadt ist intensiv, dynamisch und manchmal herausfordernd, zugleich aber unglaublich spannend. Wer sich Zeit nimmt und offen darauf einlässt, erlebt eine der interessantesten Metropolen Afrikas – mit grosser Energie und starkem Charakter.

Welche Art von Reisen erwartet Besucherinnen und Besucher heute in Angola?

Seit Kurzem sind auch wieder Safaris möglich, was eine schöne Ergänzung darstellt. Dennoch steht dies nicht im Zentrum. Angola ist keine klassische Safari-Destination wie Namibia oder Südafrika. Im Fokus stehen vielmehr Landschaften, Begegnungen mit Menschen, kulturelle Traditionen und das Gefühl, ein Land zu entdecken, das touristisch noch nicht «fertig erzählt» ist.

Warum setzt Angola erst jetzt verstärkt auf den Tourismus?

Angola hatte lange schlicht andere Prioritäten. Die Aufarbeitung der Kriegsfolgen und der wirtschaftliche Wiederaufbau standen im Vordergrund. Gleichzeitig war das Land dank seiner Rohstoffe weniger auf den Tourismus angewiesen als andere Staaten im südlichen Afrika. Für uns als Veranstalter bedeutete das früher allerdings auch einige Herausforderungen. Ich habe unzählige Stunden meines Lebens in der angolanischen Botschaft in Bern verbracht. Geduld, starke lokale Partnerschaften und eine gehörige Portion Pioniergeist gehörten damals einfach dazu. Entsprechend blieb Angola lange ein Reiseziel für echte Kenner und Spezialisten. Dass das Land nun stärker ins internationale Blickfeld rückt, ist spannend, aber auch eine sensible Phase. Jetzt werden die Weichen gestellt. Gelingt es, den Tourismus bewusst, nachhaltig und im Einklang mit Bevölkerung und Natur zu entwickeln, hat Angola das Potenzial, sich als eigenständige Destination mit starkem Charakter und grosser Ausstrahlung zu etablieren – und nicht einfach als «weiteres Reiseziel» im südlichen Afrika.