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Warum aus der geplanten Weltpremiere für Chair vorerst nichts wird
Reto SuterDie Balkanregion erlebt derzeit einen regelrechten Tourismusboom. Auch immer mehr Schweizerinnen und Schweizer zieht es in die Destinationen, die lange als Geheimtipps galten.
Die Zuwächse beim grössten Schweizer Reiseveranstalter Dertour Suisse sprechen eine deutliche Sprache: Bei den Marken Kuoni, Helvetic Tours, Hotelplan und Migros Ferien haben sich die Buchungen für Montenegro im Vorjahresvergleich beinahe verdoppelt. Auch Bulgarien (plus 95 Prozent), Albanien (plus 55 Prozent) und Kroatien (plus 50 Prozent) verzeichnen ein starkes Wachstum.
Die Schweizer Ferienfluggesellschaft Chair Airlines hat das Potenzial der Ferienländer im Balkan schon länger erkannt. Auf diesen Sommer hin kündigte die Fluglinie nochmals einen spürbaren Ausbau an. Sogar eine Weltpremiere sollte es Ende Juni 2026 geben: Als erste Airline überhaupt wollte sie den neuen Flughafen von Vlora in Albanien anfliegen – auf einem Dreiecksflug ab Zürich via Patras in Griechenland. Doch daraus wird dieses Jahr nichts.
Flughafen Vlora in Verzug
Wie Steven Eichenberger, Marketing- und PR-Manager von Chair Airlines, auf Anfrage bestätigt, finden die Flüge nach Vlora nicht statt. Der Grund dafür liegt nicht bei Chair Airlines, sondern bei der noch ausstehenden Betriebsaufnahme des Flughafens Vlora. «Nach aktuellem Stand konnte der Flughafen die erforderlichen Zulassungen für diesen Sommer nicht rechtzeitig erhalten. Eine Eröffnung für den Sommer ist daher nicht mehr zu erwarten», so Eichenberger.
Grundsätzlich bleibe Vlora für Chair Airlines aber eine interessante Destination. Voraussetzung für eine Flugaufnahme ab Zürich ist laut Eichenberger allerdings, dass sowohl die operativen als auch die regulatorischen Rahmenbedingungen erfüllt sind. «Aktuell lässt sich noch nicht abschätzen, ob und ab wann eine Aufnahme ab Zürich wieder realistisch ist», sagt er.
Der Bau des Flughafens in Vlora ist nicht unumstritten. Das Projekt entsteht mitten in einem ökologisch sensiblen Gebiet an der Adriaküste, nahe der Lagune von Narta. Umweltschützer warnen, dass dadurch wichtige Lebensräume für Flamingos und zahlreiche Zugvögel zerstört werden könnten.
Kritiker werfen der albanischen Regierung zudem vor, wirtschaftliche Interessen und den Tourismusausbau über den Naturschutz zu stellen. Befürworter sehen im Flughafen hingegen einen wichtigen Motor für den Tourismus im Süden Albaniens und für die wirtschaftliche Entwicklung der Region.
Grünes Licht für Flüge nach Tuzla und Patras
Dass Vlora aus dem Flugplan gestrichen wurde, hat keinen Einfluss auf die Verbindung nach Patras. Die griechische Stadt bleibt im Flugplan. Einzelne Flüge nach Patras führt Chair Airlines via Ohrid in Nordmazedonien durch, die anderen verkehren ohne Zwischenstopp.
Auch die neue Verbindung nach Tuzla bleibt im Sommerflugplan bestehen. Neben Sarajevo, das die Swiss im Sommer täglich ab Zürich anfliegt, erhält Bosnien-Herzegowina damit eine zweite Direktanbindung in die Schweiz.
Der Erstflug nach Tuzla startet am 9. Juli 2026 um 14.45 Uhr in Zürich. Die Flugzeit beträgt eineinhalb Stunden. Zusätzlich bietet Chair Airlines jeweils sonntags eine zweite Verbindung an.
Wie Chair-CEO Shpend Ibrahimi im Gespräch mit Travelnews erklärte, richtet sich die Strecke vor allem an die bosnische Diaspora in der Schweiz. Gleichzeitig sieht er aber auch Potenzial bei Individualreisenden, denn sowohl Tuzla als auch die umliegende Region hätten touristisch einiges zu bieten.