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Am Quai 61 in Zürich an Land gegangen: die Ferienpiraten auf Promotionstour, von links: Julia Beisswenger (Communications Manager), David Armstrong (CEO), Torsten Richter (Global Chief Editor) und Britta Günnemann (Communications Manager). Bild: TN

Die Ferienpiraten entern die Schweiz

Von Gregor Waser

Die Schnäppchensuche als Geschäftsmodell: In sechs Jahren haben sich die Ferienpiraten von 0 auf 258 Millionen Euro Umsatz entwickelt. Um an die User zu gelangen, setzen sie auf die sozialen Medien.

Die Geschichte der Ferienpiraten begann vor sechs Jahren. Gründer und Student Igor Simonow, damals selber viel auf Reisen, veröffentliche den Blog urlaubspiraten.de mit aktuellen Schnäppchenangeboten. Bald stiess Sebastian Kaatz hinzu und zusammen riefen sie 2012 die HolidayPirates Group aus, pimpten den Auftritt auf und ernteten bald mit ihrer Webseite und der App verschiedenen Preise. 2014 stiess David Armstrong als Geschäftsführer hinzu und professionalisierte den bis dahin wenig strukturierten Piratenbetrieb.

Diese Woche weilte Armstrong mit seiner Crew in Zürich. Denn Ferienpiraten.ch, so nennt sich die Webseite den Schweizer Gepflogenheiten entsprechend, kurbelt die Präsenz hierzulande jetzt an. Zwar gibts die CH-Seite schon seit 2015, nun erweitern die Piraten die Angebotspalette für Schweizer Reisende deutlich. Im Videobeitrag äussert sich David Armstrong zum Schweizer Markt und zum Prinzip der Ferienpiraten, die eigentliche Travel Deal Hunters sind:

Mit einer Mund-zu-Mund-Propaganda hat sich die HolidayPirates Group in kurzer Zeit eine grosse Marktpräsenz verschafft, Werbegelder wurden bisher kaum eingesetzt. Das Vorgehen: die preislich sehr attraktiven Ferienpackages werden in den sozialen Medien gepostet und dort von den Usern geliked und geteilt. Die aktuellen User-Zahlen sind eindrücklich:

  • 8 Millionen Facebook-Fans
  • 8 Millionen App-Download seit 2012
  • 800’00 Newsletter-Abonnenten
  • 500'000 Visits in der Schweiz monatlich
  • 24 Millionen monatliche Sessions
  • 10 Online-Portale in 7 verschiedenen Sprachen

Total arbeiten heute 180 Mitarbeiter für die HolidayPirates Group, 135 in Berlin. Alleine 60 von ihnen sind Redaktoren, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als Angebote zu sichten, die besten zu posten und mit animierenden Texten zu versehen, 12 ausschlieschlich für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz).

«Mit unseren Deals wollen wir es den Usern ermöglichen, die Reisen mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis zu buchen. Uns ist es besonders wichtig, dass die Deals, die wir posten auch wirklich ansprechend sind, daher prüfen wir jedes Angebot genau und veröffentlichen nur die Reise-Deals, die wir auch selbst buchen würden», erklärt Torsten Richter, Global Chief Editor. 

Doch was kann man erwarten beim Klick auf Ferienpiraten.ch? Die Bandbreite ist gross: Einen Vueling-Flug von Zürich nach Lissabon gibts aktuell für 52 Franken, ein Zug-Billet von Zürich nach Ligurien für 24 Franken, eine Woche Teneriffa im Viersterne-Hotel mit Flug für 356 Franken, einen Flug von Zürich nach Kuching (Borneo) mit Oman Air und Malaysia Airlines für 492 Franken oder eine Woche im Mykonos-Luxusresort für 845 Franken.

Bekannheit durch Error Fares

Die Schnäppchen sind auf der Webseite oder auf der App zu finden. Auf der App lässt sich etwa auch ein Preisalarm für gewünschte Destinationen einrichten – oder ein solcher für «Error Fares». Denn diese habens bei den Ferienpiraten besonders in sich. Regelmässig stöbern die Piraten solche Tarife auf, die Airlines aus Versehen in den Systemen platziert haben und informieren die grosse Fan-Gemeinde darüber.

«An diesen Error Fares oder auch anderen Tiefpreise-Angeboten verdienen wir in der Regel nichts», räumt David Armstrong ein, doch es seien eben genau diese Angebote, die die User ansprechen und für grosse Resonanz im Netz sorgen – und damit für weitere Bekanntheit und weiteres Wachstum. Haben die Piraten zu Beginn von Affiliate-Provisionen gelebt (kommt die Buchung auf einer bestimmten Webseite durch die Vermittlung der Piraten zustande, erhalten sie eine Provision), habe sich das Modell heute hin zu Direktverträgen mit den Veranstaltern entwickelt. 2016 hat die Holiday Pirates Group 258 Millionen Euro Umsatz erzielt, mehrheitlich in Deutschland, Grossbritannien und Frankreich – nun soll auch die Schweiz noch stärker wachsen.