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Die Crew von Naar Travel, von links: Gunnel Burri (Country Managerin Schweiz), Maria-Grazia Villella (Productions & Operations, International Market Manager), Gina Ermacora und Thierry Schuppisser (beide Destinationsspezialisten). Bild: TN

Das ist Naar Travel, der neue Fernreise-Spezialist

Gregor Waser

Mit Naar Bespoke Travel in Dietlikon agiert ein neuer, ambitionierter Fernreise-Spezialist im Schweizer Reisemarkt. Country Managerin Gunnel Burri und Verwaltungsrat Matthias Huwiler nennen ihre Ziele und ihr Credo und sagen, was Reisebüros von Naar Travel erwarten können.

Vor 30 Jahren hat Frederic Naar den Fernreise-Spezialisten Naar Bespoke Travel in Mailand gegründet und ist heute der wohl bekannteste und grösste italienische Veranstalter für massgeschneiderte Fernreisen.

Vor zwei Jahren hat Frederic Naar eine europäische Expansion über Italien hinaus gestartet. Nach Frankreich, den Benelux-Ländern und Deutschland gründete der Italiener nun auch eine Tochterfirma in der Schweiz. Für die Deutschland- und Schweiz-Expansion hat Naar Branchenkenner Matthias Huwiler an Bord geholt. Der langjährige TUI- und FTI-Manager ist heute mit seiner Tourismus-Consulting-Firma Rahu, die er zusammen mit dem ehemaligen TUI-Suisse-Finanzchef Rainer Schenkel betreibt, tätig und betreut verschiedene Mandate.

Am 1. November 2025 ging die Naar Travel AG an den Start (Travelnews berichtete). Und Huwiler konnte mit Gunnel Burri eine erfahrene Country Managerin anheuern. Beide stammen ursprünglich aus Frauenfeld. Sie war in den 1990er-Jahren bei Mawi Reisen, Huwiler bei Albrecht Reisen tätig. Und Beide arbeiteten dann später Jahre lange zusammen bei TUI Flex Travel und bei FTI. Nun führt Gunnel Burri das aktuell vierköpfige Team von Naar Travel in einem Co-Working-Space in der Zürcher Vorortsgemeinde Dietlikon. Travelnews hat vorbeigeschaut und sich die Pläne des neuen Fernreise-Spezialisten angehört.

Der Aufbau

«Wir fangen nicht bei Null an», sagt Gunnel Burri, «das Fundament ist vorhanden und wir haben 30 Jahre Erfahrung im Rücken». Sie meint die Mutterfirma in Mailand, die über eine klare Ausrichtung und ein langjähriges Erfolgsrezept verfügt, aber auch die eigene Erfahrung und die von Verwaltungsrat Huwiler. Erfahren im Fernreisegeschäft sind auch die Teammitglieder Gina Ermacora (ex-FTI) und Thierry Schuppisser (ex-TUI Suisse, Bereich Individualreisen).

Seit vier Monaten baut das Schweizer Naar-Team die Firma nun auf, besucht Reisebüros und verarbeitet bereits erste Buchungen, «die erste Abreise erfolgt in diesen Tagen», freut sich Burri.

Gerade sind auch Maria-Grazia Villella, Leiterin Production & Operations, International Markets wie auch Stratege und Verwaltungsrat Matthias Huwiler im Haus. Und «Huwi» oder «Matt», wie er in der Branche genannt wird, räumt ein, dass der administrative Aufwand einer Firmengründung nicht zu unterschätzen sei.

Hat als Stratege und Verwaltungsrat Naar Travel auf die Startbahn gebracht: Matthias Huwiler.

Die Aufnahmeverfahren beim Garantiefonds und beim SRV seien abgeschlossen, die IATA-Mitgliedschaft werde gerade finalisiert, ebenso ein Abkommen mit TPS. «Wir konzentrieren uns fast ausschliesslich auf den freien Vertrieb», ergänzt Huwiler, «der konzerngebundene Vertrieb ist erst in einem zweiten oder dritten Schritt ein Thema».

Das À-la-carte-Angebot

Das Angebot von Naar Travel umfasst sowohl klassische wie auch aussergewöhnliche Langstrecken-Destinationen, die individuell im modularen Baukastensystem zusammengestellt und als Pauschalreisen gebucht werden. Buchbar sind aktuell die 23 Fernreise-Destinationen Mexiko, USA, Kanada, Bahamas, Cook Islands, Polynesien, Fiji, Australien, Neuseeland, Thailand, Vietnam, Laos, Kambodscha, Singapur, Hongkong, Japan, Tansania, Kenia, Simbabwe, Sambia, Südafrika, Botswana und Namibia.

Naar Travel setzt auf ein modernes Buchungs- und Preissystem mit Tagespricing und effektiven Annullierungskosten, kombiniert mit einem 24-Stunden-Service sowohl im Zielgebiet als auch in Europa.

Ausgeklügelt und auf Naar zugeschnitten ist das Buchungssystem, das von Frederic Naar selber entwickelt worden ist und von den Funktionalitäten her mit einem Travel Compositor oder Nezasa vergleichbar sei, wie Matthias Huwiler findet. Vorerst können die Schweizer Reisebüros ihre Buchungsanfragen und Buchungen per E-Mail übermitteln, später soll, wer dies wünscht, ein Login ins Naar-Buchungssystem erhalten.

Das Credo

Der Markteintritt von Naar Travel in der Schweiz dürfte zu einem durchaus guten Zeitpunkt erfolgen. Die Nachfrage nach massgeschneiderten Individualreisen im Fernstreckenbereich ist hierzulande gross, gleichzeitig ist ein Umbruch im Gang. Mit der Hotelplan-/Travelhouse-Übernahme durch Dertour werden einige Karten neu gemischt, ob in der Zusammenarbeit mit Reisebüros oder was den Personalmarkt betrifft.

«Braucht es euch nun auch noch?» habe sie nur vereinzelt gehört, lacht Gunnel Burri, «die meisten unserer Reisebüro-Besuche fallen sehr positiv aus. Und unsere Message lautet dabei, testet uns doch mal – und nun werden wir getestet».

«Je komplexer, desto Naar», nennt Burri ein Credo von Naar Travel, «schnell und kompetent» lautet das zweite. «Klar machen wir auch One-Stopp-Reisen», ergänzt Burri, in einem Zürch-Phuket-Zürich liegt aber nicht unsere primäre Kernkompetenz, sondern bei komplizierten Routings mit drei, vier Stopps, wenn es darum geht, Hotels, Ausflüge, Mietwagen, begleitete Touren oder Besichtigungen über mehrere Länder hinweg zusammenzustellen und zu komponieren. «Spezialistentum, Know-how und Service», sind uns sehr wichtig, sagt die Geschäftsführerin.

Die Ziele

Im Gespräch mit Naar Travel wird bald klar: hier handelt es sich nicht um einen Schnellschuss ins Blaue hinaus. Der Businessplan und die Erfahrung der Schweiz-Crew von Naar Travel deuten auf ein solides Engagement und eine prosperierende Entwicklung im Schweizer Reisemarkt hin.

Ein raketenhaftes Wachstum strebt Naar Travel aber nicht an. Oder wie es Matthias Huwiler erklärt: «Wenn uns beispielsweise gleich vier Filialen einer Agentur ihre gesamten Anfragen und Buchungen über Nacht zuhalten würden, wäre das zu viel für den Anfang und die aktuell vierköpfige Crew».

Gleichwohl sind die Ziele von Frederic Naar und dem Schweiz-Team ambitioniert. Und der Standort in Dietlikon lässt auch bei Bedarf ein personelles Wachstum zu, bevor zu einem späteren Zeitpunkt Gedanken über eigene Büroräumlichkeiten aufkommen. Naar Travel hat die Startbahn hinter sich gelassen und setzt zum Fernflug an.