Reiseanbieter
Travelhouse im Umbruch: Wer nutzt die Gunst der Stunde?
Reto SuterDie Integration der Hotelplan-Spezialistenmarke Travelhouse in die neue Struktur von Dertour Suisse läuft. Formal nach Plan, kommunikativ transparent – und dennoch wirft sie im Markt Fragen auf. Nicht zur strategischen Logik, sondern zur operativen Realität.
Es ist ein Thema, das die unabhängigen Schweizer Reisebüros derzeit stark beschäftigt – hörbar an praktisch jedem Branchen-Event und auch am zweitägigen Touristiker-Treff von Dertour Suisse in Gstaad sehr präsent.
Bleibt eine kompetente Ansprechperson erhalten? Geht die gewohnte Expertise im neuen Konstrukt womöglich verloren? Und nicht zuletzt: Kommt man weiterhin schnell und unkompliziert zu den benötigten Offerten? Diese und weitere Fragen umtreiben viele Reiseprofis, die eng mit Travelhouse zusammen arbeiten.
Gerade das Spezialisten-Geschäft lebt von persönlichem Know-how, eingespielten Teams und kurzen Wegen. Je länger Übergänge dauern, desto grösser wird der Bedarf nach Orientierung – und nach Partnern, die verlässlich und ohne Einschränkungen liefern.
Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass sich unabhängige Schweizer Anbieter zunehmend als Alternative positionieren. Nicht als Gegenmodell zum Angebot von Dertour Suisse, sondern als Ergänzung für Reisebüros, die während des Umbaus Planungssicherheit suchen.
Stabilität als Trumpf
Sebastian Kickmaier kennt das Spezialistengeschäft aus dem Effeff: Der heutige CEO von Knecht Reisen war zuvor viele Jahre in leitender Funktion bei Travelhouse tätig. Auf Anfrage sagt er: «Der Umbau, die Systemwechsel und die kulturelle Integration von Travelhouse bei den Kuoni Specialists stellen eine komplexe Aufgabe dar, die Zeit und Fokus erfordert. Dafür haben wir grossen Respekt.»
Gleichzeitig suchen laut Kickmaier viele Reisebüros jetzt nach Stabilität und sofort verfügbare Kompetenz. «Genau hier sehen wir die Stärke von Knecht Reisen. Wir verstehen unsere Positionierung als sofort einsatzfähige Schweizer Alternative für Reisebüros, die aktuell Planungssicherheit und operative Stabilität suchen», erklärt er.
Knecht Reisen biete gemeinsam mit den TPS-Spezialisten ein bewährtes, transparentes Kommissionsmodell mit klaren Rahmenbedingungen. «Unsere Teams kennen die Erwartungen der Schweizer Reisebüros und deren Kundschaft.»
Zwischen Gelassenheit und Chancen
Walter Fink, Mitinhaber von Inselspezialist Rolf Meier Reisen in Neuhausen am Rheinfall SH, blickt gelassen auf die Eingliederung von Travelhouse in die Kuoni-Markenwelt. Spürbare Umwälzungen in seinem Kerngeschäft mit Grossbritannien, den Kanalinseln, Irland und Malta erkennt er im aktuellen Marktumfeld nicht. «Die Veränderung war grösser, als Travelhouse vor vier Jahren aufgehört hat, klassische Kataloge zu produzieren», sagt er.
Damals hätten sich vermehrt Reisebüros nach neuen Partnern umgesehen – und seien zunehmend auf Rolf Meier Reisen zugekommen. Die aktuelle Situation hingegen ordnet Fink nüchtern ein: «Ich sehe darin keine riesige Chance, neue Kunden zu gewinnen.» Vielmehr handle es sich um ein Nullsummenspiel. «Vielleicht gewinnen wir punktuell zusätzliche Umsätze, gleichzeitig müssen wir aber wohl mehr in Marketing investieren, weil Travelhouse als eigenständige Marke wegfällt.»
Ein Name, der in Gesprächen mit Reisebüro-Betreibern immer wieder fällt, ist Amin Travel. Die Gründe sind schnell genannt: kurze Reaktionszeiten bei Offerten und hohe Fachkompetenz. Spricht man Reto Amin darauf an, kann er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Der Inhaber des auf Ägypten, Portugal und die Kapverden spezialisierten Veranstalters bestätigt, dass sich die Dynamik durchaus verändert hat: Auch Büros, die früher kaum mit ihm zusammenarbeiteten, würden vermehrt Anfragen platzieren.
Markante Zuwächse verzeichne Amin Travel jedoch nicht. «Wir haben nie darauf abgezielt, anderen Anbietern aktiv Kunden abzuwerben», so Amin. «Unser Credo ist klar: Wir wollen unseren Job so gut wie nur möglich machen», sagt er. Wenn die Reisebüros zufrieden seien, würden sie bleiben – und über Empfehlungen kämen automatisch neue Partner dazu. Derzeit entfallen rund 80 Prozent des Geschäfts auf den Vertrieb über Reisebüros, während etwa 20 Prozent direkt mit Endkunden erzielt werden.
Noch ist offen, wie stark sich der Umbau von Travelhouse mittel- und langfristig auswirken wird. Klar ist jedoch: In Phasen der Unsicherheit zählen Verlässlichkeit, Tempo und persönliche Betreuung mehr denn je. Wer hier liefert, gewinnt Vertrauen – und womöglich auch Marktanteile. Am Ende entscheidet nicht die Struktur, sondern die tägliche Leistung.