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Die Reisehinweise des EDA stehen immer wieder in der Kritik: Vielen Reisenden gelten sie als unübersichtlich und zu wenig hilfreich bei konkreten Fragen. Bild: Hamad International Airport

Kommentar Reisehinweise von gestern: Warum das EDA umdenken muss

Reto Suter

Wer heute die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) liest, fühlt sich manchmal zurückversetzt ins Internet der 1990er-Jahre. Viel Text und zu wenig Klarheit. Das sollte sich schleunigst ändern.

Fast 30 Jahre alt sind sie inzwischen: die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Entstanden sind sie Ende der 1990er-Jahre als Reaktion auf die Terroranschläge von Luxor in Ägypten, bei denen 1997 auch 36 Schweizer Touristinnen und Touristen ums Leben kamen. Damals war das Bedürfnis nach offiziellen Sicherheitsinformationen gross. Und es war richtig, dass der Bund reagierte.

Jetzt, knapp drei Jahrzehnte später, stellt sich eine unbequeme Frage: Sind die Reisehinweise des EDA noch zeitgemäss? Natürlich: Das Aussendepartement kann es kaum jemandem recht machen. Destinationen werfen Bern regelmässig Alarmismus vor, Reiseveranstalter beklagen übertriebene Warnungen, Hotels fürchten um Buchungen.

Gleichzeitig hiess es nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs plötzlich aus der Reisebranche, das EDA hätte viel früher vor Reisen in die Golfregion warnen müssen. Neutralität ist schwierig – und genau deshalb wichtig. Reisehinweise sollen keine Werbung für Destinationen sein, sondern eine möglichst nüchterne Einschätzung der Lage liefern.

Das Problem liegt heute aber weniger beim Inhalt als bei der Form. Die Reisehinweise wirken wie digitale Relikte aus einer anderen Zeit: mit sperrigen Formulierungen und juristisch abgesicherten Satzgirlanden. Nach dem Lesen weiss man manchmal weniger als vorher.

Klartext statt Amtsdeutsch

Dabei wäre die Lösung simpel. Warum gibt es nicht ein klares, visuelles Warnsystem mit Farben oder Risikostufen direkt am Anfang, wie es beispielsweise Österreich bietet? Grün, Gelb, Orange, Rot – sofort verständlich und für Reisende als erste Einordnung viel hilfreicher als ausschliesslich Textblöcke. Die detaillierten Informationen könnten darunter weiterhin aufgeführt werden. Niemand verlangt weniger Inhalt. Gefragt ist aber deutlich mehr Übersicht.

Noch unbefriedigender wird es bei konkreten Fragen rund um den Nahen Osten. Seit Beginn des Iran-Kriegs herrscht grosse Unsicherheit bei Transitflügen über wichtige Drehkreuze wie Doha, Dubai oder Abu Dhabi. Doch das EDA weigert sich weiterhin, konkrete Einschätzungen zu Flughafentransits abzugeben. Die Begründung: Man könne nicht auf «spezifische Konstellationen» eingehen.

Komisch nur, dass das Departement gleichzeitig innerhalb einzelner Länder sehr wohl regionale Unterschiede macht. Etwa wenn der Westen eines Landes als stabil gilt, während vor Grenzregionen gewarnt wird. Warum also keine differenzierte Einschätzung für Flughafentransits? Gerade dort hätten Reisende ein besonders grosses Bedürfnis nach Orientierung.

Die Reisebranche entwickelt sich ständig weiter. Krisen entstehen schneller, Informationen verbreiten sich in Echtzeit, Reisende erwarten Klarheit statt Amtsprosa. Wenn das EDA seine Reisehinweise nicht modernisiert, droht genau das, was eigentlich verhindert werden sollte: der Verlust von Relevanz.