Springbock, Safari und Golf vom Feinsten

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Mit über 450 Golfplätzen, viel Sonne und freundlichen Menschen ist Südafrika eine Traumdestination für Golfer.

„Die Fluggäste, ankommend aus Kapstadt mit Edelweiss/Swiss, werden gebeten, ihr Sperrgut-Gepäck möglichst schnell abzuholen. Es hat aussergewöhnlich viel Golfgepäck, und wir können es sonst nicht verarbeiten.“ So tönt es kurz nach unserer Landung in Zürich. Das Band spuckt tatsächlich einen Travelbag nach dem anderen aus.

Südafrika ist für Golf-Touristen ein Traum. Fast alle traditionellen Clubs verfügen über Caddies, die einem die Tasche schleppen und gute Tipps geben. Fast alle modernen Clubs vermieten Carts mit GPS, und überall sind die Menschen stets gut gelaunt und freundlich. Das gilt für den Caddie-Master, der einem schon vor der Runde die Schläger putzt, bis hin zu den professionellen Startern, die uns genau sagten, ab welchem Tee wir abschlagen dürfen.

Die Auswahl an Plätzen ist riesig: Gut 450 Anlagen sind dem südafrikanischen Verband angeschlossen. Für die Touristen lohnt es sich, Jahresmitglied bei einem südafrikanischen Club zu werden. Das kostet im Internet bloss rund 80 (!) Franken, bringt aber in vielen (jedoch nicht allen) anderen Clubs einen speziellen “Affiliated”-Tarif für das Greenfee.

Wir haben für Sie einige “Filetstücke“ aus dem riesigen Angebot um Kapstadt, entlang der Garden Route und in Stellenbosch getestet.

Hier präsentieren wir jeweils drei persönliche Favoriten pro Region. Überall gilt: Die Kombination von Golf, kulinarischem Genuss plus einheimischem Wein ist kaum zu toppen. Klar haben wir im neuen “Route 57” von Open-Sieger Louis Oosthuizen in Mossel Bay sowie im „Big Easy“ von Ernie Else in Stellenbosch geschlemmt. Neben den obligaten, delikaten Rindsfilets genossen wir im „Route 57“ unter anderem auch das Trio vom Wild: Springbock, Strauss und Kudu. Diese beiden Restaurants sowie alle anderen Golf-Adressen können wir Golf-Gourmets uneingeschränkt empfehlen.

Top 3 Kapstadt

Die meisten Südafrika-Reisen starten und enden in Kapstadt. Die Touristenmetropole ist eine der beliebtesten Städte für Fotoshootings. Der Tafelberg wie auch viele andere Attraktionen ziehen Gäste aus aller Welt an. Hier trifft man auf den Plätzen aber auch viele Einheimische an, die einem mit Rat respektive Ideen für weitere spezielle Courses gerne helfen.

Besonders gut gefallen hat es uns in Kapstadt im „Westlake Golf Club“. Der Platz ist praktisch flach, aber viele schöne alte Bäume spenden etwas Schatten. Der Parkland-Kurs entstand in den frühen Dreissigerjahren als eine Art „Abspaltung“ vom Clovelly Estate. Dieser war damals zahlungsunfähig, gehört aber mittlerweile wieder zu den absoluten Top-Adressen rund um Kapstadt. Auch hier begrenzen da und dort alte Bäume das Fairway, und der Platz ist deutlich kupierter als Westlake. Wir starteten (wie recht häufig in Südafrika) auf Bahn 10. So oder so ist aber Abwechslung garantiert. Wenn wie üblich kräftiger Wind weht, wird der top gepflegte Platz nochmals deutlich anspruchsvoller. Einige Bäume sind schon ganz windschief. Trotz der strahlenden Sonne sind wir bei Halbzeit froh, uns im Halfway House kurz hinzusetzen respektive stärken zu können.

Ebenfalls auf unsere Liste der Top-3-Plätze in Kapstadt gehört Milnerton. Es handelt sich dabei um einen anspruchsvollen Links Course, dazu kommen schöne Ausblicke auf den Tafelberg. Einige Bahnen verlaufen hinter den Dünen am Meer, entsprechend oft hat es auch hier Wind.

Neben diesen drei Empfehlungen gibt es rund um Kapstadt weitere Klassiker wie etwa Royal Cape, die sich ebenfalls lohnen. Allerdings locken speziell an der Garden Route weitere Höhepunkte mit speziellen Ausblicken auf die Küste respektive die übrige Natur. “Die Garden Route zwischen Knynsa und Hermanus ist der wahre Golferhimmel”, bestärkten uns die Mitglieder im traditionellen Kapstädtischen Golfclub Rondebosch.

Die Links:

Top 3 Garden Route

Auf der Küstenstrecke der Garden Route sind in den vergangenen Jahren enorm viele Top-Resorts und -Plätze gebaut worden. Unser klarer Favorit ist der erst 2006 eröffnete Pinnacle Point bei Mossel Bay. Wir haben schon auf vielen Plätzen auf der ganzen Welt gespielt, aber dieser ist einfach grandios. Jede Bahn spektakulär und trotz Häusern im Hintergrund ein grossartiges Schauspiel der Natur. Bei unserem Besuch an einem schönen, ruhigen Sonntagmorgen ist der Platz relativ leicht zu spielen. Angesichts diverser naher Klippen sowie teilweise grosser Distanzen, die zu überwinden sind, kann das eigene Spiel bei Wind beeinträchtigt werden. “Dann vergiss einfach das Score und nimm vor allem genügend Bälle mit”, hatte mir schon vor dem Start ein Fan von Pinnacle Point geraten. Ohne Wind habe ich den ersten Ball übrigens erst auf Bahn 12 verschlagen und war ganz stolz auf mich. Aber vor allem war ich beeindruckt. Besonders spektakulär sind im Pinnacle Point die verschiedenen Par 3; so etwa das kurze Loch sieben über die Felslöcher oder die neunte Bahn, die direkt entlang der Klippe zum Clubhaus zurückführt. Auch hier trifft man auffallend viele Schweizer, und der Platz ist jeden Rand wert.

Das gilt ebenfalls für den völlig unterschiedlich angelegten Parkland-Course Outeniqua im berühmten Resort Fancourt. Während der Links-Platz ausschliesslich den Mitgliedern sowie den Hotelgästen offen steht, bekommt man auf dem Parcours mit Sicht auf den gleichnamigen Berg problemlos eine Startzeit. Wir werden vom Golf-Shuttle auf dem Parkplatz abgeholt, danach kümmern sich die wie am Masters ganz in Weiss gekleideten Caddies um alles. Der älteste Parcours im erst 20-jährigen Resort ist Teil eines wunderschönen, gepflegten Gartens, umgeben von geschmackvollen Häusern. Man spielt zwischen Seerosen und Blumen – einfach schön, denke ich für mich. Die professionellen Caddies helfen natürlich beim Putten, so dass die Runde noch entspannter wird. Übrigens kostet die Caddy Fee umgerechnet gerade mal 15 Franken. Unser Helfer Lennox ist froh, wenn er in der Saison vier Mal pro Woche an die Tasche darf. Selber spielt er nach zwölf Jahren im Beruf nun Handicap 6, und die Fancourt Caddies treten in einer eigenen Liga gegen diejenigen in anderen Clubs an.

Keine menschlichen Helfer gibt’s dagegen auf dem Pezula Course in Knysna. Dort begnügen sich die meisten Gäste mit einem Cart. Etwas oberhalb der Küste ist der anspruchsvolle Parcours sehr gut in die Natur eingebunden. Schon beim ersten, zugleich schwierigsten Loch muss der zweite Schlag über wilde Buschlandschaften erfolgen. Danach verblüffen immer wieder die Ausblicke auf den nahen Indischen Ozean oder die Knysna Lagune – vor allem der 360-Grad-Rundblick vom neunten Grün ist toll. Im Resort mit dem Hotel Conrad und vielen Villen besitzt übrigens auch Roger Federer ein Haus. Welches es ist, will der Hotel-Sicherheitschef uns allerdings nicht sagen. Ziemlich sicher ist es nicht das Haus mit der Schweizer Flagge, das sich gleich beim eindrücklichsten Aussichtspunkt unterhalb des 14. Grüns befindet. Vom Damenabschlag ist das tiefgelegte Ziel des Doglegs schon fast vom Tee aus zu erreichen.

Wer konservativ spielt, wird – unabhängig von Resultat – mit dem tollen Ausblick auf die Bunkerlandschaft und das satte Blau dahinter belohnt. Auch für die Touristen aus Hongkong, die nach uns spielen, ist klar, dass das fotografiert werden muss. So haben wir trotz des vielen Betriebs genügend Zeit, um neben Birdies vor allem Bilder zu schiessen. Knapp nicht in unsere persönliche Top 3 der Garden Route geschafft  haben es unter anderem die beiden traditionsreichen Plätze George Golf Club und Mossel Bay. Beide sind durchaus empfehlenswert, aber deutlich einfacher und weniger spektakulär. Speziell in Mossel Bay ist neben der Meersicht die Begegnung mit einer Herde von 27 lustigen Springböcken.

Die Links:

Top 3 Stellenbosch

Das Weingebiet rund um die Universitätsstadt Stellenbosch gehört ebenfalls zu den beliebten Reisezielen von Schweizer Golfern. Nirgends ist die Auswahl an Spitzenrestaurants grösser, und bei einigen der angesagtesten Adressen (Rust en Vrede) reserviert man am besten schon lange vorher von zu Hause aus, um am Abend einen Platz zu bekommen. In der Hochsaison ebenfalls zu empfehlen ist die Reservation von Golfcarts. Das gilt sogar für die Top-Adresse Golfclub De Zalze. Beim Cart ist auch der obligatorisch mitzuführende Sandbehälter dabei. Wer zu Fuss unterwegs ist, muss dem Starter extra 15 Rand für einen Sandsack zahlen. Das empfinden die meisten Gäste als kleinkariert, es passt nicht zur äusserst grosszügigen, abwechslungsreichen Anlage.

Ganz speziell ist etwa der Abschlag Nummer 13. Dort liegen alle Teeboxen der Männer mitten im Wasser auf kleinen Inseln, und dank der kurzen Distanz werden auf dem leichtesten Loch viele mit einem Par oder Birdie belohnt. Einen echten Härtetest gibt es dann nochmals auf der drittletzten Bahn, wobei das flache Par 3 von den hinteren Boxen gut 220 Meter misst.

Ebenfalls ganz flach ist beispielsweise der Edelclub von Pearl Valley in der Nähe von Franschhoek. Hier hat sich Architekt Jack Nicklaus ausgetobt: Insgesamt 81 Bunker und viel Wasser prägen das Bild des „Florida-Style“- Parcours. Er wird von südafrikanischen Magazinen immer wieder ganz an die Spitze der Platz-Ranglisten gesetzt. Diesen Anspruch erfüllt er vor allem mit perfekter Pflege, dazu Service vom Feinsten. So werden unsere Schläger schon nach neun Löchern erstmals geputzt, und die Carts sind mit dem eigenen Namen angeschrieben.

Ebenfalls in die Top 3 rund um das Weingebiet gehört Erinvale. Neun flache sowie neun hügelige Löcher bilden einen abwechslungsreichen Kontrast. Allerdings ist der Parcours stark belegt und in der Hochsaison prinzipiell den Resort-Gästen vorbehalten. Wer möchte, kann direkt im Edelresort ein schönes Ferienhaus mieten. Allerdings ist es so, dass die Schweizer und die anderen Touristen mit langjähriger Südafrika-Erfahrung diese schon ein Jahr im Voraus buchen.

Kein Wunder, kommt in Zürich am Schluss der Reise so viel Golfgepäck zusammen. Vom Golfen in Südafrika kann man fast nicht genug kriegen, vom Rindsfilet schon eher.

Die Links:

Safari: Live Kill als Glücksfall

Immer wieder begegneten uns auf den Golfplätzen in Südafrika für uns exotische Tiere wie Springböcke. Das Land ist prädestiniert für echte Safaris, auch wenn man nicht so viel Glück hat wie wir. Bei unserer ersten Pirschfahrt im Amakhala Game Reserve erlebten wir die Jagd eines Geparden auf eine Herde von Antilopen und wie er sich ein Tier schnappte. Nach dem Sprint und dem sogenannten “Kill” musste er sich minutenlang ausruhen.

Dank unserem Ranger konnten wir Jäger und Gejagte direkt während und nach dem ungleichen Kampf beobachten. Er sehe dies höchstens alle drei Jahre live, erläuterte der Ranger, und immer noch fasziniere ihn die Natur hier draussen. Der Schutz vor Wilderern, die es auf die Hörner der Rhinos abgesehen haben, ist auch im Amakhala ein grosses Thema. Über den genauen Standort der Tiere dürfen die Ranger über Funk nicht sprechen.

Wer aber eine Löwin, einen besonders imposanten Elefanten oder sonst etwas Spezielles sieht, teilt die Beobachtung übers Mikrofon den Kollegen mit. So entdeckten wir neben den berühmten Big Five von Afrika (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Geopard) noch viele weitere Tiere. Dazu genossen wir es, ausnahmsweise nicht ans Golfen zu denken und stattdessen über die Natur zu staunen.

(SW)