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Leichte Erholung bei den Arabien-Spezialisten
Gregor WaserNach dem Ende der kriegerischen Auseinandersetzung im Nahen Osten sorgt die Anpassung der EDA-Reisehinweise für eine spürbare Belebung im Arabien-Geschäft. Vier Schweizer Arabienspezialisten analysieren die aktuelle Lage.
Philippe Raselli, Geschäftsführer von Holiday Maker Tours, sagt: «Wir stellen seit der Anpassung der Reisehinweise durch das EDA vom 20. Juni eine spürbare Verbesserung fest. Bereits wenige Tage nach dieser Anpassung haben die Anfragen für unsere Destinationen wieder deutlich zugenommen. Das zeigt, wie stark die offiziellen Reiseempfehlungen das Buchungsverhalten beeinflussen. Viele Reisende hatten ihre Ferienpläne in den vergangenen Wochen aus Unsicherheit aufgeschoben und holen ihre Reiseplanung nun nach.»
Auch bei Dertour Suisse blickt man erleichtert auf die Entwicklung. Mediensprecher Stephan Kurmann erklärt: «Die Situation hat sich in den vergangenen Wochen entspannt. Nach den Anpassungen der Reisehinweise des EDA und der Normalisierung des Flugverkehrs können wir unser Angebot im Nahen Osten wieder vollständig anbieten. Sämtliche Destinationen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Oman, Bahrain, Katar und Saudi-Arabien sind wieder uneingeschränkt buchbar. Auch Rundreisen und Aufenthalte in Wüstencamps in Jordanien sind wieder verfügbar.»
Neue Dynamik über die Drehkreuze
Marcel Gehring, Geschäftsführer von Let’s go Tours hält fest: «Wir spüren eine leichte Verbesserung. Nach den turbulenten Wochen nimmt das Interesse langsam wieder zu. Es treffen wieder vereinzelt Anfragen und auch Buchungen ein. Die Nachfrage entwickelt sich in die richtige Richtung, bewegt sich aber nach wie vor auf einem tiefen Niveau.»
Eine signifikante Belebung registriert Stephan Kurmann mit Blick auf die kalte Jahreszeit und das wichtige Stopover-Geschäft: «Es werden wieder vermehrt Fernreisen nach Asien über die grossen Drehkreuze auf der Arabischen Halbinsel gebucht. Verbindungen via Dubai, Abu Dhabi oder Doha gewinnen wieder an Bedeutung, nachdem viele Reisende diese gemieden hatten.»
Gleichzeitig verändert sich die Art und Weise, wie Schweizer ihre Orient-Ferien buchen. Laut Philippe Raselli ist der Beratungsbedarf stark gestiegen: «Sowohl bei den Anfragen als auch bei den Buchungen beobachten wir eine erfreuliche Entwicklung. Es besteht aber Aufholbedarf, bis die Buchungseingänge wieder das Vorkrisenniveau erreichen». Typisch für die aktuelle Situation sei zudem, dass viele Kunden kurzfristiger buchen und sich intensiver beraten lassen als noch vor einigen Monaten. «Persönliche Einschätzungen eines spezialisierten Reiseveranstalters gewinnen dabei an Bedeutung.»
Kaum Nachfrage für Jordanien, Ägypten boomt
Die Erholung verläuft je nach Land in unterschiedlichem Tempo. Reto Amin, Geschäftsführer von Amin Travel schildert die zweigeteilte Realität seines Unternehmens «Direkt betroffen von der Situation war von unseren Destinationen nur Jordanien. Ägypten war sowieso nie direkt vom Konflikt betroffen.» Bezüglich der Buchungen hält Amin fest: «Für Jordanien ist die Nachfrage leider noch überhaupt nicht zurück. Und obwohl Ägypten nicht direkt in den Konflikt involviert war, war die Nachfrage komplett zusammengebrochen. Seit rund drei Wochen haben die Anfragen und Buchungen jedoch wieder sehr stark angezogen, was sehr erfreulich ist.»
Für Ägypten warnt Amin wegen des enormen Nachholeffekts bereits vor Engpässen im Herbst: «Die Nachfrage ist sehr hoch, die Kapazitäten schwinden. Sobald die Nachfrage aus den USA wieder anzieht, wird sich dieses Problem noch rasant beschleunigen.»
In der Golfregion zeichnet sich derweil ein klares Bild ab. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und das Sultanat Oman führen die Erholungswelle an. Stephan Kurmann führt dazu aus: «Besonders die Vereinigten Arabischen Emirate entwickeln sich derzeit erfreulich. Oman profitiert ebenfalls von der Normalisierung der Reisesituation und gehört wieder zu den uneingeschränkt buchbaren Destinationen. Darüber hinaus beobachten wir, dass sich die Entspannung positiv auf die Nachfrage nach klassischen Ferienzielen im östlichen Mittelmeer auswirkt. Destinationen wie Ägypten, die Türkei und Zypern rücken bei vielen Kundinnen und Kunden wieder stärker in den Fokus.»
Besuch vor Ort
Dass die Realität vor Ort nichts mit den Krisenbildern in den Nachrichten zu tun hat, betont Philippe Raselli, der die Region kürzlich selbst bereiste: «Ich konnte mir selbst in den vergangenen Wochen ein aktuelles Bild vor Ort machen – Ende Mai während einer Studienreise im Oman und Anfang Juni in Dubai. Abgesehen von einer insgesamt geringeren Zahl internationaler Gäste und entsprechend weniger Verkehr war in beiden Destinationen vom Alltag und von der touristischen Infrastruktur her kaum etwas von den geopolitischen Spannungen zu spüren. Hotels, Sehenswürdigkeiten und touristische Angebote funktionierten wie gewohnt.»
Hinsichtlich der Marktchancen differenziert Raselli die Destinationen wie folgt: «Am schnellsten dürfte sich aus unserer Sicht die Nachfrage für die Vereinigten Arabischen Emirate erholen. Die VAE sind eine äusserst dynamische Destination mit einer hervorragenden touristischen Infrastruktur und einer hohen Flugkapazität. Hinzu kommt, dass Leistungsträger und Fluggesellschaften sehr flexibel auf Nachfrageschwankungen reagieren und den Markt mit attraktiven Angeboten stimulieren. Besonders die derzeit reduzierten Flugtarife von Emirates dürften die Nachfrage zusätzlich beleben und spontane Buchungsentscheide fördern».
Auch Oman verfüge über sehr gute Erholungschancen. «Das Sultanat zählt seit Jahren zu den beliebtesten Reisezielen der Schweizer Kundschaft für hochwertige Rundreisen in Kombination mit Badeferien. Reisende schätzen insbesondere die authentische Kultur, die spektakulären Landschaften und die hohe Qualität der touristischen Angebote», sagt Raselli.
Günstige Hotels in der Sommersaison
Für Kunden stellt sich nun die Frage nach dem besten Buchungszeitpunkt. Wer nach Jordanien reisen möchte, findet laut Reto Amin jetzt Bedingungen vor, die es so wohl nie wieder geben wird – allerdings ohne Rabatte: «Bei Jordanien kann man klar sagen: jetzt reisen, ohne Massen von Touristen – man hat das Land praktisch für sich alleine. Jordanien hat sich nie über den Preis und Massentourismus definiert und die Preise sind entsprechend stabil. Bei Ägypten muss man schnell sein: die Nachfrage ist riesig und wir verzeichnen für den Herbst schon sehr viele Kapazitätsengpässe und dementsprechend gibt es auch keine Sonderangebote.»
Stephan Kurmann verweist auf die attraktiven Nebensaisontarife in der Golfregion: «Gerade jetzt lohnt sich ein Blick auf die Angebote. In den Sommermonaten profitieren Reisende insbesondere in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Oman von der Nebensaison». Hotels seien teilweise deutlich günstiger als während der Herbst- und Wintersaison, wodurch sich hochwertige Reisen zu attraktiven Preisen buchen lassen. «Gleichzeitig bestehen aktuell wieder gute Verfügbarkeiten für die kommenden Monate.»
Auch Marcel Gehring unterstreicht die guten Konditionen, gepaart mit eigenen Qualitätskontrollen vor Ort: «Unsere Botschaft lautet: We're ready when you are. Wir weisen unsere Kunden darauf hin, dass das EDA die Reisehinweise für unsere wichtigsten Destinationen in der Region inzwischen wieder angepasst hat und Reisen grundsätzlich wieder möglich sind. Zudem stehen wir in engem Austausch mit unseren lokalen Partnern und verfolgen die Situation laufend, damit wir unsere Kunden jederzeit fundiert und aktuell beraten können». Ergänzend werden in den kommenden Monaten mehrere Mitarbeitende von Let's go Tours selbst in die Region reisen, um sich vor Ort ein aktuelles Bild zu machen. «Aktuell profitieren die Kunden zudem von einer ausgezeichneten Verfügbarkeit und teilweise sehr attraktiven Sonderangeboten der Hotels und Leistungsträger».