Here & There

Der Aufstieg hat sich gelohnt: Nach 1200 Stufen erwartet mich auf dem Löwenfelsen ein spektakulärer Sonnenaufgang und ein magisches Panorama. Alle Bilder: TN

Zum Sonnenaufgang auf Sigiriya: Was dich auf dem Löwenfelsen erwartet

Marilin Leuthard

Sigiriya ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Sri Lankas und gehört zu den grössten Touristenmagneten der Insel – doch lohnt sich der Aufstieg wirklich? Travelnews hat den Löwenfelsen zum Sonnenaufgang erklommen.

Die ersten Sonnenstrahlen erleuchten Sigiriya und tauchen die umliegenden Wälder, die noch im Nebel liegen, in ein goldenes Licht. Es ist 06.11 Uhr. «Der anstrengende Aufstieg hat sich gelohnt», denke ich mir, als ich oben stehe. Von einem idyllischen Sonnenaufgang kann aber nicht die Rede sein, der schier ohrenbetäubende Lärm der Zikaden auf den umliegenden Bäumen gibt der Morgenstimmung eine besondere Note. Aufgeregt, aber dennoch magisch.

Wir haben um etwa 5 Uhr morgens, als es noch dunkel war, das Amba Yaalu verlassen, das erste rein von Frauen geführte Hotel in Sri Lanka. Nach rund 20 Minuten erreichen wir Sigiriya. Wer sein Ticket nicht vorab online gekauft hat, kann sich für 30 Dollar am Ticketschalter, der bereits am frühen Morgen öffnet, eines kaufen. Um etwa 05.30 Uhr geht es los nach oben.

Sigiriya gehört zu den wichtigsten Wahrzeichen der Insel und ist Teil des Unesco-Weltkulturerbes. Der Name leitet sich von Singha Giri ab, was «Löwenfelsen» bedeutet.

Auf dem 200 Meter hohen Monolithen vulkanischen Ursprungs steht die Ruine einer historischen Felsenfestung, die als grosser Steinlöwe konzipiert wurde. Noch heute sind die riesigen, in Stein geschlagenen Löwenpranken sichtbar.

Der geschichtliche Hintergrund geht rund 1500 Jahre zurück. Der ehemalige König Kassapa errichtete auf dem Felsen einen Palast und suchte dort Schutz vor seinem rachsüchtigen Bruder, der Vergeltung für den Mord an ihrem Vater wollte.

Mitten im Dschungel ragt der Löwenfelsen 200 Meter in die Höhe.

Bereits von unten ist der monumentale Fels mit seinen verschiedenen Farbschichten absolut beeindruckend. Uns stehen 1200 Treppenstufen bevor. Der Gedanke daran ist in Wahrheit schlimmer, als das Erklimmen des Felsens selbst. Wobei erwähnt werden muss, dass man bei den unheimlich schwülen 23 Grad, die bereits um 05.30 Uhr herrschen, schwitzt, ohne dass man sich überhaupt bewegt.

Tagsüber gebe es aufgrund der vielen Besuchenden auf den schmalen Treppen regelmässig Stau, erzählt uns unser Guide. Der frühe Morgen sei daher einer der besten Zeitpunkte, um den Menschenmassen und der grossen Hitze zu entgehen.

Auf halbem Weg, pünktlich um 05.57 Uhr, blinzeln die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont. Für den Aufstieg sollte man je nach Besucheransturm und eigenem Fitnesslevel zwischen 30 und 60 Minuten rechnen.

Die Treppen gegen Schluss haben es in sich – besonders für Menschen mit Höhenangst.

Schwindelfreiheit ist beim Aufstieg von Vorteil – mit meiner Höhenangst war es mir besonders auf den letzten Treppen nicht mehr ganz so wohl. Hinzu kommen zahlreiche Hunde, die auf dem Felsen leben und es sich gerne mitten auf der Treppe bequem machen. Nach mehreren Trinkstopps (genügend Wasser mitnehmen!) und Verschnaufpausen komme ich nach rund 45 Minuten oben an.

Ist man erst einmal oben, hat man sich die spektakuläre Aussicht auf den umliegenden Dschungel mehr als verdient. Das Morgenlicht lässt die Landschaft in einem goldenen Schein erstrahlen, und für einen kurzen Moment habe ich wirklich das Gefühl, im Paradies angekommen zu sein.

Sich auf eine Mauer der antiken Festung zu setzen, die Umgebung auf sich wirken zu lassen und die morgendliche Stimmung zu geniessen: Das endlose Grün des Dschungels und die Hügel in der Ferne ergeben ein Bild, das man so schnell nicht vergisst.

Je früher, desto weniger Touristen: Der frühe Aufbruch zahlt sich am Löwenfelsen aus.

Auf dem Weg nach unten gibt es noch mehr zu entdecken: Es geht an der sogenannten Spiegelwand vorbei. Diese Wand wurde einst für den ehemaligen König so stark poliert, dass er sein Spiegelbild erkennen konnte. Heute kann man nur noch die Überreste des «Spiegels» erahnen.

Anschliessend geht es auf einer stählernen Wendeltreppe hinauf in eine Felsnische, in der die Fresken der «Wolkenmädchen» zu sehen sind. Die nur bis zur Hüfte dargestellten Frauen aus dem 5. Jahrhundert stellen vermutlich Nymphen oder Hofdamen des Königs Kassapa dar. Das Fotografieren der Wandbilder ist jedoch strengstens verboten.

Obwohl Sigiriya zu den meistbesuchten Touristenorten von Sri Lanka gehört, sollte man sich dieses Highlight keinesfalls entgehen lassen. Der Löwenfelsen ist definitiv ein Muss für jede Sri Lanka-Reise. Ein Besuch zum Sonnenaufgang ist besonders lohnenswert – weniger Menschen, weniger Hitze und dazu noch ein Naturschauspiel, das in Erinnerung bleibt.