Here & There

Evely Baum-Helmis (hinten, zweite von links) zusammen mit 13 touristischen Partnern im Zürcher Zunfthaus zur Meisen. Bild: TN

Estland – der unterschätzte Star im Norden

Estland legt bei den Schweizer Gästen stark zu – und wirbt um noch mehr Aufmerksamkeit. Ein Workshop in Zürich zeigte: Das Interesse der Schweizer Reisebranche ist gross, und das Angebot wächst weiter.

Der Tourismus verschiebt sich. Weg von überfüllten Städten und Stränden. Hin zu ruhigeren Regionen und neuen Zielen. Der europäische Norden gehört zu den Gewinnern. Neben oft genannten Profiteuren wie Schweden, Finnland oder Island rückt auch Estland immer stärker ins Rampenlicht.

Die Entwicklung bei den Schweizer Gästen ist eindrücklich. 2025 verzeichnete Estland knapp 34'000 Logiernächte aus der Schweiz. Das entspricht einem Plus von fast 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig ist es ein neuer Höchstwert. Das bisherige Rekordjahr 2018 mit rund 31'000 Übernachtungen wurde klar übertroffen. Seit dem Einbruch während der Pandemie zeigt die Gästekurve kontinuierlich nach oben.

Mehr Kapazitäten, neue Chancen

Ein wichtiger Treiber sind die Weihnachtsmärkte. Vor allem Tallinn und Tartu ziehen im Winter viele Schweizerinnen und Schweizer an. Die Städte bieten Atmosphäre, kurze Wege und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Gleichzeitig punktet Estland mit einem Vorteil, der in anderen nordischen Ländern zunehmend fehlt: genügend Kapazitäten.

Während Destinationen wie Island oder Finnland in der Hochsaison praktisch komplett ausgelastet sind, ist Estland von diesem Zustand weit entfernt. Allein im Raum Tallinn sind im vergangenen Jahr über 600 neue Hotelzimmer entstanden. «Wir haben die Kapazitäten», sagt Evely Baum-Helmis von Visit Estonia. Auch im Wellnessbereich wird investiert. Mittelfristig rechnet sie hier mit rund 20 Prozent zusätzlichen Angeboten.

Grosses Interesse am Estland-Workshop in Zürich. Bild: TN

Neben Städtereisen gewinnt auch der Aktivtourismus an Bedeutung. Über 180 Velorouten stehen zur Verfügung. Dazu kommen fast 3800 Kilometer Küste und rund 2500 Inseln. Die Natur ist vielfältig und oft noch wenig frequentiert. Genau das entspricht dem aktuellen Reisetrend.

Verbesserungsbedarf gibt es bei der Anreise. Ab Zürich führen die wichtigsten Verbindungen mit Umstieg über Riga (Air Baltic), Helsinki (Finnair) oder Warschau (LOT). Ein Nonstop-Flug von Zürich nach Tallinn existiert zwar mit der Swiss, doch die Zeiten sind wenig attraktiv. Der Abflug am späteren Abend sowie der sehr frühe Rückflug schmälern den Komfort und erschweren die Planung.

Wie aktiv Estland den Schweizer Markt bearbeitet, zeigte am Mittwochabend (8. April 2026) ein Workshop im Zürcher Zunfthaus zur Meisen. Evely Baum-Helmis brachte 13 touristische Partner mit. Darunter DMCs, Reedereien Hotels und Museen.

Rund 30 Schweizer Reiseprofis nahmen teil. In bilateralen Gesprächen wurden Produkte, Routen und neue Angebote diskutiert. Anschliessend folgte eine kompakte Präsentation im Plenum. Der Abend klang bei einem Steh-Dinner und mit einer Verlosung von attraktiven Preisen aus – und zeigte: Estland ist bereit für mehr Gäste aus der Schweiz.

Diese touristischen Partner waren in Zürich:

  • Visit Tallinn, Irina Svidlov.
  • Virumaa Museums, Jaanika Reinvald-Colley.
  • DMC Nordic Estonia, Marianna Bühler.
  • Travel Expert, Sven Lõokene.
  • Baltikumreisen, Adrian Gerloff.
  • Nordic Inspiration, Liivi Köönvere.
  • Duco Hotels, Edith Paas.
  • Tallink Group, Marie-Christine Hoffmann.
  • Nordic Hotel Forum, Evelyn Silvet.
  • Mercure Hotels, Cathi Kokk.
  • Eckerö Line, Tiina Isotamm.
  • Viking Line, Mathrin Schiemann.
  • Air Baltic, Antonio Reis.

(RSU)