Trips & Travellers
«Ich könnte mir niemand Besseren an meiner Seite vorstellen»
Reto SuterEr ist jung, bestens vernetzt und in der Schweizer Reisebranche längst ein bekanntes Gesicht: Der 26-jährige Dario Cremona hat sich als Kreuzfahrt-Experte, Blogger und Influencer mit rund 38’000 Followern auf Instagram einen Namen gemacht.
Durch Stationen bei Hauri Reisen, dem Kreuzfahrtspezialisten E-Hoi und Knecht Reisen hat er sich früh ein breites Fundament an Erfahrung aufgebaut. Nun ist er den nächsten Schritt gegangen – und hat gemeinsam mit Branchenprofi Hansruedi Hauri sein eigenes Unternehmen gegründet: Cremona Cruises.
Unterstützt wird er dabei von seiner Partnerin Selina Thasan, die nun nicht mehr ausschliesslich privat, sondern auch beruflich an seiner Seite steht. Die beiden lernten sich vor anderthalb Jahren auf einer Studienreise an Bord der MSC Seashore kennen. Thasan bringt Erfahrung als Flight Attendant bei der Swiss sowie aus der Reisebürowelt ins neue Unternehmen ein.
Mit Cremona Cruises wollen sie bewusst einen anderen Weg gehen: weg von standardisierten Angeboten, hin zu individuell gestalteten Kreuzfahrterlebnissen mit persönlicher Beratung und digitaler Nähe. Doch wie entsteht aus einer Vision ein eigenes Business? Und: Wie viel Mut brauchte es für diesen Schritt? Antworten gibt Dario Cremona im Gespräch mit Travelnews.
Der offizielle Start von Cremona Cruises erfolgte am Dienstag nach Ostern. Wie haben Sie die Nacht davor erlebt?
Dario Cremona: Erstaunlich ruhig (schmunzelt). Die Nervosität kam erst am Dienstagmorgen, kurz vor dem Versand der Medienmitteilung. Natürlich ist da ein gewisser Respekt. Aber genau der gehört auch dazu und gibt einem die nötige Spannung.
Ein Blick zurück: Ihr Abgang bei Knecht Reisen wurde im Juni 2025 bekannt. War für Sie damals bereits klar, dass der Weg in die Selbständigkeit führen könnte?
Nein, überhaupt nicht. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht, wohin die Reise geht. Ich habe mir bewusst Zeit genommen, um herauszufinden, was ich wirklich will – ganz nach dem Motto: Wer bin ich, was kann ich und wo liegt mein Potenzial? Gleichzeitig konnte ich reisen, neue Reedereien kennenlernen und mein Fachwissen weiter vertiefen. Diese Phase war enorm wertvoll.
Wie kam es schliesslich zur Zusammenarbeit mit Hansruedi Hauri?
Ich habe meine Ausbildung von 2015 bis 2018 bei Hauri Reisen absolviert. Darauf aufbauend ist im Zuge meiner Neuorientierung diese Perspektive entstanden, die für mich am besten passt.
«Wenn nicht jetzt, wann dann?»
Was hat letztlich den Ausschlag gegeben, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen?
Es war eine Mischung aus Leidenschaft und dem richtigen Zeitpunkt. Die Begeisterung für Kreuzfahrten war schon immer da, und gleichzeitig habe ich gemerkt: Ich bin jung, habe kaum Verpflichtungen, die Türen stehen offen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Entscheidend war aber auch die Zusammenarbeit mit Hansruedi Hauri während der Ausbildungszeit. Die Chemie hat schon damals von Anfang an gestimmt, und es fühlte sich ein bisschen wie eine Rückkehr nach Hause an. Ich schätze unseren offenen, konstruktiven Austausch sehr. Und seine Erfahrung gibt mir das Vertrauen, diesen Weg mit Überzeugung zu gehen.
Welche Rolle übernimmt Hansruedi Hauri konkret bei Cremona Cruises?
Operativ unterstützt er uns vor allem im Bereich Buchhaltung. Darüber hinaus ist er Teil des dreiköpfigen Verwaltungsrats und bringt seine Erfahrung in die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens ein. Neben ihm sitzen auch ich als Mitgründer und Geschäftsführer sowie mein Cousin Marco Ferrara im Verwaltungsrat, der über umfangreiche Erfahrung im Finanzwesen verfügt und zudem als Dozent tätig ist.
Wie viel Vorlaufzeit hatten Sie bis zum offiziellen Start?
Ehrlich gesagt: keine. Wir haben per 1. April losgelegt, entsprechend intensiv waren die letzten Tage – von erholsamen Ostern keine Spur (lacht). Und wir sind ja noch mitten im Aufbau. Themen wie das Kommissionsmodell für Reisebüros oder die Kundengeldabsicherung stehen noch auf unserer To-do-Liste. Trotzdem wollten wir bewusst schon kurz nach Ostern live gehen, um sichtbar zu werden, unser Portfolio zu zeigen und ein erstes Gefühl für die Bedürfnisse im Markt zu bekommen.
Ein eigenes Unternehmen aufzubauen bringt viele Unwägbarkeiten mit sich. Worauf stellen Sie sich in den kommenden Monaten ein?
Ich stelle mich auf eine sehr intensive Zeit ein. Ob die Tage nun 16 oder 18 Stunden dauern, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass ich weiss, wofür ich arbeite. Cremona Cruises ist derzeit mein voller Fokus, auch an Wochenenden. Aber genau das macht es ja so erfüllend: zu sehen, wie etwas Eigenes Schritt für Schritt gedeiht.
«Ich bin überzeugt, dass wir unseren Platz im Markt finden werden»
Wie hat Ihr Umfeld auf Ihren Schritt in die Selbständigkeit reagiert?
Durchwegs positiv. Besonders meine Familie hat mich unterstützt. Viele haben sogar gesagt: «Endlich machst du es!» Auch seit dem Start erreichen mich laufend Glückwünsche und ermutigende Nachrichten. Das bestärkt mich zusätzlich darin, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.
Selina Thasan ist nicht nur Teil des Teams, sondern auch Ihre Partnerin. Warum sind Sie überzeugt, dass diese Konstellation funktioniert?
Wir haben von Beginn an sehr offen darüber gesprochen. Gerade bei kleinen KMU ist ein starkes Fundament entscheidend, und Selina ist genau dieser Rückhalt. Sie übernimmt viele zentrale Aufgaben, oft im Hintergrund, die enorm wichtig sind. Ich kann mich voll und ganz auf sie verlassen und könnte mir niemand Besseren an meiner Seite vorstellen – weder privat noch beruflich.
Der Schweizer Kreuzfahrtmarkt gilt als hart umkämpft. Was macht Sie zuversichtlich, sich darin behaupten zu können?
Natürlich gab es auch kritische Stimmen nach dem Motto: «Jetzt kommst du auch noch.» Aber genau das gehört dazu. Wettbewerb belebt das Geschäft. Gerade in einer Nische wie der Kreuzfahrt. Jedes Unternehmen hat seine eigene Strategie. Ich bin überzeugt, dass wir mit unserer Kombination aus Know-how, persönlicher Beratung und grosser Leidenschaft einen Mehrwert bieten und unseren Platz im Markt finden werden.