Future

Der Stad-Skipstunnel soll künftig die norwegische Halbinsel Stad durchqueren und Schiffen eine sichere Passage durch eines der rauesten Seegebiete des Landes ermöglichen. Bild: Kystverket / Snøhetta

Norwegen plant Schiffstunnel der Superlative

Norwegen plant mit dem Stad-Skipstunnel ein weltweit einzigartiges Bauwerk für die Schifffahrt. Der Seetunnel soll die Fahrzeiten verkürzen und den Verkehr auf See sicherer machen.

Norwegen will ein maritimes Pionierprojekt realisieren: Mit dem Stad-Skipstunnel ist an der Westküste der weltweit erste Tunnel für grosse Schiffe geplant. Das Bauwerk soll rund 50 Meter hoch, 36 Meter breit und 1,7 Kilometer lang werden – ausreichend dimensioniert, damit selbst Hurtigruten- und Havila-Schiffe die Passage nutzen könnten. Ziel ist es, den gefährlichen Seeabschnitt Stadhavet im Nordmeer zu umgehen und die Sicherheit für Fracht-, Passagier- und Kreuzfahrtschiffe deutlich zu erhöhen.

Das Stadhavet gilt als eines der tückischsten Seegebiete Norwegens. Starke Strömungen, plötzlich aufkommende Winde und hohe Wellen haben dort immer wieder zu schweren Unfällen geführt. Besonders in Erinnerung geblieben ist der Zwischenfall mit dem Kreuzfahrtschiff Viking Sky im März 2019: Nach einem Motorschaden trieb das Schiff mit 1373 Menschen an Bord in Richtung Felsküste, mehrere Passagiere wurden verletzt, eine spektakuläre Evakuierung per Helikopter folgte.

Der geplante Tunnel soll solche Situationen laut dem «Reisereporter» künftig verhindern. Er durchquert die Halbinsel Stad und verbindet den Moldefjord mit dem Vanylvsfjord. Schiffe müssten damit nicht mehr um die exponierte Landzunge Stadlandet herumfahren. Bei einer Geschwindigkeit von rund 15 Kilometern pro Stunde würde die Durchfahrt durch den Tunnel weniger als zehn Minuten dauern – und je nach Wetterlage mehrere Stunden Fahrzeit sparen.

Die Karte zeigt die Lage des geplanten Stad-Skipstunnels an der norwegischen Westküste sowie die heutige und künftige Hauptroute für den Schiffsverkehr. Bild: Kystverket / Snøhetta

Neben dem Sicherheitsgewinn verspricht das Projekt auch wirtschaftliche und ökologische Vorteile. Für den Frachtverkehr und die Fischerei würde die neue Seepassage eine zuverlässigere Planung bedeuten. Gleichzeitig könnte der Gütertransport vermehrt von der Strasse aufs Meer verlagert werden, was die stark belasteten Verkehrsachsen der Region entlasten würde.

Auch der Tourismus könnte profitieren: Die Tunneldurchfahrt selbst gilt als Attraktion, zudem wird mit zahlreichen Besucherinnen und Besuchern gerechnet, die Bau und Schiffspassagen beobachten möchten.

Die Idee zum Stad-Skipstunnel existiert seit Jahren. Das norwegische Parlament gab 2017 grünes Licht, doch das Projekt verzögerte sich mehrfach. 2024 wurde der Bau schliesslich ausgeschrieben. Die Küstenbehörde will der Regierung rechtzeitig vor der Budgetrevision im Mai ein finales Angebot vorlegen. Stimmen Finanzierung und politischer Wille, könnte der Bau des ersten Schiffstunnels der Welt bereits 2026 beginnen.

(TN)