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Ohne Trunkenbolde in die Luft — Briten haben genug

Ben West

Touristen aus Grossbritannien haben den Ruf, im Ausland zu tief ins Glas zu schauen. Ganz besonders, wenn sie in den günstigen Küstenorten Spaniens Ferien machen. Jetzt könnte es einigen schon vor dem Abflug an den Kragen gehen.

Der Drang, über die Stränge zu schlagen, scheint sich bei vielen Touristen schon vor der Reise zu manifestieren. Das Problem ist so gross, dass die britische Regierung in Erwägung zieht, betrunkene Passagiere gar nicht mehr an Bord von Flugzeugen zu lassen. Besonders, da in letzter Zeit zahlreiche Notlandungen wegen randalierenden Fluggästen eingeleitet werden mussten.
Einige Airlines mussten ausfällig gewordene Fluggäste sogar mit Sitzgurten und Klebeband ruhig stellen.

Laut einer Statistik der Civil Aviation Authority (CAA) verzeichneten britische Airlines dieses Jahr bereits 156 Zwischenfälle mit betrunkenen Passagieren, deutlich mehr als in den Vorjahren 2014 (114), 2013 (85), 2012 (47) und 2011 (39). Selbst der Bürgermeister von London, Boris Johnson, musste intervenieren, als er im Dezember 2014 auf einem Flug von Malaysia Zeuge wurde, wie ein angetrunkener Mitreisender Flight Attendants verbal und physisch attackierte.

Um die Tumulte in der Luft zu bekämpfen, wurde eigens eine Task Force gegründet, die sich im vergangenen Juli erstmals traf. Sie besteht aus Vertretern der britischen Polizei, der Grenzwache, des Transportdepartements, der CAA sowie der Airlines und Flughäfen. Es ist davon auszugehen, dass die Regierung bald neue Empfehlungen für den Umgang mit randalierenden Passagieren erlässt. Eigene Gesetze sind nicht nötig, da die Flughäfen und Airlines bereits ausreichende Befugnisse haben, um mit renitenten Gästen umzugehen.

Um die Trunkenheit in der Luft zu bekämpfen, könnte man beispielsweise die Anzahl der alkoholischen Getränke limitieren, die während des Flugs ausgeschenkt werden, und betrunkene Passagiere auf eine schwarze Liste setzen. Strengere Regeln könnten zudem intensivere Checks an den Gates veranlassen, um schwierige Fluggäste bereits am Boden zu identifizieren. Auch die Anzahl der Drinks, die jemand in den Bars und Restaurants des Flughafens beziehen darf, könnte reguliert werden. Zudem könnten Flight Attendants, die Alkohol ausschenken, potentielle Randalierer melden.

Die CAA-Akten umfassen Zwischenfälle, in denen die Cabin Crew angegriffen wurde, Handgemenge unter Reisenden, das Rauchen in den Toiletten, das Stehlen von Sicherheitswesten, das Zerstören von Klapptischen sowie Streiten und Fluchen. Zu den jüngsten Vorkommnissen gehören 14 Fälle, in denen Flight Attendants von Passagieren bedroht wurden. Einmal setzte ein Fluggast das Haar seines Sitznachbars in Brand, ein anderer entblösste sich in der Luft, eine betrunkene Frau drohte damit, die Flugzeugfenster einzuschlagen, andere bedienten sich am bordeigenen Alkoholvorrat und ein Passagier drang in das Cockpit ein.