Ferienland Schweiz
5 Wanderungen für Nervenkitzel in sicherer Höhe
Heinz StaffelbachSie sind das Highlight einer Wanderung, der Höhepunkt über dem Tiefpunkt quasi: Hängebrücken. In sicherer Höhe – mal leicht schwankend, mal richtig stabil – geht es über Schluchten und Abgründe, die sonst nur schwer oder gar nicht zu überwinden wären. In den letzten Jahren sind in der Schweiz Dutzende von Hängebrücken installiert worden – über tiefe bewaldete Tobel, über Schluchten unterhalb von Gletschern oder über unwegsame Taleinschnitte. Hier kommen fünf der schönsten Hängebrücken-Abenteuer, ideal eingepackt in eine eindrückliche Wanderung. Also: Mut fassen, rauslaufen und den Nervenkitzel geniessen.
Über acht Brücken darfst du gehn…
Unterhalb von Engelberg haben die Schmelz- und Regenwasser aus dem Titlis-Ruchstock-Gebiet ein drei Kilometer langes Tal mit schluchtartigen Abschnitten aus den Mergeln und Kalksteinen herausgekerbt. Ein Wanderweg – er ist Teil der Via Sbrinz 40 – führt dabei auf der ganzen Länge durch den Einschnitt und überquert die Engelberger Aa nicht weniger als acht mal. Hier liegt der Reiz nicht in einer langen Brücke über einen tiefen Abgrund, sondern im Nacheinander von vielen verschiedenen Brücken, mal eine alte «Römerbrücke» aus Stein, mal eine moderne Hängebrücke. Etwa auf halbem Weg erreicht man eine tolle Grillstelle mit einem Trinkwasserbrunnen. Der Weg ist nirgends schwierig, sodass die Route ideal für Familien ist.
Die Wanderung: Von Engelberg auf der Route 40 Via Sbrinz zur Bahnstation Grafenort. 9 km, 20 m Aufstieg, 450 m Abstieg, ca. 2 ¼ Stunden, Schwierigkeit T2
Info: engelberg.ch
Wichtig: Wegen einem Hochwasserschaden ist der untere Teil der Schlucht zurzeit (Anfang Mai 2026) gesperrt (mit Umleitung). Auf schweizmobil.ch sieht man, ob die Route wieder offen ist.
Mit Blick auf Thunersee und Berner Alpen
Der Panoramarundweg Thunersee ist eine 63 Kilometer lange Wanderung rund um den Thunersee, und damit ist ein tolles Wandererlebnis mit atemberaubenden Aussichten in die Berner Alpen bereits garantiert. Noch spannender wird der Weg, da in den letzten Jahren an drei Orten aufwändige Hängebrücken erbaut wurden, in Sigriswil, Beatenberg und Leissigen. Das Highlight ist dabei die 340 Meter lange Brücke bei Sigriswil.
Hier wandert man auf einem sicheren und kaum wackelnden Weg über die 182 Meter tiefe Gumischlucht. Sie liegt am Schluss der ersten Etappe des Panoramarundweges Thunersee aus der historischen Stadt Thun nach Sigriswil.
Die Wanderung: Von Thun auf der Route 26 nach Sigriswil. 11 km, 640 m Aufstieg, 400 m Abstieg, ca. 3 ¾ Std.. Schwierigkeit T1. Die Überquerung der Brücke kostet Fr. 8.-.
Info: brueckenweg.ch, madeinbern.com
Grand Canyon beim Aletschgletscher
Auf Wanderkarten von 1980 führte noch eine Wanderroute über das Eis des Grossen Aletschgletschers zwischen Belalp und der Rieder Furka. Durch den Gletscherschwund haben sich die Eismassen bis heute um etwa zwei Kilometer zurückgezogen. Hinterlassen haben sie eine schroffe Felslandschaft. 2008 wurde dann eine 124 Meter lange Hängebrücke über die tosenden Wasser der Massa gebaut. Eine Überquerung ist heute eines der Highlights in der Region.
Daneben bietet die Wanderung auch viel Natur. Kurz nach der Hängebrücke liegt rechterhand der idyllische Grünsee. Beim Aufstieg auf die Rieder Furka ist man im kühlen Aletschwald unterwegs, im von Pro Natura geschützten Wald stehen zahlreiche uralte Lärchen und Arven.
Die Wanderung: Von der Bergstation Belalp auf der Route 39 bis zur Rieder Furka und dann hinab zur Bergstation Riederalp West. 11 km, 620 m Aufstieg, 790 m Abstieg, ca. 4 Stunden, Schwierigkeit T2
Info: aletscharena.ch
Gletscherwelt im Unterwallis
Das Massiv des Grand Combin steht etwas im Schatten seiner 4000-er-Kollegen weiter östlich, mit dem Matterhorn und der Mischabel-Gruppe. Das ist auch ein Vorteil, denn so sind hier die Touristenscharen bedeutend kleiner. Und vier 4000-er gibt es alleweil. Am Ende des mächtigen Glacier de Corbassière, der sich vom Grand Combin Richtung Val de Bagnes ergiesst, wurde 2014 eine 190 Meter lange Hängebrücke über das felsige Vorfeld des Gletschers erbaut.
Auch wenn sich der Gletscher zurückgezogen hat, so ist der Blick in die diese hochalpine Welt noch immer äusserst eindrücklich. Die Wanderung vom kleinen Dorf Fionnay hoch zur Brücke und auf der anderen Seite wieder runter ist allerdings recht anstrengend.
Die Wanderung: Von Fionnay via Plan Goli zur Brücke und dann via Cabane Brunet zur Bushaltestelle Lourtier, La Barmasse. 14,4 km, 950 m Aufstieg, 1130 m Abstieg, ca. 6 Stunden, Schwierigkeit T2.
Info: valais.ch
Wie im Himalaja
Die Mehrheit der Tessin-Reisenden hat den Süden des Kantons im Visier: Lugano oder Locarno. Das ist verständlich, mit all den pittoresken Seen und gut erschlossenen Bergen. Es ist aber auch etwas schade, denn im nördlichen Kantonsteil gibt es jede Menge Natur mit stillen Wäldern und kleinen Weilern. Oberhalb von Sementina, in der Nähe von Bellinzona, wurde vor einigen Jahren durch die Stiftung Curzútt – San Barnárd eine 124 Meter lange Hängebrücke über die Schlucht der Sementina erbaut. Ein klein wenig schaukelt die Brücke schon, aber eben: no risk, no fun. Doch die massiven Seile und stabilen Geländer geben einem die nötige Sicherheit.
Und mit den Pfeilern, die auf beiden Seiten im dschungelartigen Wald beinahe verschwinden, fühlt mich sich definitiv wie in Peru oder Nepal.
Die Wanderung: Von Sementina, Via Locarno, auf der Route 628 zür Brücke und wieder hinab nach Sementina. 9 km, je 700 m Auf- und Abstieg, ca. 3 ½ Stunden, Schwierigkeit T2.
Info: mornera.ch, curzutt.ch