Here & There
Schweizer Reisebüros im Herbst-Check: Das ist die aktuelle Lage
Reto SuterDas Bild aus der Umfrage des Schweizer Reise-Verbands (SRV) im Frühsommer war eindeutig: Rund drei Viertel der teilnehmenden Mitglieder meldeten gegenüber dem Vorjahr rückläufige Umsätze.
Der Iran-Krieg und seine Folgen hatten die zuvor erfreulich hohen Buchungszahlen abrupt gebremst. Einerseits drückte die geopolitische Unsicherheit auf die Reiselust. Andererseits verteuerten sich viele Flüge durch die Einschränkungen an den wichtigen Golf-Drehkreuzen und die gestiegenen Kerosinpreise. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen rechnete deshalb auch für die folgenden sechs bis zwölf Monate mit einer rückläufigen Geschäftsentwicklung.
Inzwischen sind einige Monate vergangen. Die Herbstferien stehen vor der Tür, und bei den Reisebüros landen bereits zahlreiche Buchungen für 2027 im System. Hat sich die Lage entspannt? Travelnews hat bei vier Reisebüros in der Deutschschweiz nachgefragt. Die Stimmungslage ist durchaus von Zuversicht geprägt.
Herbstgeschäft läuft – aber nicht überall gleich
Bei Bernhard Reisen in Goldach und Oberriet SG läuft der Herbst erfreulich. «Das Geschäft ist gut angelaufen und entwickelt sich aktuell positiv», sagt Inhaberin Daniela Seiler auf Anfrage. Besonders gefragt seien auf der Langstrecke die Malediven, Südafrika und Thailand. Auf der Mittelstrecke punktet Ägypten, bei den näher gelegenen Zielen sind die Türkei, Mallorca und Griechenland beliebt.
Auch Martin «Tinu» Fiedler von Zentrum Reisen in Mels SG zeigt sich ausgesprochen zufrieden: «Wir sind more than happy, es gibt für den Herbst nichts zu jammerm», sagt er. Überdurchschnittlich gut liefen Ägypten, der Indische Ozean und Mittelmeer-Kreuzfahrten.
Etwas zurückhaltender tönt es bei Travelpoint Müller in Ingenbohl SZ. Zwar seien Anfragen vorhanden, sagt Inhaber Adrian Müller, das Volumen halte sich aber in Grenzen. Kurzfristig gefragt seien vor allem Städtereisen und Europa, während die Langstrecke kaum eine Rolle spiele. «Grundsätzlich haben wir uns für dieses Jahr sicherlich mehr Badeferien-Buchungen erhofft», so Müller.
Christina Wagner vom Travelshop in Basel bewegt sich mit dem Herbstgeschäft ungefähr auf Vorjahresniveau. Für November könnten noch kurzfristige Buchungen hinzukommen, mit einem grossen Schub rechnet sie allerdings nicht mehr.
Vom Absturz bis zur Stabilisierung
Beim Blick auf das gesamte Geschäftsjahr sind die Spuren der Krise unübersehbar. «Das Jahr hat super gestartet und ist mit der Nahostkrise komplett abgestürzt», sagt Adrian Müller. Mittlerweile habe sich das Geschäft etwas erholt. Trotzdem dürfte 2026 für ihn «eher ein Jahr zum Vergessen» werden. Sein Reisebüro liege knapp auf Vorjahreskurs, wobei bereits 2025 nach aussergewöhnlich starken Jahren bescheidener ausgefallen sei.
Ähnlich verlief die Entwicklung bei Bernhard Reisen, allerdings mit optimistischerem Zwischenstand. Nach einem sehr guten Jahresbeginn habe der Krieg im Nahen Osten zu Zurückhaltung und Unsicherheit bei den Kundinnen und Kunden geführt, erklärt Inhaberin Daniela Seiler. «Inzwischen hat sich die Situation wieder stabilisiert, und wir sind wieder auf Kurs.»
Bei Christina Wagner setzte die Flaute zeitverzögert ein. Erst ab Ende Mai sei es im Travelshop deutlich ruhiger geworden. Seit Ende der Schulferien habe das Geschäft wieder merklich angezogen. «Das dürfte allerdings nicht mehr ganz reichen, um an das gute Vorjahr heranzukommen.» Sie rechnet mit einem Jahresergebnis rund zehn Prozent unter 2025.
Für Martin Fiedler, Chef von Zentrum Reisen, ist 2026 «ein ehrliches Jahr», wie er es nennt. Die Reiselust sei ungebrochen, gleichzeitig sei der Aufwand gestiegen: Flüge und Hotels seien teurer, die Margen knapper und die Arbeit pro Dossier grösser. «Wir verkaufen nicht weniger, aber wir müssen mehr dafür tun.»
Vorzeichen für 2027 stimmen zuversichtlich
Der Blick vieler Kundinnen und Kunden reicht bereits weit nach vorne. Bei Travelshop betrifft laut Christina Wagner aktuell jede zweite Buchung das kommende Jahr. Im System stehen unter anderem bereits umfangreiche Dossiers für Reisen nach Namibia, Südafrika und Kambodscha. «Die Leute wollen reisen und werden weiterhin reisen», zeigt sie sich überzeugt.
Auch bei Bernhard Reisen ist die Saison 2027 bereits in vollem Gange. Besonders gefragt seien die Malediven, Südafrika und der Norden. Zentrum Reisen verzeichnet für das kommende Geschäftsjahr eine rege Nachfrage nach Afrika mit Namibia und Tansania, nach Kreuzfahrten sowie individuellen Reisen auf allen Kontinenten.
Bei Travelpoint Müller liegen ebenfalls bereits attraktive Buchungen für 2027 vor, vor allem für Übersee-Reisen und Kreuzfahrten. Eine auffällige Ausnahme bleibt allerdings bestehen: «Für die USA sehen wir weiterhin kaum Nachfrage», so Adrian Müller.
Von einer durchgehenden Buchungsflaute kann Anfang September keine Rede mehr sein. Die massive Delle des Frühlings lässt sich dennoch nicht überall korrigieren: Hohe Preise, knappe Verfügbarkeiten und die Folgen der geopolitischen Unsicherheit belasten das Jahresresultat.
Mut macht vor allem der Blick auf 2027. Dass bereits zahlreiche Fernreisen, Kreuzfahrten und individuelle Rundreisen gebucht werden, spricht für weiterhin grosse Reiselust. Nach einem turbulenten 2026 scheint die entscheidende Frage deshalb weniger zu sein, ob die Schweizerinnen und Schweizer reisen, sondern wann, wohin und zu welchem Preis.