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Mallorcas Klärwerke sind überfordert: Abwasser gelangt teils ungefiltert ins Meer. Bild: Symbolbild/Pixabay.

Ein Bad in Mallorcas Brühe

Rund um die Inselhauptstadt Palma wird in der Hauptsaison an den Stränden oft die rote Fahne gehisst – den schmutzigen Grund dafür kennen die wenigsten Touristen.

Mallorca gehört auch dieses Jahr zu den Top-Sommerferienzielen. Nicht zuletzt wegen seiner vielen schönen Stränden. Das Badevergnügen rund um die Inselhauptstadt Palma ist allerdings getrübt: Fäkalienabwasser schwimmt hier unmittelbar unter der Oberfläche. «Wenn es regnet, öffnen die Stadtwerke die Schleusen und leiten die Abwässer direkt und ungereinigt ins Meer», erzählt Aina Barceló aus Portixol, einem populären Vorort von Palma.

«So etwas ist in Europa verboten», sagt die Mallorquinerin wütend. «Ein Privatunternehmen oder eine Privatperson würden dafür haftbar gemacht werden, hier passiert das einfach so.» Denn die Klärwerke der Baleareninsel sind veraltet und überfordert: Dem durch die Bevölkerung und den Touristenansturm ausgelösten Druck halten sie schon lange nicht mehr Stand.

«Die Verschmutzung des Wassers ist auf den ersten Blick nicht sichtbar, und in der Nebensaison bemerkt es niemand. In der Hauptsaison wird zwar eine rote Fahne gehisst, doch die wenigsten Strandbesucher wissen, warum», sagt die Einheimische.

Neus Truyol leitet die Stadtwerke in Palma. Sie gibt zu, dass die Stadt ein Problem hat. «Jedes Mal, wenn es regnet, sind die Klärwerke überlastet. Sie können nicht all das Regenwasser aufnehmen, und so mischt es sich mit dem Abwasser der Haushalte», erläutert sie. Was dann am Klärwerk ankomme, sei so viel, dass Teile des Abwassers ungefiltert ins Meer geleitet würden.

Kinder spielen zwischen Damenbinden und Spritzen

Während die Fäkalien weitgehend unsichtbar sind, ist es der Müll in der Region nicht. Ein Räumfahrzeug hat ihn von der Promenade an den Strand geschoben. Geflechte aus Feuchttüchern liegen im Sand und mischen sich mit den faserigen Blättern der Posidonia-Pflanze. Dazwischen spielen Kinder umgeben von Damenbinden, Wattestäbchen und Spritzen. Auf einem auf 50 Meter begrenzten Strandabschnitt in El Arenal fanden Schüler in einer Sammelaktion 722 Teilchen Mikroplastik und 700 grössere Plastikstücke sowie unzählige Zigarettenkippen, Wattestäbchen, Flaschen, Tüten, Spielzeug und Sanitärabfälle.

Nicht all der Müll auf Mallorca komme auch aus Mallorca, wendet Stadtwerks-Leiterin Truyol ein: «Viel wird aus anderen Ländern angeschwemmt.» Der Müll stamme von Schiffen oder von der nordafrikanischen Küste, das sei an der arabischen Schrift darauf zu erkennen, sagt sie.

Mit solchen Aussagen gehe sie ihrer Verantwortung aus dem Weg, hält die Tauchervereinigung «Mallorca Blue» dagegen. Eine dreimonatige Feldstudie habe gezeigt, dass der Müll überwiegend aus Mallorca stamme und vom Meer an die Strände zurückgespült werde.

Das derzeit regierende linke Bündnis aus MES und PSOE hat nun immerhin erreicht, dass das zuständige Umweltministerium in Madrid Anfang des Jahres den Bau eines neuen Klärwerks zugesagt hat. Doch das wird Jahre dauern – und wirkt doch nur wie ein Tropfen auf den heissen Stein. Umweltaktivistin Alice Manson fordert Bürger und Touristen auf, sich endlich verantwortlich zu verhalten. «Es liegt nicht allein am Klärwerk, diesen Müll zurückzuhalten, sondern vor allem auch an uns, ihn zu vermeiden.»

(AWP)