Destinationen
Run ins Tessin, nach Venedig, Amsterdam und Barcelona
Die Wettervorhersage deutet auf einen sehr langen Gotthard-Stau hin. In Zürich werden für den Samstag Temperaturen von 13 Grad bei Regen erwartet. In Lugano solls 23 Grad warm werden bei herrlichem Sonnenschein. Wer sich mit dem Auto durch den Gotthard wagen will, sollte früh aufstehen oder bereits heute Mittwoch abreisen, um dem erwarteten Stau auszuweichen. Oder man setzt auf die Bahn: Die SBB etwa wappnen sich für eine nie dagewesene Auslastung von der Deutschschweiz ins Tessin.
Auch europäische Städte sind sehr gefragt. London ist diese Ostern bei den Reiseanbietern Hotelplan Suisse und TUI Suisse die beliebteste Städtedestination. Die Ereignisse in London und Stockholm hätten die Buchungslust glücklicherweise nicht gebremst, sagt Marcel Schlatter, Sprecher von Kuoni Reisen. Letztes Jahr dagegen hätten sich die Anschläge in Paris und Brüssel noch negativ ausgewirkt.
Nach regelrechten Einbrüchen bei TGV-Verbindungen nach Paris letztes Jahr liegt gemäss der TGV-Betreibergesellschaft Lyria der Reservations-Stand vor Ostern 10 bis 15 Prozent über Vorjahr. Besonders stark sei die Nachfrage für die Strecke Genf-Paris, aber auch Zürich- und Basel-Paris legten zu.
Venedig, Wien, Barcelona, Amsterdam
Anhaltende Buchungsrückgänge verzeichnen die Reiseanbieter Hotelplan Suisse und Kuoni einzig für Istanbul. Die Swiss hatte die Destination Istanbul im Winterflugplan 2016/17 gestrichen. Eine Wiederaufnahme ist gemäss Swiss-Sprecherin, Meike Fuhlrott, im zweiten Halbjahr 2017 nicht geplant. Sehr begehrt hingegen sind bei allen Anbietern Reisen in andere europäische Städte. Hotelplan Suisse erlebt ein zweistelliges Wachstum gegenüber Vorjahr und Kuoni gar ein «Plus im hohen zweistelligen Prozentbereich». Beliebte Destinationen sind etwa Venedig, Wien, Barcelona, Amsterdam, Lissabon und Paris. Auch Dubai und New York sind hoch im Kurs. Die Airline Swiss nennt Barcelona, Madrid, London und Berlin als Topdestinationen an Ostern.
Weil die Ostern dieses Jahr sehr spät sind, locken die südeuropäischen Badedestinationen bereits wieder. Klares Wachstum verzeichnen laut Hotelplan Griechenland, Spanien und Zypern. Gut gebucht bei TUI Suisse sind die spanischen Inseln Mallorca, Gran Canaria und Fuerteventura. Stornierungen habe es bisher nach den Anschlägen weder für London, Stockholm, noch für Ägypten gegeben, sagt Hotelplan-Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir. «Nachdem es bereits letztes Jahr etliche Terroranschläge gegeben hat, sind die Auswirkungen auf das Buchungsverhalten eher gering – der Mensch vergisst sehr schnell, sofern Touristen nicht direkt betroffen sind.»
Tessin profitiert vom Neat-Effekt
In der Schweiz befinden sich die Gewinnerdestinationen der Oster-Feiertage im Tessin. Viele hätten die Ski-Saison gedanklich beendet und suchten das Frühlingserlebnis, sagt Michael Maeder, Geschäftsleiter von Switzerland Travel Centre. Das Buchungsplus im Tessin sei auch auf die schnellere Erreichbarkeit mit dem Zug zurückzuführen. Der Neat-Effekt und die späten Ostern versetzen den Direktor der Hotellerie Ticino, Lorenzo Pianezzi, geradezu in Jubelstimmung: «Wir haben 50% mehr Buchungen über Ostern als in den Vorjahren.» Zudem beobachtet er, wie auch die grossen Reiseanbieter, dass heuer sehr früh gebucht werde. Frühe Ferienentscheide statt Kurzfristverhalten sind im Trend.
Die SBB sind sich eines Grossandrangs gewiss und setzen für die Reise in den Süden 28 Extrazüge mit 46'000 Plätzen ein – letzte Ostern waren es nur 24'000 Plätze. «Im Spitzenverkehr zu Ostern 2017 erwarten wir am Gotthard eine noch nie dagewesene Auslastung der Personenzüge», sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig. Entgegen anders lautenden Gerüchten seien Sitzplatzreservationen, die sehr empfohlen seien, in den Extrazügen immer noch möglich. Für Velos seien die Reservationsplätze auf der Nord-Südstrecke allerdings begrenzt. Mit sehr starker Besetzung rechnen die SBB vor allem am Gründonnerstag und Karfreitag sowie Ostermontag. Bereits in den ersten 57 Betriebstagen des Gotthard-Basistunnels ist die Nachfrage im Intercity- und Eurocityverkehr um rund 30% gestiegen. Ticino-Turismo-Sprecherin Laura Gugelmann sagt: «Wir hoffen, dass die kürzere Anreise für viele in diesen Tagen ein Argument für einen Aufenthalt im Tessin ist.»