Destinationen
«Es wäre fahrlässig von uns, das nicht sorgfältig zu prüfen»
Reto SuterEs ist ein Paukenschlag, der in der Schweizer Reisebranche nachhallt: Mit dem angekündigten Rücktritt von Präsident Heinz Zimmermann Ende 2026 verschwindet das gesamte Visit USA Committee Switzerland von der Bühne. Der komplette Vorstand zieht sich zurück. Das Komitee wird 42 Jahre nach seiner Gründung aufgelöst.
Der letzte Auftritt des Gremiums wirkt rückblickend wie ein leiser Abgang: Das «Visit USA Island Hopping» im Februar 2026 blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück. Dass der Event gleich der Schlusspunkt einer langen Erfolgsgeschichte sein würde, ahnte damals jedoch kaum jemand. Entsprechend gross ist nun das Echo in der Branche.
«Obwohl uns die bestehenden Herausforderungen bekannt waren und die Gründe für den Entscheid nachvollziehbar sind, kam das Aus dennoch einigermassen überraschend, sagt Andrea Beffa, Geschäftsführerin des Schweizer Reise-Verbands (SRV), gegenüber Travelnews.
Sie war zwischen 2018 und 2023, als sie bei TUI Suisse den Sales-Bereich verantwortete, selbst Komitee-Mitglied. «Persönlich bedauere ich das Ende des Visit USA Committee Switzerland sehr», so Beffa.
Auch Stephan Amstad, Messeleiter der Fespo, zeigt sich überrascht: «Die Formate des Komitees bestanden über viele Jahre hinweg, waren fest in der Branche verankert und haben sich als wichtige Plattformen für den Austausch und die Promotion der USA als Reisedestination etabliert.» Dass diese Institution nun so plötzlich verschwinde, sei deshalb sehr erstaunlich.
Grosse Lücke und schwindende Präsenz
SRV-Geschäftsführerin Andrea Beffa betont, dass insbesondere unabhängige Reisebüros mit dem Wegfall des Visit-USA-Seminars eine wertvolle, branchenübergreifende und neutrale Plattform verlieren. Innerhalb eines einzigen Tages habe man sich dort kompakt über eine der wichtigsten Destinationen informieren können.
«Für Reiseveranstalter dürfte der Verlust etwas weniger stark ins Gewicht fallen, da in den vergangenen Jahren eine gewisse Tendenz hin zu eigenen Plattformen, individuellen Veranstaltungen und stärkerer Differenzierung zu beobachten war», so Beffa. Aus Sicht des Verbands sei es erstrebenswert, künftig wieder stärker gemeinsame Projekte zu fördern und Kräfte zu bündeln.
In eine ähnliche Richtung argumentiert auch Stephan Amstad. «Jede Weiterbildung ist für den Nachwuchs, aber auch für Reisebüro-Profis, die schon länger dabei sind, sehr wichtig», sagt er.
Gleichzeitig warnt er vor entstehenden Wissenslücken und dem Verlust qualitativ hochwertiger Informationen zu Destinationen.
Als Gründe für das Ende des Gremiums nennt Beffa vor allem strukturelle Veränderungen: Es sei zunehmend schwieriger geworden, genügend Teilnehmerinnen und Teilnehmer für zentrale Branchen-Events zu gewinnen.
Zudem habe sich die Finanzierung erschwert, da Marketingbudgets stärker fragmentiert und vermehrt in individuelle Projekte umgeleitet worden seien.
Amstad führt das Aus des Gremiums nicht allein auf strukturelle Veränderungen zurück. Vielmehr sieht er dahinter auch ein grundsätzlich nachlassendes Engagement der USA im Schweizer Markt. Er kritisiert seit Längerem die schwache Präsenz der Vereinigten Staaten an den Schweizer Ferienmessen.
«Die Auftritte sind sehr dürftig und stehen in keinem Verhältnis zur traditionell hohen Nachfrage des Publikums. Das ist für uns immer ein Wermutstropfen und ein inhaltlich spürbares Vakuum.»
Neue Strukturen – aber offene Fragen zur Wirkung
Ab dem 1. Januar 2027 gehen die zentralen Aufgaben des Visit USA Committee Switzerland in eine neue Struktur über. Teile der bisherigen Aktivitäten werden in Visit USA Germany integriert, insbesondere im digitalen Bereich und in der Medienarbeit.
Auch der Wissenstransfer innerhalb der Branche soll weiterhin sichergestellt werden, etwa durch Newsletter, Networking und gezielte Informationsangebote für Reiseprofis. Bei den Events und Weiterbildungsplattformen sollen die Schweizer Reiseveranstalter mit USA-Know-how in die Bresche springen – gemeinsam mit US-Partnern.
SRV-Geschäftsführerin Andrea Beffa dämpft die Erwartungen an mögliche Nachfolgeformate. «Zwar zeigen viele Destinationen und Regionen grundsätzlich Interesse an Auftritten für den gesamten deutschsprachigen Raum. Doch ohne eine zentrale, treibende Kraft in der Schweiz dürfte dies kaum dieselbe Wirkung entfalten», erklärt sie.
Fespo-Chef Stephan Amstad denkt derweil darüber nach, eine USA-Plattform in die Ferienmesse zu integrieren. «Es wäre fahrlässig von uns, das nicht sorgfältig zu prüfen und strategisch abzuwägen», sagt er. Für die Bernexpo als Messeveranstalterin sei klar, dass hier ein Potenzial bestehe, das es ernsthaft zu analysieren gelte.
Man darf gespannt sein, ob es gelingt, die Kräfte neu zu bündeln, um dem USA-Geschäft in der Schweiz wieder mehr Sichtbarkeit zu verleihen.