Future
Reiseprofis tüfteln an der Zukunft der Branche
Der Schweizer Reise-Verband (SRV) hatte Mitte April erstmals zu einem so genannten Think Tank eingeladen. Damals tauschten sich Vertreterinnen und Vertreter aus der Branche über die Frage aus, welche Fähigkeiten die Reisebranche künftig braucht.
Nun folgte in Zürich-Wollishofen bereits die zweite Ausgabe – mit einem Thema, das vielen Unternehmen unter den Nägeln brennt: Wie kann sich die Reisebranche attraktiver im Arbeitsmarkt positionieren? 21 Reiseprofis trafen sich am Dienstag (19. Mai 2026) auf der SRV-Geschäftsstelle, um gemeinsam neue Ideen und Ansätze rund um diese Thematik zu erarbeiten.
Moderiert wurde der Workshop von Sophie Renevey und Beatriz Margadant von Travel Job Market, der führenden Personalberatung in der Schweizer Tourismusbranche. Ziel war es nicht nur, Probleme zu benennen, sondern konkrete Massnahmen zu entwickeln. «Alle Teilnehmenden sollten mit einem Aha-Erlebnis aus dem Workshop rausgehen», sagt Renevey.
Den Einstieg machten Caroline Bleiker vom Globetrotter Travel Service, Sabrina Hasler von Nature Tours, Sara Bertagno von Eurotrek und Madelaine Krüsi von Island Tours. Sie erklärten, worauf sie achten, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Dabei ging es unter anderem um Flexibilität, Unternehmenskultur und Entwicklungsmöglichkeiten.
Rollenspiele statt Frontalunterricht
Danach wurde es interaktiv. Die Anwesenden teilten sich in drei Gruppen auf: Eine beschäftigte sich mit möglichen Hebeln für den SRV selbst, eine mit Massnahmen auf Unternehmensebene und eine dritte mit dem Austausch innerhalb der Branche.
Die Teilnehmenden schlüpften dabei in unterschiedliche Rollen – etwa jene einer langjährigen Reisebüro-Inhaberin, eines Lehrabgängers oder einer jungen Quereinsteigerin. «Das lockerte das Ganze auf», sagt Renevey. Gleichzeitig habe es geholfen, verschiedene Perspektiven besser zu verstehen. Bereits im Vorfeld hatten alle Beteiligten eine Umfrage ausgefüllt und sich mit der Thematik auseinandergesetzt.
Aus den Diskussionen entstanden mehrere konkrete Ansätze. So wurde etwa die Idee eines gemeinsamen Lernenden-Pools diskutiert, damit Auszubildende innerhalb der Branche rotieren und unterschiedliche Unternehmen kennenlernen können. Ebenfalls im Raum standen eine gemeinsame Imagekampagne für die Reisebranche und eine Plattform für den Wissensaustausch.
Auch physische Treffen für Mitarbeitende ohne Kaderfunktion wurden angeregt, damit sich jüngere Reiseprofis stärker einbringen können. Die Teilnehmenden hielten ihre persönlichen Ideen zudem auf Papier fest. Diese sollen sie in einigen Wochen nochmals per Post zugeschickt bekommen – als Erinnerung und Motivation zur Umsetzung.
SRV-Geschäftsführerin Andrea Beffa zog ein positives Fazit: «Ich empfand den Nachmittag als sehr bereichernd. Man merkt, dass die Branche mitreden will», sagt sie gegenüber Travelnews.
Besonders gross sei der Bedarf nach mehr Austausch untereinander – etwa zu passenden Softwarelösungen. Für den SRV selbst habe der Event ebenfalls einen beachtlichen Mehrwert gebracht: «Es wurden konkrete Massnahmen definiert, an deren Umsetzung wir uns nun machen können.»
Der nächste Think Tank des SRV ist bereits geplant. Er soll im September 2026 in der Romandie stattfinden.