Trips & Travellers
Valencia abseits der Klassiker
Valencia gehört längst zu den angesagtesten Reisezielen Europas. Wer glaubt, die Stadt auf Paella, Strand und ein paar Sehenswürdigkeiten reduzieren zu können, liegt komplett falsch. Mit seinem neuen Buch «111 Orte in und um Valencia, die man gesehen haben muss» lädt Autor Daniel Izquierdo-Hänni dazu ein, die Mittelmeermetropole abseits der bekannten Pfade zu entdecken.
Persönliche Geschichten und verborgene Orte
Für Izquierdo-Hänni ist das Buch weit mehr als ein klassischer Reiseführer. Er habe lange den Dunont-Direkt-Reiseführer betreut, sagt er. Solche Formate hätten es heute aber schwer. Die «111 Orte»-Reihe sei anders angelegt: eine Sammlung persönlich gefärbter Beobachtungen, Anekdoten und Kurzgeschichten.
Sein Zugang ist dabei auch ein sehr persönlicher. «Ich lebe nun seit über 20 Jahren in der Geburtsstadt meines Vaters und hatte Lust, meine Wahlheimat neu zu betrachten», so der Autor. Entstanden ist ein Buch, das nicht nur Orte zeigt, sondern auch Geschichten erzählt – von der eigenen Grossmutter bis zu Begegnungen mit Menschen, die selbst viele Einheimische kaum kennen.
So gehören für ihn nicht nur Sehenswürdigkeiten zu den Highlights, sondern auch unerwartete Entdeckungen im Alltag. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm Orte, «an denen ich achtlos vorbeispaziert bin, bis ich mal stehen geblieben bin und mit den Menschen dort gesprochen habe».
Mehr als Sonne und Paella
Gerade darin sieht der Autor auch den Schlüssel zu einem authentischen Reise-Erlebnis – und zugleich die grösste Schwäche bestimmter Besucherinnen und Besucher. «Sich nicht auf die Stadt und ihre Eigenheiten einlassen», nennt er als häufigsten Fehler. Reisen bedeute für ihn, Land, Leute und ihre Lebensart kennenzulernen und nicht einfach, im Fall von Spanien, die Sonne zu suchen.
Gleichzeitig blickt Izquierdo-Hänni auch kritisch auf die Entwicklung Valencias. Seit der Pandemie erlebe die Stadt einen ähnlichen Boom wie Barcelona, mit spürbaren Folgen. Das Zentrum werde zunehmend zur Kulisse für Touristinnen und Touristen, während Authentizität verloren gehe. Er räumt ein, dass auch Reiseführer dazu beitragen können, und überlegt sich deshalb genau, welche Orte er überhaupt preisgibt.
Seine Einschätzung ist klar: Die ursprüngliche Atmosphäre lasse sich langfristig nur bewahren, wenn bewusst gegengesteuert wird. Ohne entsprechende Massnahmen drohe Valencia, einen Teil seines besonderen Charmes einzubüssen. Gerade deshalb kommt das Buch zur richtigen Zeit – als Einladung, genauer hinzusehen und eine Stadt zu entdecken, die weit mehr ist als ihr touristisches Klischee.