Trips & Travellers

Feriencarrier Edelweiss sorgt mit sehr hohen Business-Class-Preisen für Irritation bei Schweizer Reisebüros. Bild: EDW

Einwurf Realitätsverlust bei Edelweiss?

Martin Fiedler

Über 10'000 Franken für ein Business-Class-Ticket nach Malé? Reiseprofi Martin «Tinu» Fiedler findet in einem offenen Brief deutliche Worte zur aktuellen Preispolitik der Edelweiss Air. Er warnt davor, dass die Fluggesellschaft durch massive Preissteigerungen nicht nur die Verhältnismässigkeit verliert, sondern auch das Vertrauen ihrer langjährigen Reisebüro-Partner aufs Spiel setzt.

Liebe Edelweiss

Es gibt Momente in der Reisebranche, in denen man sich fragt, ob gewisse Airlines den Bezug zur Realität verloren haben. Ihr aktuelles Preisniveau für Business-Class-Flüge von Zürich nach Malé – 10’620 Franken pro Ticket – gehört definitiv in diese Kategorie.

Wir sprechen hier nicht von einer marginalen Anpassung, nicht von einer moderaten Preiserhöhung, nicht einmal von einem nachvollziehbaren Aufschlag aufgrund geopolitischer Lage. Nein: Sie verlangen mehr als das Doppelte dessen, was vor dem Konflikt im Nahen Osten üblich war. Und das wirft Fragen auf.

Wie rechtfertigt eine Ferienfluggesellschaft einen Preis, der mittlerweile in Regionen vordringt, die selbst Premium-Langstreckenanbieter selten erreichen? Wie passt diese Preisgestaltung zu Ihrem öffentlichen Anspruch, «Ferien für alle» zugänglich zu machen? Und wie erklären Sie Ihren langjährigen Partnern in der Reisebranche, dass dieselbe Strecke, dieselbe Kabine, derselbe Service plötzlich einen Preis hat, der in keinem Verhältnis mehr zu Markt, Produkt oder Realität steht?

«Irgendwann kippt der Punkt, an dem man von 'Marktmechanismen' sprechen kann.»

Die Branche ist nicht blind. Wir sehen die Auslastungen. Wir kennen die Yield-Strategien. Wir wissen, dass Krisen gerne als Vorwand genutzt werden, um Preisniveaus dauerhaft nach oben zu verschieben. Aber irgendwann kippt der Punkt, an dem man von «Marktmechanismen» sprechen kann – und genau dort sind wir jetzt.

Was Sie aktuell praktizieren, ist kein Premiumpricing. Es ist Abschöpfung. Und zwar auf dem Rücken jener Partner, die Ihre Flugzeuge seit Jahren füllen, Ihre Produkte verkaufen und Ihre Marke tragen. Die Reisebranche ist bereit, für Qualität zu bezahlen. Aber sie ist nicht bereit, jegliche Verhältnismässigkeit über Bord zu werfen.

Wir erwarten Transparenz. Wir erwarten eine Erklärung. Und wir erwarten, dass Edelweiss Air sich wieder daran erinnert, dass eine nachhaltige Partnerschaft nicht auf kurzfristiger Gewinnmaximierung basiert, sondern auf Fairness, Vertrauen und Respekt.