Trips & Travellers

Der Moierhof liegt 800 Meter vom Chiemsee entfernt und ist für Familienferien sehr beliebt. Bild: Moierhof

Hofferien mit Komfort: Sauna überm Saustall

Christian Haas

Bauernhofferien gehen auch komfortabel. Immer mehr Höfe im Alpenraum bieten Vier- oder Fünfsternewohnungen an, manche sogar Wellnessangebote. Das spricht nicht zuletzt eine neue Zielgruppe an: Paare ohne Kinder! 

Eine XXL-Flotte von Gokarts – sogar mit Mini-Wohnwagen – zählt ebenso zu den Highlights des Moierhofs wie Spielplätze aller Art und ein separates Tierhaus. In dem können die Sprösslinge viel Zeit mit Eseln, Ziegen, Hasen und Co. verbringen und eine Etage höher sogar die Nacht. Im Heu.

Der bereits sieben Mal zum «Ferienhof des Jahres» gewählte Hof bei Truchtlaching im oberbayerischen Chiemgau bietet unzählige Abenteuermöglichkeiten – und das in grandioser Alleinlage ohne Strassengefahr, dafür mit Blick auf die nahen Berge und mit Familienanschluss. Dazu muss man wissen: Die Untermayers sind aus ganzem Herzen Gastgeber. Der vor einigen Jahren hinzugekommene, moderne Glasanbau der für alle Gäste jederzeit zugänglichen Wohnküche steht sinnbildlich für die Offenheit von Matthias und Susi, die den 1879 erbauten Hof in mittlerweile fünfter Generation betreiben.

Zuschauen, mitmachen, ausreiten

Aber die beiden sind nicht nur Vermieter von zwölf Ferienwohnungen, zwei Zimmern und einem Appartement, sondern auch Besitzer von 65 Milchkühen und anderem Vieh. Ein normaler Tag? Kalbsgeburt frühmorgens, mittags Reparaturen im Pferdestall, nachmittags raus aufs Feld. Dabei sind alle Gäste, ob Gross oder Klein, herzlich zum Zuschauen, Mitmachen, Ausreiten eingeladen. Abends wird mitunter und munter für alle aufgegrillt. Während sich die Eltern zuprosten, vergnügen sich die Kleinkinder im Sandkasten und die Jugendlichen am Billardtisch.

«Wir wollen hier keine Animation wie im Kinderhotel, etwa dass einer im Hasenkostüm umeinanderläuft, um die Kinder zu bespassen», sagt Matthias Untermayer. Diese Authentizität schätzen die Gäste. Susi Untermayer ergänzt: «Wir haben Urlauber, die kommen schon seit über 20 Jahren, damals als kleine Stopsln, heute mit eigenen Kindern.»

Viele Stammgäste plus jede Menge neue Anfragen: Da können es sich die Untermayers leisten, die Unterkünfte zwischen April und November nicht unter sieben Tagen zu vermieten. Wobei er anmerkt: «Ab und an gibt es auch Lücken, in denen spontane Gäste auch mal kürzer buchen können. In der staden Zeit sowieso.» Damit ist nicht nur die Zeit vor Weihnachten gemeint, sondern auch vor Ostern. Wie viele andere Höfe kann der Moierhof rund ums Jahr besucht werden.

Riesenwanne, eigene Sauna

Bei einer solchen Nachfrage gäbe es aus Anbietersicht nichts ändern, möchte man meinen. Die Untermayers aber meinten, mehr tun zu müssen als die üblichen Schönheitsreparaturen. Also investierten sie in den vergangenen Jahren massiv in umfassende Renovierungen und hoben einen Gutteil der Unterkünfte gleich auf ein ganz neues Level: das der Luxus-Ferienwohnungen. So wie die zur High-End-Bleibe aufgewertete «Eule». Die fünf Sterne leuchten schnell ein. Zum einen der Platz: 78 Quadratmeter für zwei Schlafzimmer, Bad, Küche und den grosszügigen Ess-Wohnbereich – da kommen vier Personen geschmeidig unter. Und können zudem auch noch auf den XL-Balkon ausweichen.

Dann die Qualität: Stichwort Top-Küchenausstattung von WMF, hochwertige und regionale Materialen bei Stoffen und Böden, ansprechendes Beleuchtungssystem. Das Beste aber: Es gibt, wie auch in der ebenfalls mit fünf Sternen ausgezeichneten Wohnung namens «Storch», eine eigene Sauna. Und eine Riesenwanne, die mitten im Bad vor einem zwei Meter hohen Seebild steht. Wasser, marsch!

Derartige Wohlfühlangebote weiss man nicht nur bei kaltem Winterwetter zu schätzen, sondern auch wenn einem der Trubel der eigenen oder fremden Kinder gerade zu viel ist. «Wer will, findet bei uns fetzige Gaudi oder die absolute Ruhe», fasst Matthias Untermayer zusammen. Und meint damit auch das neuerliche Angebot eines Frühstückskorbes. Tags zuvor bestellt, am Morgen samt Zeitung und frischem Kaffee dezent abgeholt. So lassen sich Semmeln, selbstgebackener Kuchen und Eier im Privaten verspeisen, bei Belieben auch im Pyjama. Kein Druck, zu einer bestimmten Zeit im Frühstückraum aufzutauchen. Kein Hygienestress. Kein Geschrei am Nachbartisch.

Kitsch-Alarm!

Als garantiert kreischfreier Aufenthaltsort bietet sich zudem der ausgebaute Weinkeller an, in dem Bacchus-Anhänger durchaus länger an einem gemütlichen Tisch verweilen. Geschichtsfreunde hingegen finden im fussläufig entfernten rekonstruierten Keltengehöft vier Blockhäuser, teils mit Stroh gedeckt, teils mit Schindeln. Und Romantiker kommen am Untermayerschen Hausufer an der Alz, die sich gemächlich aus dem Chiemsee ergiesst, aus dem Seufzen gar nicht mehr raus. Kitsch-Alarm! Hier geniesst man Ruhe und Bergpanorama, beides herrlich. Kurz: Es wird einem auch ohne Kinder garantiert nicht langweilig.

Der Bauernhof als Pärchenbude, als Landhotel für «Dinks» (Doppeltes Einkommen, keine Kinder)? Soweit geht es dann doch nicht. Denn Familien mit kleineren Kindern sind nach wie vor die Hauptzielgruppe. Man muss schon mit dem Gewusel und dem Kinderkram zurechtkommen, ebenso mit dem Wechsel zwischen strengem Stallgeruch und angenehmen Badduft. Trotz Komfort auf Hotelniveau bleibt der Charme des bodenständigen Bauernhofs erhalten. Wir wollen nicht alle Zimmer so aufhübschen, sondern für jeden Geldbeutel etwas bieten», meint Matthias. Und meint damit eben auch die etwas praller gefüllten. Für die schicken Wohnungen werden schliesslich auch 300 Franken aufwärts fällig – pro Nacht.

Hopfenmassage und Almbadl

Ein Einzelfall? Mittlerweile bieten 572 von 1400 Betrieben des Blauen Gockels, der 1991 unter dem Namen Landesverband Bauernhof und Landurlaub Bayern e.V. gegründet wurde, entsprechend höherwertige Unterkünfte an. Dazu zählt auch der gar nicht weit entfernte Huberhof in Ollerding bei Tittmoning. Seit über 30 Jahren vermietet der vollbewirtschaftete Bio-Hof im Chiemgau Ferienwohnungen. Neun sind es heutzutage, ferner können Gäste in Chalets nächtigen oder auf der Wiese nebenan campen. Und auf so einem idyllisch am Waldrand gelegenen Grundstück darf eines nicht fehlen: ein ganzjährig benutzbarer Pool zum Baden. Im Winter hat er wohlige 32 Grad. Und außerdem gibt es ja noch den Wellnessbereich samt Sauna und Ruhezone.

Das Thema Wellness gewinnt ohnehin zunehmend an Bedeutung auf etlichen Höfen – und spricht freilich per se eher Erwachsene ohne (kleine) Kinder an. Im Angebot finden sich auch Exoten wie Hopfenmassagen, Almbadl mit Milch und Blütendüften und Heusaunas. Kinder wie Eltern freuen sich hingegen über die Errungenschaften der Oberpfälzer Familie Fuhrmann. Mit viel Eigenleistung haben die beiden Gastgeber des Heindlhofs in Neualbenreuth im Garten einen 30 Grad warmen Swimmingpool angelegt, mit Meersalzwasser! Das freut nicht nur Chlor-Allergiker, das gesamte Haus wurde komplett für Allergiker ausgerüstet. Plus: Zum Frühstück werden hausgemachte Marmelade, Bio-Brot und Smoothies mit Heilkräutern aus dem eigenen Garten aufgetischt. Ach ja, Hatha-Yoga und Detox-Tage stehen ebenfalls auf dem Programm des ungewöhnlichen Landhofs und beweisen eindrücklich die weite Palette der Blauen Gockel-Betriebe.

Auch der von Norbert Bechteler, das Baumhaushotel Allgäu, zählt dazu. Der Allgäuer hat eine Frau, drei Söhne, 80 Kühe – und seit Ende 2019 sechs Baumhäuser. Vier davon hängen an fetten Stahlseilen inmitten mächtiger Buchen, zwei stehen wie überdimensionale Ostereier mitten auf der Wiese. Plus: Vom Doppelbett der Landeier-Luxuskuppel aus lassen sich nachts die Sterne über dem Kemptner Wald zählen. Wer die Sterne des Bechtelerschen Ferienhofs samt Sauna und Grillhütte zählen will: Es sind fünf.

Bayern, Südtirol, Schweiz, Österreich

Das Luxuslandleben auf Zeit ist freilich nicht auf Bayern begrenzt. Auch in Südtirol, der Schweiz und in Österreich gibt es Beispiele. Eines davon: das im Zillertaler Gerlos auf rund 1250 Meter Höhe gelegene Farm Resort Geislerhof. Der seit dem 17. Jahrhundert bestehende Hof, auf dem immer noch Landwirtschaft betrieben wird, bietet seinen Gästen einen Mix aus traditionellem Bauernhofleben und modernem Komfort. Schliesslich hat sich hier einiges getan in den letzten fünf Jahren, vor allem die privaten XXL-Luxus-Chalets sind eine Schau.

Was hier noch dazukommt: Sohn Benedikt, seines Zeichens gelernter Koch, betreibt etwa das feine Restaurant Erbhofa, wo er die traditionellen Rezepte von Oma Thresie neu interpretiert. Die gemütlichen Chalets sind mit viel Holz und Liebe zum Detail eingerichtet. Im Garten der Chalets steht eine Badewanne aus italienischem Stein, die zur Erfrischung nach dem Saunagang einlädt. Täglich werden die Gäste mit Brötchen und frischem Kaminholz versorgt – ideal, wenn man sich nach dem Wintersport wieder in die heimelige Bude zurückkehrt.

Weitere Informationen: www.moierhof.de, www.huber-hof.de, www.heindlhof.de, www.baumhaushotel-allgaeu.de, www.blauergockel.de, www.farmresort.at, www.myswitzerland.com, www.roterhahn.it