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Bekannt für sein kreatives Wirken: Willi Gyger, der Erfinder der Ferienmessen, konzentriert sich heute auf den Pflegebereich. Bild: TN

Was macht eigentlich Willi Gyger?

Von Gregor Waser

Der Erfinder der Fespo und der TV-Wetterbilder hat heute nur noch am Rand mit Tourismus zu tun. Gyger hat ein neues Betätigungsfeld gefunden.

Am 5. November feiert Willi Gyger seinen 73. Geburtstag und gleichentags reist er ab nach Burma. Denn seine Familienstiftung Evista finanziert und betreibt in Thandwe ein Alters- und Pflegezentrum für die ärmste Bevölkerung, ein solches entsteht auch in Moçambique. Neben diesen sozialen Engagements der Familienstiftung betreibt Gygers Unternehmen Solviva mehrere Pflegezentren und -heime in der Schweiz.

Wie der einstige Werbeberater und Werber im Schweizer Tourismus sein neues Betätigungsfeld fand, erläuterte er neulich im Gespräch mit travelnews.ch. In Zofingen AG aufgewachsen, habe er sich gleich in vier Berufen ausbilden lassen: zum Schriftsetzer, Kaufmann, Werbeassistenten und Kommunikationsleiter. Dazu eignete sich Gyger autodidaktisch schon früh vertiefte EDV-Kenntnisse an. 1975 mit 3000 Franken gründete er seine eigene Firma Wigra. «Werbeflächen in Seilbahn-Kabinen garantieren höchste Kontaktchancen und wiederholte Kontaktzeiten», lautete damals seine Devise, mit der er bald bei Schweizer Bergbahnen punkten konnte.

Sein damals neuartiges Abrechnungsmodell: die Werbekunden bezahlten abhängig von den Gästefrequenzen einen variablen Betrag für die Werbung in den Kabinen. Was den Bergbahnen ebenfalls gefiel: da war einer, der nicht nur beraten konnte, sondern gleich auch die Standardwerbemittel zu guten Preisen kreieren und beschaffen konnte – dank seiner beruflichen Vielseitigkeit.

Die Fespo kam schnell gut an

In den Folgejahren konnte die Wigra auch Werbeflächen auf Golfplätzen und Tennisanlagen europaweit besetzen. Später kamen Werbeflächen in Zügen der SBB, RhB und Turbo hinzu. Und Gyger war es dann auch, der die Idee von Webcams auf Bergstationen mit neuer Technik bezahlbar machte und diese Topin-Wetterbilder ins TV und Internet brachte.

1991 versuchte sich der umtriebige und kreative Aargauer dann mit seinem wohl grössten Projekt. Er rief die Publikums- und Fachmesse Fespo in Zürich ins Leben. «Wir starteten nebst Tourismus mit einem relativ grossen Anteil an Ausstellern aus dem Bereich Sport, mit der Überlegung, dass in den Ferien schliesslich viel Sport getrieben wird», blickt Willi Gyger zurück. Die Fespo, die damals noch von Donnerstag bis Montag dauerte, sei beim Publikum und den Ausstellern schnell gut angekommen. Die letzten Wochen vor dem Fespo-Start seien aber hart gewesen, «da habe ich wöchentlich über 100 Stunden gearbeitet. Wäre die Fespo ein Fiasko geworden, der Privatkonkurs wäre unausweichlich gewesen.»

Soweit kam es nicht. In den folgenden 12 Jahren gründete oder erwarb er 20 weitere Messen. Darunter die Berner Ferienmesse, auch jene in Basel und Genf, sowie regionale Messen wie AMA Aargau, Wintimäss oder die Fachmesse Zagg in Luzern. 2014 erhielt Willi Gyger für sein kreatives Wirken den Expo-Event Lifetime-Award als erster Messemacher.

Die Neuorientierung

Ende 2009 erlitt Gyger nach einem unverschuldeten Auto-Unfall ein Schleudertrauma, das ihn ein ganzes Jahr ausser Gefecht setzte. «Schmerzen oder Nachwehen habe ich heute nicht mehr», sagt er. Doch in jenem Jahr habe er nur minimal arbeiten können und habe sich neu orientiert. Ein Schritt dabei: er verkaufte die vier Ferien- und zwei Immobilien-Messen an die Bernexpo Group. Gyger war zu jener Zeit schon beteiligt an einer Firma für alternative Energie. Ein früherer Präsident hatte ein Pflegeheim in Thun in die Firma miteingebracht. Als Gyger Ende 2010 zum Mehrheitsaktionär avancierte, konzentrierte er sich auf diese Solviva Gruppe, die sich auf Gesundheit, Pflege, Betreuung und Wohnen ausrichtet. Gleichzeitig kehrte sein Sohn Christian von einem längeren Australien-Aufenthalt zurück und dieser übernahm die operative Führung der Wigra, die heute auch nach den teilweisen Verkäufen noch 14 Messen und Events im Portfolio hat, darunter die SuisseEmex.

Mit der Solviva Gruppe ist Willi Gyger derzeit stark am Wachsen. Bereits heute besitzt die Gruppe das Pflegeheim Berntor in Thun, das Pflegeheim Rialto in Leissigen, Schärme Seftigen, Sunneguet Seftigen, Sunneboge Kirchberg-Alchenflüh und die Sunnepark Grenchen AG. Sieben Bauprojekte sind in der Pipeline und man ist im Gespräch zur Übernahme weiterer Regionalspitäler und Pflegeheime. Mittlerweile beschäftig die Solviva Gruppe über 300 Mitarbeitende, mit den neuen Projekten dürfte sich die Mitarbeiterzahl bald verdoppeln.

Und im Gespräch mit Gyger über die Wohnsituation älterer Menschen in der Schweiz wird schnell klar: er kennt sich in seinem neuen Betätigungsfeld bestens aus, kennt die Bedürfnisse älterer Menschen und vor allem auch jene der Angehörigen.

Daraus ist nun ein weiteres Projekt entstanden, das ihn wieder in Tourismusnähe bringt. Denn im April 2018 hat die Solviva Gruppe das Parkhotel Oberhofen am Thunersee gekauft und es mittlerweile in ein Pflege-Ferien-Hotel umgebaut.

Das Parkhotel Oberhofen am Thunersee steht ab 2020 für eine neue Art der Ferienhotellerie.

«Wer seine pflegebedürftige Mutter oder seinen Vater das Jahr hinweg regelmässig betreut oder besucht, kann nur schwer mal zwei oder drei Wochen auf die Malediven oder nach Südafrika verreisen», holt Gyger aus. «Für solche Situationen habe ich unser Pflege-Ferien-Hotel konzipiert. Es ist wirklich ein sehr schönes Hotel, das man im Vorfeld bei einem Mittagessen mal kennenlernen kann – und so sich auf den Aufenthalt freuen kann.» Ein vernünftiger Preis sei ihm auch ein Anliegen: für rund 200 Franken können so ältere Menschen am Tag Ferien am Thunersee verbringen, inklusive Pflege und Vollpension. Zwar böten auch herkömmliche Pflegeheime Zimmer zur zwischenzeitlichen Nutzung an, doch diese seien meist erst kurzfristig buchbar und warten nicht mit Ferienambiente auf.

Vorerst wird das Haus in Oberhofen bis im Sommer 2020 noch als Übergangslösung genutzt, bis das Pflegeheim Thun umgebaut ist. Danach wird in der Schweiz ein neuartiges Ferienmodell buchbar. Ob das Konzept ausbaubar ist? «Mal schauen», sagt Gyger, «wir setzen jetzt erstmal Oberhofen um».

Auf seine gesamte Berufskarriere angesprochen, was ihn denn angetrieben und ihn so erfolgreich gemacht habe, sagt Gyger: «Ich denke, ich war schon immer sehr kreativ, hatte stets viele Ideen. Manchmal umfasste meine Projektliste 60 Einträge und mit einigem bin ich auch gescheitert oder habe nicht die Zeit gefunden, um auch noch damit anzufangen.»

Offensichtlich gab er sich mit ersten Erfolgen nicht gleich zufrieden. «Als die Werbung in den Bergbahnen platziert war und die Einnahmen hereinkamen, hatte ich ja auch wieder Zeit für Neues. Und so kam stets ein weiteres Projekt hinzu.» Jetzt ist Willi Gyger also auch Hotelier geworden.