Travel Tech
Das Ende der Ticketnummer
Wer heute einen Flug bucht, hantiert oft mit einer Vielzahl von Codes: Da gibt es die Ticketnummer (Etix), den sechsstelligen Buchungscode (PNR) und separate Bestätigungen für das Zusatzgepäck oder den Mietwagen. In der komplexen IT-Welt der Luftfahrt waren diese Datenströme bisher oft voneinander getrennt. Doch damit soll nun Schluss sein.
Im Zentrum der Kooperation zwischen der Lufthansa Group und Amadeus steht die Einführung der sogenannten Order ID. Diese neue Identifikationsnummer soll perspektivisch alle bisherigen Buchungs- und Ticketnummern ablösen.
Das Konzept folgt dem «Amazon-Prinzip»: Alle Bestandteile einer Reise – vom Flug über den reservierten Sitzplatz und das Zusatzgepäck bis hin zum Lounge-Zugang oder dem Mietwagen am Zielort – werden unter einer einzigen ID gebündelt. Für den Fluggast bedeutet das vor allem Transparenz. Mit nur einem Klick soll künftig ersichtlich sein, welche Leistungen gebucht sind und welche Optionen noch zur Verfügung stehen.
Effizienz bei Flugplanänderungen
Besonders bei Unregelmässigkeiten, etwa Flugstreichungen oder Verspätungen, verspricht die neue Technologie deutliche Vorteile. Durch die Zusammenführung aller Daten können Passagiere schneller umbuchen oder ihren Reiseplan kurzfristig anpassen.
Tamur Goudarzi Pour, Executive Vice President Strategy der Lufthansa Group, sieht den Konzern hierbei in einer Vorreiterrolle: «Wir freuen uns, die Entwicklung einer innovativen Order-Technologie vorantreiben zu können und das Reiseerlebnis für unsere Kunden weiter zu verbessern.»
Hinter den Kulissen kommt für insgesamt neun Airlines der Gruppe (darunter auch Swiss, Austrian und Brussels) die modulare Technologielösung «Amadeus Nevio» zum Einsatz. Diese Plattform nutzt datengesteuerte Systeme, um Passagiere an wichtigen Punkten ihrer Reise wiederzuerkennen und ihnen personalisierte Angebote zu unterbreiten.
Zusätzliche Tools wie der «Product Catalogue» sorgen dafür, dass Lufthansa eigene Angebote und die von Partnern flexibler kombinieren kann. Auch der Reisebüro-Vertrieb soll profitieren: Durch den NDC-Datenstandard (New Distribution Capability) werden die neuen «Offer & Order»-Prozesse auch für externe Partner zugänglich gemacht.
Ein Mammutprojekt für die kommenden Jahre
Da die technische Infrastruktur der Luftfahrt hochkomplex ist, erfolgt die Einführung der Order ID schrittweise. Die einzelnen Airlines der Gruppe entscheiden dabei selbst über das jeweilige Tempo der Implementierung.
Die Lufthansa Group steht mit diesem Vorhaben nicht allein: Auch Konkurrenten wie die IAG (British Airways) oder Air France-KLM arbeiten an ähnlichen Systemen, um den angestaubten Flugzeug-Vertrieb in ein modernes, digitales Retailing zu verwandeln. Die klassische Travel ID bleibt übrigens bestehen – sie dient weiterhin als das persönliche Kundenprofil, in dem die neuen Order IDs hinterlegt werden.