Tourismuswelt

SRV/DRV/ÖSV: Aufschlag der Lufthansa-Gruppe — so nicht!

Die drei Branchenverbände aus der Schweiz, Deutschland und Österreich kritisieren in einer gemeinsamen Stellungnahme den 16 Franken/Euro-Zuschlag der Lufthansa-Gruppe heftig.

Ab 1. September planen die Airlines des Lufthansa-Konzerns die Einführung einer Gebühr von 16 CHF/Euro auf Buchungen, die von den Reisebüros über ein Global Distrbution System (GDS) getätigt werden. Der Streit um diese Distribution Cost Charge (DCC) der LH-Gruppe bleibt für Reisebüros ungelöst. Jetzt fordert der gemeinsame Flug-Ausschuss der Branchenverbände aus der Schweiz, Deutschland und Österreich, dass die Lufthansa Group und die GDS-Betreiber gemeinsam eine Lösung für ihre Kosten- und Entgeltstruktur erarbeiten müssen. «Es ist ein Problem zwischen diesen beiden Vertragspartnern und darf nicht auf dem Rücken der Reisebüros und ihrer Kunden ausgetragen werden», sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbands (SRV).

Die Vertreter des D-A-CH-Flugausschusses sehen die Airline-Gruppe und die Globalen Distributionssysteme (GDS) in Zugzwang, für die Branche eine akzeptable Lösung zu finden. Auf Seiten der Reisebüros gebe es optimal funktionierende Branchenlösungen, die GDS seien weltweit akzeptierte und höchst entwickelte Systeme. Der D-A-CH-Flugausschuss ruft die Lufthansa Group auf, auf die Einführung der DCC zu verzichten. Alternativ müsste die DCC auch für den Eigenvertrieb der Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines, also auf deren Website, berechnet werden, damit der Fremdvertrieb nicht schlechter gestellt würde.

Fehlende neutrale Darstellung

Der jetzige Streit um die Distributionskosten und damit der DCC-Gebühr führe bei Kunden zu enormen Mehrkosten, da es eine einseitige Preiserhöhung ausschliesslich für GDS-Buchungen darstellt, lautet die Einschätung des Flugausschusses. Für den Kunden werde es definitiv teurer. Wer den Aufschlag vermeiden wolle, verzichtet auf Transparenz und den Wettbewerbsvergleich, da Kunden gezielt auf direkte Buchungskanäle des Lufthansa-Konzerns gelenkt werden sollen. Dort gebe es keine neutrale Darstellung aller Angebote des Marktes.

Kundendaten im Visier

Nach Überzeugung des D-A-CH-Flugausschusses geht es hierbei nicht nur um das Thema der Distributionskosten – vielmehr gehe es der Lufthansa Group um die Gewinnung von Kundendaten und die ausschliessliche Hoheit über diese Informationen. Die damit einhergehende Forcierung von Direktanbindungen der Firmenkunden ist kostspielig und ineffizient und gibt der Airline den voll umfänglichen und alleinigen Zugriff auf die Buchung des Kunden (den sogenannten PNR: Passenger Name Record).

Da solche Direktanbindungen ausserhalb des seit Jahrzehnten anerkannten Abrechnungssystems BSP (Billing and Settlement Plan) des internationalen Luftfahrtverbandes IATA abgewickelt werden, ist unklar, welche Zahlungsfristen dafür gelten sollen. Damit verursacht die geplante Einführung der DCC nach Einschätzung des D-A-CH-Ausschusses viele Probleme – bislang ohne erkennbare Ergebnisse.

(TN)