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Tourismus in Kuba: Rückgang um 48 Prozent
Die Zahlen, die das nationale Statistikamt (ONEI) am Montag veröffentlichte, sind dramatisch. Nur 298'057 internationale Reisende verzeichnete Kuba im ersten Quartal dieses Jahres. Im Vergleich zum ohnehin schwachen Vorjahr 2025 entspricht dies einem Rückgang von 48 Prozent. Besonders der März, traditionell der lukrativste Monat der Hochsaison, markiert einen historischen Tiefpunkt. Lediglich 35'561 Besucher reisten nach Kuba.
Der Hauptgrund für das aktuelle Debakel ist eine politische und logistische Strangulierung. Die Verschärfung der US-Sanktionen und das Verbot von Treibstofflieferungen haben die Insel in eine Energiekrise gestürzt, Kerosin gab es im Februar und März kaum noch.
Die Reaktion der Fluggesellschaften war brutal: Kanadische und russische Airlines, die für den Tourismus auf Kuba überaus wichtig sind, stellten den regulären Betrieb ein und flogen nur noch Rückführungen. Im März kamen gerade einmal 511 Kanadier an – ein Minus von über 99 % im Vergleich zum Vorjahr.
Die spanische Iberia, die über 60 Jahre lang die Brücke nach Europa schlug, hat angekündigt, ihre Verbindungen im Juni komplett einzustellen. Die Zwischenlösung, zum Auftanken in die Dominikanische Republik auszuweichen, erwies sich als wirtschaftlich nicht tragbar.
Virtuelle Messe gegen die Realität
Paradoxerweise sind es derzeit vor allem Exilkubaner (11'231 im März) und US-Amerikaner, die den totalen Kollaps der Statistik verhindern. Während europäische und asiatische Märkte wegbrechen, bleibt die familiäre Bindung der stärkste Motor für Reisen auf die Insel.
Trotz der prekären Lage versucht die kubanische Regierung, Optimismus zu verbreiten. Die kommende Tourismusmesse FitCuba soll die Wende bringen – allerdings wird sie in diesem Jahr weitgehend virtuell abgehalten.
Kuba steht am Scheideweg. Ohne eine Lösung der Energiekrise und eine Lockerung der Sanktionen droht der Tourismus – und damit die wichtigste Devisenquelle des Landes – endgültig in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.