Tourismuswelt

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Auf einen Schümlipflümli vor die Jatzhütte in Davos: Snowboarder und Skifahrer, die nur wenig fahren, sollen ein passendes Skiticket lösen können. Bild: davos.ch

Revolution auf der Sesselbahn

Laax hat die Blueline, Pizol und Belalp bieten wetterabhängige Preise und Lenzerheide probt an «Pay-per-use».

Die klassische Ski-Tageskarte ist bald Schnee von gestern. Vorgeprescht sind diesen Winter die Pizolbahnen und die Belalpbahnen. Sie bieten wetterabhängige Preise für Tageskarten an. Die Prognosen von SRF Meteo bestimmen den Preis und das bis zu sieben Tage im Voraus. Bei schlechten Aussichten gibt es maximal 50% Rabatt.

Einen anderen Ansatz verfolgen die Bergbahnen Lenzerheide: Der Gast soll nur das bezahlen, was er benutzt. Abgerechnet wird pro Bahnfahrt. «Pay-per-use» nennt sich das. Nächsten Winter soll es auf der Lenzerheide soweit sein. Auch in Davos und in St. Moritz wird an neuartigen Tickets getüftelt.

Das Bündner Skigebiet Laax, die Weisse Arena Gruppe, bietet zwei Tickets der neuen Generation an: Das VIP-Ticket «Blueline» berechtigt zur Benutzung der Skischuleingänge zu den Bahnen – also zum Überholen von Warteschlagen. Wer bereit ist, mehr zu zahlen, soll sich «First-Class» kaufen können.

Umgekehrt bringt das günstige «Snowpark»-Ticket Einschränkungen mit sich. Das «Ski-Ticket light» gilt nur für die Bahnen im Snowpark und Umgebung. Der Rest des 100 Quadratkilometer grossen Skigebietes ist tabu. Zielgruppe ist die «Community» der jungen Freestyler mit schmalem Geldbeutel.

Diese Tickets markieren den Anfang einer Entwicklung zu «zeitlich und räumlich differenzierten Billetten», wie Kristian Paasila sagt. Der CEO des Weisse Arena Spin-Offs «Inside Labs» verantwortet die digitale Entwicklung in Laax. Angedacht sind Billette für Wenigfahrer mit Vorliebe für Sonnenterrassen, für Senioren, Angebote für digitale Nomaden oder auch "Pay-per-Use", wie in der Lenzerheide.

Bewegungen im Skigebiet analysiert

Eine aktive Grundlagenforschung soll zeigen, welche Ideen es wert sind, umgesetzt zu werden. Zudem hofft man, auf gänzlich neue Ansätze zu kommen. Ziel ist es, das Verhalten der Schneesportler besser kennen und verschiedene Gast-Typen unterscheiden zu lernen.

Über die elektronischen Zugangskontrollen analysieren Paasila und sein fünfköpfiges «Inside Lab»-Team die Bewegungen der Kundschaft im Gebiet. «Wir wollen wissen, wie sich Schneesportler bei unterschiedlichen Schnee- und Wetterbedingungen verhalten», erklärt der Marketing- und Informatikfachmann. «Oder wie viele Gäste gerade im Snowpark sind.»

Mit dem gewonnen Wissen will die Weisse Arena neue Ticketarten und neuartige Angebote kreieren. Dreh- und Angelpunkt ist eine Smartphone-App. Verlinkt der Gast die App mit der Skikarte, wird er für das Bergbahnunternehmen identifizierbar, lokalisierbar und direkt ansprechbar.

Antizipiertes Kundenbedürfnis

Erste Probeläufe waren erfolgreich. Dank der neuen Technologie wussten die Bergbahnen, wer sich an einem bestimmten Tag Anfang Januar im Gebiet aufhielt. «Diesen Gästen haben wir über die App angeboten, ihren Aufenthalt spontan auf zwei Tage zu verlängern und kurzfristig ein Hotel zu buchen», erzählt Paasila.

Ein weiteres Angebot wurde nur an Schneesportler übermittelt, deren Verhalten auf ein Interesse am Tiefschneefahren schliessen liess. Es beinhaltete ein Skiticket und eine Freeride-Ausrüstung an einem Tag mit Neuschneeprognose.

«Wir versuchen, dem Gast nur das anzubieten, was ihn interessieren könnte», erklärt Paasila. So werde sich der Geniesser-Typ kaum für die Miete von Freerideski interessieren, im Gegensatz etwa zum Snowpark-Benutzer. Zudem würden äussere Bedingungen wie Wetter, Schneeprognosen oder Buchungsstände kurzfristig in Angebote einfliessen.

Schöne neue Skiwelt

Fasst man die Laaxer Ideen zusammen, ist das Skiticket der nahen Zukunft zeitlich und räumlich differenziert. Es «antizipiert das Kundenbedürfnis» und kombiniert es mit den aktuellen Begebenheiten zu einem befristet gültigen Angebot. Es kann auch Materialmiete, Mittagessen oder Übernachtung enthalten.

Der Kunde erhält das Angebot via Push-Nachricht auf das Smartphone, über die App wird es gekauft und bezahlt. Am Schluss muss das Ticket aber nach wie vor auf die altvertraute Chip-Karte geladen werden: Ohne die kommt der Schneesportler auch in Zukunft nicht durch das Drehkreuz am Lift.

(AWP)