Tourismuswelt

Amstad.jpg
Fespo-Messeleiter Stephan Amstad (r.) bei der Videokonferenz mit Travelnews-Chefredaktor Jean-Claude Raemy: «Unsere Mission lautet, Besuchende und Ausstellende zusammen zu bringen.» Bild: JCR

«An neue Kunden kommt man bei der Fespo am besten»

Von Jean-Claude Raemy

Stephan Amstad, Messeleiter der Fespo Zürich (eine Messe der Bernexpo AG), äussert sich im Gespräch mit Travelnews über den aktuellen Stand der Dinge bei der Fespo 2022 und über das Messegeschäft der Zukunft.

Nach einem aussergewöhnlichen Jahr, in welchem die Fespo Zürich, die grösste B2C-Ferienmesse der Schweiz, Corona-bedingt überhaupt nicht stattfand, stehen bei der Fespo nun für das kommende Jahr die Zeichen auf grün. Vor wenigen Wochen wurde mit dem Verkauf offiziell gestartet und die Durchführung der Fespo 2022 ist für den Zeitraum vom 27.-30. Januar 2022 vorgesehen, also wie üblich Ende Januar. Wie ist der Verkauf angelaufen? Was darf man Neues erwarten, woran wird festgehalten? Travelnews hat bei Messeleiter Stephan Amstad nachgefragt.


Herr Amstad, wo erreichen wir Sie?

Wir sind alle wieder 100 Prozent am Arbeiten und freuen uns, dass es wieder losgegangen ist mit der Fespo-Planung. Aktuell bin ich im Homeoffice. Die Aufteilung Büro/Homeoffice war aber bereits vor Corona mein Arbeits-Alltag.

Die Öffentlichkeitsarbeit und der Verkauf der Fespo sind erst vor rund zwei Wochen gestartet. Kann man schon eine Zwischenbilanz ziehen?

Eigentlich sind wir seit März aktiv und Standplätze an der Fespo 2022 sind im Prinzip seit März 2021 schon buchbar. Aber ja, der offizielle Startschuss erfolgte erst am 8. Juni. Bis jetzt haben wir bereits Dutzende fixe Anmeldungen. Diese kommen querbeet aus der Reisebranche, also von Veranstaltern, Kreuzfahrten-Anbietern, Regionen und Ländern. Das ist ein guter Start. Doch nun gilt es, richtig Gas zu geben. Wir müssen bis Oktober genügend Zusagen haben, welche es uns erlauben, die Messe verlustfrei durchzuführen; ausserdem gehen wir ab Oktober in die detaillierte Hallenplanung, was ein aufwändiger Prozess ist.

Wo gibt es denn Hürden?

Zum einen haben wir gegenüber anderen Jahren mit einer dreimonatigen Verzögerung die ganze Verkaufsmaschinerie gestartet, das setzt uns zeitlich etwas mehr unter Druck. Zum anderen müssen viele Unternehmen jetzt erst einmal «aus der Krise kommen». Grössere Veranstalter haben noch keine Budgets für Messeteilnahmen gesprochen. Dort wird noch entschieden, welche Marketingaktivitäten Priorität haben. Auch bei einigen Destinationen müssen zuerst noch Abklärungen getroffen werden, zumal es während und wegen der Corona-Krise zu diversen Änderungen kam. Bei manchen Hotels ist es so, dass diese relativ lange geschlossen blieben und sich nun zuerst mal um die Sommersaison kümmern und wohl erst später über Messeteilnahmen entscheiden.

Aber bislang haben wir auch von niemandem gehört, dass Messen kategorisch ausgeschlossen sind. Ausserdem möchte ich darauf hinweisen, dass man bis Oktober kein Risiko trägt, d.h. keine Kosten von uns verlangt würden im Fall einer Absage. Das gilt natürlich nicht für Drittkosten, welche separat gemacht wurden als Vorbereitung auf die Messe.

Aber man hört doch, dass der Herbst nun richtig anzieht. Jetzt müsste doch Zuversicht da sein, die sich auch in Messeteilnahmen niederschlägt.

Grundsätzlich spüre ich schon ein grosses Interesse und wir führen auch zahlreiche positive Gespräche. Aber es ist halt noch immer Unsicherheit vorhanden. Ausländische Aussteller müssen wir informieren, wie die Situation in der Schweiz ist, wie hier Grossanlässe durchgeführt werden können, und vieles mehr. Für Schweizer Aussteller stellen sich diese Fragen weniger.

Wir hören derweil von vielen potenziellen Ausstellern, dass der Informationsbedarf anhaltend hoch ist und auch noch zum Jahresbeginn 2022 hoch sein wird. Das kommt uns natürlich entgegen, gerade mit einer Live-Messe. Die Besuchenden wollen nicht mehr auf irgendwelchen Websites die Regeln herausfinden oder in Telefonleitungen hängen, sondern von Spezialisten aus erster Hand Informationen erhalten. Wo ist das besser möglich als auf einer Live-Messe, in welcher zahlreiche Ziele und dazugehörige Spezialisten dabei sind? Das stimmt uns zuversichtlich - die ausstellenden Unternehmen müssen sich nun einfach bis im Herbst «committen».

Machen Ihnen in diesem Zusammenhang die aufflammenden Diskussionen über die Delta-Variante Sorgen?

Bis jetzt ist dies in meinen Gesprächen mit Kunden und Partnern noch kein Thema gewesen. Natürlich verfolgen wir das aber auch und hoffen, dass nun wegen der Lockerungen oder auch der Fussball-EM nicht neue Wellen losgetreten werden. Allerdings sind auch immer mehr Schweizer bzw. Aussteller aus dem Ausland geimpft und man hat gewissermassen gelernt, mit Corona umzugehen. Wir werden auf jeden Fall auch ein funktionierendes Schutzkonzept haben. Die Regeln ändern hier und sind kantonal teils unterschiedlich, aber da kommt uns unsere Einbettung in die Bernexpo zugute.

«Ausländische Aussteller müssen wir informieren, wie die Situation in der Schweiz ist.»

Sie haben einen Frühbucherrabatt, der bis zum 13. August läuft...

Ja, und wir hoffen, dass noch einige davon Gebrauch machen werden. Für uns ist das auch ein Stichdatum, weil wir dann über Frühindikatoren verfügen. Einige Unternehmen haben sich verpflichtet, bis zu jenem Datum einen Entscheid zu treffen. Viele sind derzeit auch noch am überlegen, ob Stände zusammengelegt werden, oder ob zusätzliche/neue Unteraussteller beigezogen werden.

Wir haben bisher nur über die Anzahl Aussteller gesprochen. Was lässt sich zur gebuchten Standgrösse sagen?

Ich kann sagen, dass jene Aussteller, die bislang zugesagt haben, dieselbe Standgrösse oder gar grössere Stände als zuvor bestellt haben. Das stimmt uns zuversichtlich. Eine Besonderheit ist vielleicht, dass gerade ausländische Aussteller sich individuelle Stände von unserem Standbauer anfertigen lassen und nicht mehr eigene Stände aus dem Ausland einfliegen lassen - dafür ist nun einfach die Administration zu kompliziert geworden.

Und was ist mit weiteren Messeinhalten?

Alle Vortragsräume sind bereits provisorisch gebucht. Da haben die üblichen Vortragenden bereits zugeschlagen, was unterstreicht, wie wichtig diese Vorträge für die Unternehmen wie auch für uns als Messeorganisation sind. In Zürich fanden zuletzt 500 Vorträge statt und an der Ferienmesse Bern 300. Diese Formate kommen an. Wir werden uns nun auch überlegen, wie man hier Mehrwert bieten kann. Eine Live-Aussendung der Vorträge steht nicht zur Diskussion, wir wollen ja die Besucher auf der Messe haben, aber eine Aufnahme für eine Zweitverwertung durch die Unternehmen sind wir am prüfen.

Wichtig ist uns, dass es weiterhin die Verzahnung zwischen Destinationsvorträgen und Destinationsanbietern auf der Messe gibt. Eine reine «Vortrags-Messe» wäre sinnfrei.

Was ist mit Golf?

Der ganze Golfreisebereich scheint weniger Corona-geschädigt zu sein als andere Reisebereiche. Nun hat Anna Wittig ja den Lead bei der Golfmesse übernommen, da Roland Caprez in die verdiente Pension gegangen ist. Da bin ich sehr zuversichtlich.

Also wird der «Look & Feel» der Fespo eigentlich gar nicht viel ändern?

Wir arbeiten immer wieder am Finetuning, bei den Ständen, den Inhalten, dem Catering, dem Ticketing, es wird sicher die eine oder andere kleine Neuerung geben. Aber wir hören auch von vielen Besuchenden, dass sie grundsätzlich gerne das bewährte Format haben. Wir überlegen noch, wie «hybrid» unsere Messe sein kann und was hierbei Sinn macht. Aber noch einmal: Vermisst haben Besuchende wie Ausstellende das Live-Format. Unsere Mission als Messeveranstalter ist es, Besucher und Aussteller zusammenzuführen. Darauf werden wir uns fokussieren. Die Vor- und Nachbearbeitung der Kontakte ist Sache der Ausstellenden.

«Wir überlegen noch, wie ‹hybrid› unsere Messe sein kann und was hierbei Sinn macht.»

Sie haben vorhin von der Einbettung in die Bernexpo AG gesprochen. Sie führen nun eigentlich die einzigen verbleibenden Ferien-Messen durch. Gibt es da auch Pläne, das Vakuum zu füllen?

Vorausschickend möchte ich sagen, dass Mario Kovacevic, der Leiter der Ferienmesse Bern und des Suisse Caravan Salons, und ich uns regelmässig austauschen und auch gegenseitig unterstützen - obwohl wir ja intern quasi Konkurrenten sind. Klar, die Erfahrungen der Bernexpo als Ganzes im Messebereich kommen uns immer wieder zugute. Und man kann immer wieder spannende Überlegungen anstellen. Braucht die Fespo dereinst vielleicht auch einen Caravaning-Bereich? Wie gehen wir mit dem Trendthema E-Bike um? Was kann man tun, um den Cruise-Bereich wieder boomen zu lassen? Solche Überlegungen und Gespräche führen wir andauernd. Klar ist lediglich, dass wir unserem Kerngeschäft Tourismus treu bleiben werden und nicht anfangen, an der Fespo Rüebliraffeln oder dergleichen zu vertreiben.

Sie sprechen von neuen Formaten. Was ist eigentlich mit der Schweiz? Die war an der Fespo üblicherweise eher untervertreten, jetzt boomt sie.

Die Schweiz hatte sicherlich ein super Jahr und natürlich sind wir in Gesprächen mit vielen Schweizer Anbietern aus dem Tourismusbereich. Es hat auch schon Standzusagen, das sind aber jeweils Regionen oder Hotels als «Einzelspieler». Schweiz Tourismus wird wohl weiterhin auf die Vermarktung der Schweiz im Ausland fokussiert sein. Daher erwarte ich da nicht plötzlich eine grosse Schweiz-Halle. Aber klar, auch der Incoming-Tourismus ist willkommen und wird auch von unseren Besuchern rege gesucht.

Noch etwas zum Termin, wieder Ende Januar. Da gibt es keine Terminkollision mehr...

Natürlich schauen wir, dass wir einen alleinstehenden Termin haben, weil viele Aussteller aus dem Ausland mehrere Messen verbinden möchten und sich bei Terminkollisionen möglicherweise gegen eine Fespo entscheiden könnten. Als unsere wichtigsten Mitbewerber betrachte ich die CMT Stuttgart, die Ferienmesse Wien und die Vakantiebeurs in Utrecht. So wie es aussieht, kommen wir uns 2022 nicht in die Quere, sprich, Aussteller können bei all diesen Messen vertreten sein.

Schweizer Formate sehen Sie nicht als Konkurrenz?

Natürlich waren andere Ferienmessen wie jene in St. Gallen eine Konkurrenz. Aber wir haben mit der Fespo eine ziemlich einzigartige Stellung und andere Messen haben sich auch anders positioniert. Die rein virtuelle Messe im April war ein interessantes Konzept; für uns kommt eine rein virtuelle Durchführung aber nicht in Frage. Und die «Hausmessen» einiger Schweizer Reiseveranstalter sind für deren Kunden- und Partnerpflege ein gutes Vehikel. An neue Kunden kommt man aber bei der Fespo am besten.

Sie sind also grundsätzlich positiv hinsichtlich der nächsten Ausrichtung?

Ja, absolut. Es gibt in vielerlei Hinsicht einen Nachholbedarf, auch im Messebereich. Wir werden vielleicht etwas weniger Aussteller haben, aber dafür sogar mehr Besucher als üblich, wer weiss... Die Leute werden kommen und Informationen und Inspiration wollen. Wir erwarten auch weniger «Papierkrieg», also das massenweite Anbieten und Mitnehmen von Katalogen. Die Fespo wird «mit der Zeit gehen» und beweisen, dass Live-Messen weiterhin ein enorm wichtiges Format der touristischen Vermarktung bleiben.