Nachhaltigkeit

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Minou Sikken mit der Familie Uswaththage, der sie beim Aufbau eines Guesthouses hilft an einem Traumstrand im Süden Sri Lankas. Bild: HO

Die Weltenbummlerin, die selber anpackt

Von Gregor Waser

Viel gereist ist Minou Sikken in ihrem Leben. Die halbe Welt hat sie schon gesehen. In Sri Lanka freundet sie sich mit einer vom Tsunami betroffenen Familie an und hilft heute mit aller Kraft, ein Guesthouse aufzubauen.

Nachhaltiger Tourismus hat viele Facetten. Man kann schonend reisen, ohne viele Ressourcen zu verbrauchen. Man kann CO2-Emissionen kompensieren oder spenden. In unserem Nachhaltigkeits-Special haben wir in den letzten Wochen viele Ideen und Herausforderungen vorgestellt. Eine noch nicht: Reisende können die lokale Bevölkerung auch direkt unterstützen, indem man etwa in einem privat geführten Guesthouse übernachtet – oder ein solches gleich selber mitaufbaut.

Genau dies ist derzeit die Mission von Minou Sikken (47), gebürtige Holländerin, aufgewachsen im Kanton Zug, in der Stadt Zürich als einstige Gastronomin bestens vernetzt. Heute betreibt sie am Hauptsitz von DER Touristik Suisse – erst an der Neuen Hard, jetzt in Altstetten — eine Gesundheits- und Massage-Praxis. Sie ist bei vielen Kuoni-Mitarbeitenden gut bekannt, spätestens seit einer Reportage im Kuoni-Magazin Elsewhere.

Angefangen hat ihr laufendes Projekt während Ayurvedaferien in Sri Lanka vor zwei Jahren. Ein anderer Feriengast erzählte ihr von seinem Vorhaben, eine lokale Familie beim Aufbau eines Guesthouses zu unterstützen. Denn die elfköpfige Familie Uswaththage hatte einst einen kleinen Batik-Shop betrieben, diesen während dem Tsunami 2004 aber verloren. Das gesamte Dorf Kubalagama musste neu aufgebaut werden, die Familie stand ohne Lebensunterhalt da.

Zwar sprang der Initiant der Idee nach einigen Monaten ab, doch Minou Sikken blieb der Idee treu. Denn sie hatte bei ihren vielen Reisen durch Südostasien und Mittelamerika viel von der Welt gesehen, neben der Schönheit auch viel Armut. Nun bot sich ihr die Chance, etwas zurückzugeben.

In den letzten zwei Jahren besuchte sie regelmässig Sri Lanka, half bei der Planung des Guesthouses mit, das der elfköpfigen Familie künftig mit dem Vermieten von drei Gästezimmern die Einkünfte sichern soll.

Projektplan: im oberen Stock entstehen drei Gästezimmer, unten wohnt die Familie.

Und sie hatte eine Idee, um die benötigten 20'000 Franken zusammen zu kriegen: Zurück in Zürich wirbelte sie mit der Projektidee bei Freunden und Bekannten. Und sie lancierte eine Crowdfunding-Aktion und ein Charity-Essen. Total schaffte sie es bisher, 15'000 Franken zu sammeln. Das Fundament des Guesthouses steht bereit. Nun ist sie daran, auch die restlichen Mittel zu beschaffen.

Dass die Gäste kommen werden, daran zweifelt sie nicht. «Die traumhafte Lage direkt am unverbauten Red Rock Beach im Süden Sri Lankas ist besonders bei Surfern beliebt und lockt jedes Jahr viele Individualreisende aus der ganzen Welt an», sagt sie. Aber auch wer nicht selbst in dem Guesthouse übernachten möchte, könne Gutes tun. Leute, die eine Pauschalreise nach Sri Lanka buchen, könnten beispielsweise alte Kleider mitbringen, Stifte, elektronische Geräte – im Prinzip alles, das funktionstüchtig sei und Sinn ergebe. Damit helfe man vielen Leuten schon sehr.

Zum aktuellen Stand des Projekts sagt sie: «Derzeit weile ich für einen Monat vor Ort in Sri Lanka und packe tatkräftig mit an. Gegen Ende Jahr werde ich zusätzlich für fünf Monate in Sri Lanka sein und das Projekt fertigstellen helfen.» Geplant sei – wenn die Witterung mitspiele –, dass nächstes Jahr im September das Gästehaus fertiggestellt und operativ sei.