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Rauchen ist auf Linienflügen strengstens verboten. Dennoch gibt es in oder vor den Bord-Toiletten nach wie vor einen Aschenbecher. Bild: Unsplash / Marco J. Haenssgen

Gute Frage Warum gibt es in Flugzeugen immer noch Aschenbecher?

Obwohl Rauchen auf Linienflügen seit Jahrzehnten verboten ist, finden sich in und bei Bord-Toiletten bis heute Aschenbecher. Warum hält sich dieses vermeintliche Relikt aus früheren Tagen sogar in modernen Flugzeugen derart hartnäckig? Travelnews klärt auf.

Auf Linienflügen ist Rauchen seit Jahrzehnten tabu. Umso erstaunlicher ist ein kleines Detail, das aufmerksamen Passagieren bis heute auffällt: In oder unmittelbar neben vielen Bord-Toiletten befindet sich nach wie vor ein Aschenbecher. Selbst in Flugzeugen, die zu einer Zeit gebaut wurden, als das Rauchverbot längst selbstverständlich war.

Dass Airlines darauf nicht einfach verzichten können, hat einen guten Grund. Hinter dem vermeintlichen Relikt aus längst vergangenen Zeiten steckt eine ganz bewusste Überlegung der Luftfahrtbehörden.

Lieber im Aschenbecher als im Abfallkübel

Die Erklärung klingt zunächst paradox: Der Aschenbecher ist gerade deshalb da, weil Rauchen verboten ist. Denn die Luftfahrtbehörden gehen davon aus, dass sich nicht ausnahmslos alle Passagiere an dieses Verbot halten. Wer heimlich auf der Toilette raucht, soll eine brennende Zigarette zumindest sicher entsorgen können, statt sie aus Angst, entdeckt zu werden, in den Abfallbehälter zu werfen.

Genau dort könnte aus einem Regelverstoss ein ernstes Sicherheitsproblem werden. Papierhandtücher und anderer Abfall können leicht Feuer fangen. Die europäische Luftfahrtbehörde EASA sieht deshalb bei grossen Verkehrsflugzeugen weiterhin einen gut sichtbaren, herausnehmbaren Aschenbecher an oder nahe dem Zugang zu den Bord-Toiletten vor.

Auch in den USA hat die Vorschrift einen handfesten Hintergrund. Die amerikanische FAA verweist auf Brände in Bord-Toiletten, die unter anderem durch falsch entsorgte Rauchwaren ausgelöst wurden. Nach mehreren solchen Bränden schrieb die FAA bereits in den 1970er-Jahren Aschenbecher bei den Toiletten vor.

Das Prinzip dahinter ist typisch für die Flugsicherheit: Entscheidend ist nicht nur, was Passagiere tun dürfen, sondern auch, was passieren kann, wenn sich jemand nicht an die Regeln hält.

Innen-Aschenbecher verlieren an Bedeutung

Ganz unverändert geblieben sind die Vorschriften allerdings nicht. Früher verlangte die EASA sogar Aschenbecher innerhalb und ausserhalb der Bordtoilette. 2019 lockerte sie diese Vorgabe. Seither muss sich im WC selbst kein Aschenbecher mehr befinden, jener bei der Tür bleibt jedoch vorgeschrieben. Die Änderung bedeutete allerdings nicht, dass die Aschenbecher sofort aus allen Flugzeugen verschwanden. Auch neu gebaute Maschinen können auf einer älteren Zulassung des Flugzeugtyps basieren und deshalb weiterhin einen Aschenbecher im WC haben.

Die Begründung für die Lockerung ist pragmatisch. Rauchen an Bord sei inzwischen gesellschaftlich derart unüblich, dass ein Aschenbecher im WC kaum noch einen zusätzlichen Sicherheitsgewinn bringe, so die EASA. Zudem könne er bei Passagieren sogar den falschen Eindruck erwecken, Rauchen sei dort vielleicht doch erlaubt. Wer das Verbot bewusst missachte, versuche ausserdem häufig, die Spuren zu verwischen und benutze den vorhandenen Aschenbecher ohnehin nicht.

Ganz verschwunden ist das Thema Feuer aufgrund von qualmenden Passagieren deshalb nicht. Moderne Bord-Toiletten verfügen über Rauchmelder. Bei grösseren Verkehrsflugzeugen müssen die Abfallbehälter zudem mit automatischen Feuerlöschern ausgerüstet sein.

Rauchmelder machen den Aschenbecher allerdings nicht überflüssig: Laut FAA sind sie nicht speziell darauf ausgelegt, Zigarettenrauch sofort zu erkennen. Unter Umständen schlagen sie erst Alarm, wenn bereits Material schwelt oder sich ein Feuer entwickelt.

(RSU)