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Für Pools und Duschen benötigen Kreuzfahrtschiffe wie die Mein Schiff 5 riesige Mengen an Frischwasser. Bild: TUI

Gute Frage Woher erhalten Kreuzfahrtschiffe auf dem Ozean ihr Frischwasser?

Tausende Passagiere und Crewmitglieder duschen mehrmals täglich, die Wäschereien laufen im Akkord, riesige Pool-Landschaften und Rutschenparks müssen befüllt werden. Wie organisieren riesige Kreuzfahrtschiffe das benötigte Frischwasser? Travelnews klärt auf.

Der tägliche Wasserbedarf einer modernen «schwimmenden Stadt» mit 5000 bis 7000 Menschen an Bord ist enorm und liegt oft bei weit über einer Million Liter (ca. 1000 bis 1500 Tonnen) pro Tag. Würde ein Schiff diese unvorstellbaren Mengen komplett als Ballast in Tanks vom Starthafen mitnehmen, wäre es schlicht zu schwer: Der Tiefgang würde dramatisch sinken, der Treibstoffverbrauch durch das immense Zusatzgewicht explodieren und wertvoller Platz im Schiffsrumpf ginge verloren. Wie lösen die Reedereien dieses logistische Problem mitten auf dem Ozean?

Moderne Kreuzfahrtschiffe sind schwimmende Wasserwerke. Der Grossteil des benötigten Frischwassers wirde direkt während der Fahrt aus dem umgebenden, salzigen Meerwasser gewonnen. Um diese gewaltigen Mengen in Trinkwasserqualität zu verwandeln, wenden die Ingenieure an Bord im Wesentlichen zwei technologische Hauptverfahren an.

Flash-Verdampfung oder Osmose

Die Flash-Verdampfung ist ein Verfahren, bei dem die entstehende Abwärme der Schiffsmotoren genutzt wird. Unter normalem Luftdruck kocht Wasser bekanntlich bei 100 Grad Celsius. Die Destillationsanlagen an Bord erzeugen jedoch ein künstliches Vakuum im System. Durch diesen stark abgesenkten Druck sinkt der Siedepunkt des Meerwassers auf etwa 40 bis 60 Grad Celsius.

Die Abwärme des Kühlwassers der Dieselmotoren reicht nun völlig aus, um das Meerwasser zum Kochen zu bringen. Das Wasser verdampft, während das schwere Salz und alle Unreinheiten im Tank zurückbleiben. Der aufsteigende Wasserdampf wird anschliessend an gekühlten Rohren vorbeigeführt, kondensiert und schlägt sich als destilliertes Wasser nieder.

Wenn das Schiff im Hafen liegt oder sich langsam bewegt und die Motoren nicht genug Abwärme produzieren, kommt die Umkehrosmose zum Einsatz. Dabei wird das Meerwasser durch mächtige Pumpen mit einem enormen Druck von oft über 60 bar (das entspricht dem Druck in einer Wassertiefe von 600 Metern) durch mikroskopisch feine, halbdurchlässige Membrane gepresst. Die Poren dieser Filter sind so winzig, dass sie zwar die Wassermoleküle passieren lassen, die deutlich grösseren Salzmoleküle, Bakterien, Viren und Mikroplastik jedoch zurückhalten. Auf der einen Seite der Membrane fliesst hochkonzentrierte Salzsole zurück ins Meer, auf der anderen Seite sammelt sich Süsswasser.

Finaler Feinschliff

Zuletzt ist ein finaler Feinschliff nötig, sowohl bei der Verdampfung wie auch bei der Osmose. Denn das gewonnene Wasser ist im ersten Schritt so rein, dass es als Destillat völlig geschmacksneutral ist und dem menschlichen Körper bei dauerhaftem Konsum sogar Minerale entziehen würde. Deshalb durchläuft das Wasser nach der Gewinnung eine komplexe Veredelung: Es wird durch spezielle Mineralien- und Kalksteinfilter geleitet, um es gezielt mit Mineralstoffen wie Calcium und Magnesium anzureichern und den pH-Wert zu stabilisieren – erst dadurch erhält es seinen gewohnten Geschmack und wird zu Trinkwasser. Bevor es schliesslich in die Kabinen geleitet wird, erfolgt eine Desinfektion mittels UV-Licht und einer minimalen Chlorierung.

Zudem lautet das Motto aller Reedereien: Jeder Tropfen zählt. Um den Bedarf von Wasser zu senken, setzen Reedereien auf eine Kreislaufwirtschaft. So wird beispielsweise das Kondenswasser, das im Tropenklima tonnenweise an den bordeigenen Klimaanlagen entsteht, separat aufgefangen, gefiltert und für die schiffseigene Grosswäscherei genutzt.

Moderne Schiffe besitzen ausserdem hocheffiziente Abwasserreinigungsanlagen (Advanced Wastewater Purification Systems). Das gesamte Abwasser aus Duschen und Toiletten wird so intensiv biologisch und mechanisch gereinigt, dass es am Ende fast Trinkwasserqualität hat. Dieses «Grau- und Schwarzwasser» wird zwar nicht für den menschlichen Gebrauch genutzt, darf aber aufgrund seiner Reinheit im Meer abgelassen oder für technische Prozesse an Bord wiederverwendet werden. Nur in seltenen Ausnahmefällen – etwa bei kurzen Routen oder technischen Wartungen – kauft ein Schiff in Häfen Frischwasser von Land ein.

Quellen: Marine Engineering Handbooks / Cruise Lines International Association (CLIA) / Umweltberichte der Meyer Werft & Meyer Turku / Royal Caribbean Group Technical Operations Manual

(GWA)