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Gute Frage Was stimmt am Begriff «Mittlerer Osten» nicht?
Der Ausbruch des Iran-Kriegs hat nicht nur geopolitische Spannungen verschärft, sondern auch einen Begriff zurück in die Schlagzeilen gebracht: den «Mittleren Osten». In Medien, Analysen und Gesprächen ist er derzeit allgegenwärtig. Doch so geläufig er klingt: Im Deutschen ist er eigentlich ein sprachlicher Fehlgriff.
Ein Import aus dem Englischen
Der Ursprung liegt im Englischen: Middle East. Der Begriff wurde Anfang des 20. Jahrhunderts aus britischer Perspektive geprägt, unter anderem durch den US-amerikanischen Strategen Alfred Thayer Mahan – und später von britischen Kolonialbeamten verbreitet.
Die Welt wurde damals aus europäischer Sicht in drei Zonen eingeteilt: Near East (Naher Osten), Middle East und Far East (Fernost). Diese Einteilung folgte weniger geografischer Logik als politischen und strategischen Interessen des Britischen Empires.
Im Deutschen entwickelte sich jedoch eine andere Tradition. Hier setzte sich der Begriff «Naher Osten» als Standardbezeichnung durch – und zwar für jene Region, die im Englischen meist als Middle East bezeichnet wird. Eine zusätzliche Kategorie «Mittlerer Osten» wurde nie klar definiert und ist in der deutschsprachigen Geografie und Wissenschaft nicht etabliert.
Dass der Ausdruck heute dennoch häufig auftaucht, liegt vor allem an direkten Übersetzungen aus dem Englischen und dem Einfluss internationaler Medien. Sprachlich präziser – und im deutschen Sprachraum korrekt – ist jedoch weiterhin der «Nahe Osten». Wer also über Konflikte rund um den Persischen Golf spricht, fährt mit diesem Begriff eindeutig besser.