Here & There
US-Tourismus trotzt den Hiobsbotschaften
Robin EngelUnter dem Motto «Never Lose Your Splash» fand der diesjährige IPW in Fort Lauderdale, Florida – dem «Venedig Amerikas» – statt. Gut eine Stunde nördlich von Miami liegt die «Yachting Capital of the World» bestückt mit wunderschönen Strandabschnitten und eben diesen zahlreichen Kanälen, wo sich eine Yacht an die nächste reiht – natürlich immer inklusive der dazugehörigen noch pompöseren Villa.
Nach einer sehr angenehmen und speditiven Einreise in Miami mit weniger als 10 Minuten Wartezeit ging es auf in Richtung Fort Lauderdale, wo die grösste Tourismusmesse der USA dieses Jahr zu Gast war.
Normalerweise vor allem in der Cruise-Szene als Gateway bzw. Start- und Endpunkt etlicher Karibikkreuzfahrten bekannt, stand Fort Lauderdale heuer im Scheinwerferlicht zahlreicher internationaler Einkäuferinnen und Einkäufer. Man durfte also gespannt sein, wie sich die diesjährige IPW-Host City präsentieren wird. Zumal bereits im Vorfeld einige Stimmen kursierten, ob man sich vielleicht nicht doch etwas übernommen hätte, denn während der Messe-Planung, wurde publik, dass das kürzlich renovierte und gar erweiterte Convention Center doch nicht über genügend Kapazität verfüge. So wurden diverse Lunchs, wie auch die Closing Ceremony draussen bei guten 35 Grad Celsius und gefühlten 150% Luftfeuchtigkeit abgehalten. Immerhin ganz getreu dem Motto «Never Lose Your Splash».
Geschrumpfte Schweizer Delegation
Der Auftakt der Messe mit der Opening Ceremony fand dann hingegen stilecht am Fort Lauderdale Beach statt. Hierfür wurde extra ein Teilbereich abgesperrt und aus dem Vollen geschöpft. Jedoch musste die Veranstaltung aufgrund der «Turtle Nesting Season» etwas vorverlegt werden und gegen 19.30 Uhr wurde das Feld dann sehr vorbildlich für die Schildkröten geräumt.
Die Schweizer Delegation – dieses Jahr aufgrund des Hotelplan/Travelhouse Zusammenschlusses mit Dertour Suisse nochmals etwas geschrumpft – bestand lediglich aus Anja Meier und Melissa Clausen von Knecht Reisen, Michael Bötschi und mir von go2travel sowie Frederic Norberg, welcher seit kurzem bei VT Vacances in der Romandie die Geschickte fürs Nordamerika-Produkt leitet – plus Heinz Zimmermann, der als scheidender Visit USA Schweiz Präsident auf Abschiedstournee war.
Der guten Stimmung aber tat dies überhaupt nichts ab. Es kam sogar eine fast schon familiäre Atmosphäre auf, denn auch die restlichen Delegationen scheinen dieses Jahr etwas überschaubarer vertreten zu sein. So bekam man den Eindruck, dass der allgemeine Trend eher etwas in Richtung mehr Qualität anstatt Quantität gehe – eigentlich überhaupt nicht typisch Amerika.
Gleiches aber widerspeigelte sich in den zahlreichen Meetings und Gesprächen mit den lokalen Tourism-Offices und Partnern vor Ort. Obschon während der letzten 12 Monate praktisch im Wochenrhythmus Medienberichte mit Hiobsbotschaften aus den USA auf einen einprasselten, so positiv und optimistisch war die Stimmung während der Messe wahrzunehmen. Mit den bevorstehenden Midterm-Wahlen diesen November ist ein Licht am Ende des Tunnels auszumachen und man hofft damit die USA touristisch wieder etwas ins bessere Licht rücken zu können. An gegenseitiger Unterstützung sollte es auf jeden Fall nicht mangeln, auch wenn die mediale Berichterstattung hier in den USA etwas weniger prominent ausfällt und man das Gefühl hat, in der Schweiz fast näher dran zu sein.
Nationalparks ohne grosse Menschenmassen
Ebenfalls zur Attraktivität der USA sollten die weiterhin eher günstigen Übernachtungspreise vor Ort sowie der attraktive Umrechnungskurs beitragen. Zumal man aktuell ohne grosse Menschenmassen Nationalparks und Sehenswürdigkeiten besuchen kann, für welche man zuvor Reservationen tätigen oder lange anstehen musste. Eigentlich ein «no brainer» für die sonst so vorausschauenden Schweizer und in Zeiten des Massentourismus ein schlagkräftiges Argument im Verkauf von USA-Reisen.
Gespannt dürfte man auch auf die in gut zwei Wochen beginnende Fussball-WM blicken. Hier verdichten sich die Vermutungen, dass man sich beim Pricing der Tickets und der Auslastung der Hotels wohl etwas verpokert haben könnte. Obwohl die Amerikaner im Inszenieren und Vermarkten von Events Weltmeister sind, ist das Verständnis für Fussball nicht das gleiche wie in Europa. Wo bei uns Fangesänge, Flaggen und Märsche zum Stadion dominieren, möchte man in den USA an «Clear-Bag Policies», «Restricted Drinking Zones» sowie überteuerten Parkplätzen und Stadion-Shuttle Busse festgehalten. Alles nicht wirklich im Sinne des hiesigen Fussballfans.
Ähnliche Ernüchterung wiederspielgelt sich im Gespräch mit diversen Gastgeberstädten. Spätestens seit Verkündung des Spielplanes ist auch da die Euphorie bei gewissen etwas gesunken. Zudem ist hinter vorgehaltener Hand von diversen Europäischen TO’s zu hören, dass man eigentlich sogar froh sei, dass die Fussball-WM – mit anfänglichen Hotel Black-Out Perioden von bis zu fast sechs Wochen während zwei der wichtigsten Reisemonaten – in diesem Jahr stattfindet, wo die Nachfrage ohnehin eher bescheiden ist. Nicht auszumalen, wie die Einbussen in einem guten USA-Jahr ausgesehen hätten…
Da kommt das 250 Jahre Jubiläum der USA sowie das 100-jährige Bestehen der Route 66 gerade richtig. Dieses zieht zumindest die lokalen Touristen in Scharen an die «Mother Road» und auch die Ostküste der USA – Hauptakteur in der Gründungsgeschichte der Vereinigten Staaten – profitiert hiervon stark.
Viele offene Fragen
Fürs nächste Jahr bleibt es hingegen spannend. Wie geht es mit den steigenden Treibstoffzuschlägen weiter? Wie entwickelt sich das Preisgefüge und die Nebenkosten vor Ort? Brand USA, die lokale Vermarktungsgesellschaft rührt auf jeden Fall weiterhin fleissig die Werbetrommel und hält – auch wenn mit etwas reduziertem Budget – am Slogan «America the Beautiful» fest.
Gleiches ist auch unser Kredo. Denn sich einfach in die Ecke zu verkriechen und warten bis der Sturm vorbeizieht, ist für uns keine Option. Nach einem Sturm scheint bekanntlich auch wieder die Sonne und dieser Moment wird es auch für USA-Reisen wieder geben. Dann gilt es bereit zu sein und aus dem Vollen zu schöpfen.
Aus diesem Grund halten wir auch an unseren Schulungsevents fest und setzen konsequent auf Weiterbildung und Erweiterung der Destinationskenntnisse. Kürzlich waren wir mit einer Gruppe Reisebüromitarbeitenden in Arizona unterwegs und im September geht es mit dem Motorhome durch Westkanada.
Dasselbe gilt für den Reisetag, welchen wir am Samstag, 7. November im Trafo Baden wiederum zusammen mit Dreamtime Travel durchführen. Die zwei Tage davor stehen abermals voll und ganz im Zeichen der Schulung. Es dürfte daher auch trotz dem bedauerlichen Wegfall der Visit USA Roadshow und dem Island Hopping noch die eine oder andere Weiterbildungsmöglichkeit im USA-Bereich geben.
Bevor diese Woche mit dem RVC in Toronto bereits die Einkaufsmesse für Kanada ansteht, ging es nach dem IPW für Michael und mich erst mal nach Key West. Es galt nämlich mit dem Ausflug zum Dry Tortugas Nationalpark ein langersehnter Bucket-List Wunsch zu erfüllen. Fast auf halber Strecke zu Kuba liegen diese zu den Keys gehörenden Inselperlen und sind lediglich mit der Fähre oder dem Wasserflugzeug erreichbar. Wir entschieden uns für letzteres. So bestand die Möglichkeit noch vor den mit der Fähre ankommenden Tagestouristen vor Ort zu sein. Als wäre das nicht schon genug spektakulär, hatten wir das Glück vom Floatplane aus zwei gesunkene Schiffwracks sowie zahlreiche Turtles und Sharks zu erspähen. Genau solche Erlebnisse sind es doch, welche anstelle der Politik im Vordergrund stehen und über eine Reise entscheiden sollten.