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Fragen zu Tropenhitze oder Höhenverträglichkeit hören die Wanderexperten von Baumeler Reisen häufig. Bild: Fotolia

Eine Wander-Beratungbrauchts denn das?

Sonja Petry arbeitet seit 20 Jahren bei Baumeler Reisen, seit zehn Jahren leitet sie die Abteilung Wanderreisen. Welche Themen beschäftigen eigentlich die Ratsuchenden, in einem Land wo es doch so viele Wanderprofis gibt? Die Expertin gibt Auskunft.

Sonja Petry, Leiterin Wanderreisen, Baumeler Reisen.

Schweizerinnen und Schweizer kennen sich beim Thema Wandern doch aus. Wer sucht dennoch eine Beratung für eine Wanderreise?

Sonja Petry: Es sind vor allem Erstkunden, die Fragen zum Anforderungsprofil haben, mit dem Baumeler jede Wanderreise kennzeichnet. 1 bedeutet «leicht», also Spaziergänge und Wanderungen von einer bis etwa zweieinhalb Stunden mit höchstens unwesentlichen Auf- und Abstiegen. 2 steht für eine bis dreieinhalb Stunden Gehzeit mit vereinzelten Steigungen und teils steinigen Wegen. 3 markiert Reisen mit mittlerem Anforderungsprofil, bei dem die Wanderungen bis zu viereinhalb Stunden dauern können, einige Steigungen und Abstiege auch auf steinigen Pfaden zu bewältigen sind und solide Wanderschuhe erfordern. Unsere höchste Stufe ist 4, hier kann eine Wanderung auch mal sechs Stunden dauern und verlangt Wandertraining. Unsere Trekkings sind noch etwas anspruchsvoller, doch die Interessenten für diese Touren fühlen sich in der Regel sicherer.

Welches ist die häufigste Frage der Ratsuchenden?

Alleinreisende Erstkunden möchten im Voraus oft wissen, wie die Gruppe sich zusammensetzt, ob andere Alleinreisende gebucht haben und in welcher Alterskategorie die Mitreisenden sind. Diese Fragen verstehen wir gut. Nach einer ersten Reise sind diesbezügliche Bedenken ausgeräumt, denn auf unseren Reisen sind auch die als Paar reisenden Gäste in der Regel sehr gesellig. Sonst würden sie sich ja auch kaum für eine Gruppenreise entscheiden.

Was raten Sie denn älteren oder punkto Anforderungsprofil unsicheren Wandergästen?

Ich rate eher zu einer einfachen Wanderreise, damit sicher keine Überforderung eintritt. Genuss und Erholung sollen im Vordergrund stehen. Wenn ich mehr wissen möchte, frage ich nach den kürzlich getätigten Bergtouren in der Schweiz. Wenn jemand höchstens eine Stunde mit dem Hund spazierengeht, empfehle ich zum Beispiel eine genüssliche Wanderreise an die Nordsee. Die ausgedehnten Spaziergänge auf den nordfriesischen Inseln etwa begeistern und vitalisieren ungemein, und eine Wattexkursion ist ein unvergessliches Erlebnis. Die Gäste kehren beglückt und  bereichert zurück.

«Niemand muss das Programm durchziehen»

Was geht punkto Alter und Gesundheit, was nicht?

Grundsätzlich ist auch in höherem Alter noch sehr viel möglich, vor allem für Gäste, die stets einen aktiven Lebensstil gepflegt haben und so eine gewisse Grundfitness haben. Wenn einige unserer Wanderreisen gute Trittsicherheit erfordern, ist dies bereits im Reisebeschrieb klar hervorgehoben. Meist höre ich aus der Art der Fragen schon einiges heraus. Ist jemand von Gleichgewichtsstörungen oder Gelenkproblemen betroffen, raten wir von ausgesetzten oder steigungsreichen Routen ab. Ein Klassiker wie die Cinque Terre mit steilen Pfaden kann etwa für Arthrose-Geplagte zur unnötigen Qual werden. Apulien oder Umbrien wären dann wunderbare, genussversprechende Alternativen. Immer möglich ist es, sich einen Tag aus dem Gruppenprogramm auszuklinken, etwa um Dolce far niente, das Hotel oder den Strand zu geniessen. Zudem können unsere Reiseleiterinnen immer auch Varianten vorschlagen, etwa einen einfachen Spaziergang statt der Wanderung. Niemand muss das Programm durchziehen!

Welche gesundheitsrelevanten Fragen hören Sie oft?

Ist jemand unsicher betreffend Tropenhitze oder Höhenverträglichkeit, etwa bei unserer Ladakh-Reise, die in Leh auf 3500 m.ü.M. beginnt, raten wir zwecks einer gesundheitlichen Einschätzung zum Besuch des Hausarztes. Natürlich sind bei derartigen Reisen stets grosszügige Akklimatisierungsphasen eingeplant, die wir für kulturelle Besuche und erste Spaziergänge nutzen. Viel häufiger und auch zunehmend sind Fragen zu Allergien und Unverträglichkeiten von Speisen. Obwohl in Europa vielerorts zum Beispiel glutenfreie Kost erwartet werden darf, kann Baumeler Reisen nicht alles garantieren. Gerne werden aber Abklärungen mit den Hotels gemacht, das gehört zu unserem Service. Ein grosses Lob verdienen auch unsere Reiseleiterinnen und Reiseleiter, die oft über sich hinauswachsen, um auch im Picknick-Korb das Richtige für alle dabeizuhaben. Wichtig ist, dass uns allfällige Unverträglichkeiten schon vor der Buchung mitgeteilt werden. Kommt es trotz allem soweit, dass ein Gast während der Reise krank wird, haben unsere Reiseleiterinnen stets einen Medikamenten-Grundstock dabei. Zudem beherrschen sie die Sprache des Gastlandes und begleiten Erkrankte im Ernstfall natürlich zum Arzt oder ins Spital.

Was ist punkto Medikamente zu beachten?

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass persönliche Medikamente in Originalverpackung mit Beschrieb im Handgepäck mitgeführt werden müssen. Hinweise zu allgemeinen Medikamenten geben wir pro Reise spezifisch ab. Da sich beispielsweise Dengue-Fieber in vielen Ländern ausbreitet, ist uns das Thema Mückenschutz sehr wichtig. Wir raten dann also über Sprays und Lotions hinaus auch zu langen Kleidern.

Ist zum Thema Ausrüstung auch Beratung gefragt?

Die Hauptfragen drehen sich um die richtige Art Wanderschuhe. Reicht ein bequemer Trekkingschuh, oder sind hohe Bergschuhe nötig? Soll man die Trekkingsandalen mitnehmen? Für jede Reise geben wir eine spezifische Ausrüstungsliste ab. Für Reisen wie etwa in den Iran fügen wir dann auch kulturell-bedingte Kleiderhinweise auf. Tipps für sinnvolle Geschenke an die Bevölkerung des Reiselandes werden dankbar aufgenommen. Meist sind dies Bleistifte, Farben, Papierblöcklein, Postkarten oder vielleicht auch Nähzeug oder Kleider.

A propos Mitnehmen: Können Baumeler-Gäste ihren Hund auf die Wanderreise mitnehmen?

Auf unseren individuellen Touren geht das häufig, gerade wenn die Anreise mit dem eigenen Fahrzeug erfolgt, also etwa nach Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich. Auf Gruppenreisen können wir keine Hunde akzeptieren. Zum einen kennen wir diesbezügliche Ängste oder Abneigungen der anderen Gäste nicht, dann gibt es Fragen zu Allergien, oder die Hotels spielen nicht mit.

Wo wandern Sie am liebsten?

Ich bevorzuge zum Wandern Landschaften, wie sie etwa die Schweiz bietet, aber auch Irland, Schottland und England.

(SUS)