Reiseanbieter
Umsatz pro Mitarbeiter: die Millionengrenze ist gefallen
Mit dem Blick auf das laufende Reisejahr sagte heute an der Pressekonferenz des Schweizer Reise-Verbands (SRV) dessen Präsident Max E. Katz: «Es ist erneut ein schwieriges Jahr, diesmal mit anderen exogenen Faktoren. Nachdem im letzten Jahr kaum mehr nach Ägypten und Tunesien gereist wurde, brach nun auch noch die Türkei weg, mit Minuszahlen bis 70 Prozent.» Gleichwohl räumte er Reisebüros mit guter Beratung und gutem Service weiterhin eine gute Entwicklung ein: «Do-it-yourself-Bucher registrieren zunehmends, dass sie bei einer eigenen Buchung auch die Konsequenten, etwa bei einer Umbuchung, selber tragen müssen».
Die jährlich vom SRV und der Universität St. Gallen durchgeführte Marktumfrage bei Reisebüros – 342 haben teilgenommen –, die heute präsentiert wurde, gibt zahlreiche interessante Einblicke in den allgemeinen Geschäftsverlauf. Der Geschäftsgang wird vom SRV als knapp zufriedenstellend taxiert. Während in der Vergangenheit die Wechselkursschwankungen den Reisebüros zu schaffen machten, sei es dieses Jahr die geopolitische Lage in zahlreichen potentiellen Top-Destinationen. Diese führe zu einer gewissen Zurückhaltung und einem kurzfristigeren Buchungsverhalten für Auslandreisen, zieht der SRV Bilanz. Während Kunden bei einzelnen Destinationen nicht einmal mehr zu Tiefstpreisen buchen, würden bei anderen Destinationen die Preise stark ansteigen.
Bei den zum Reisejahr 2015 befragten Reisebüros ist der Umsatz wie schon im Jahr zuvor zurückgegangen. Von 3,259 Millionen Franken pro Büro sank dieser auf 3,193 Millionen Franken, was ein Minus von zwei Prozent bedeutet. Dass die Bruttorendite von 15 Prozent trotzdem gehalten werden konnte, hat mit dem steigenden Anteil der Beratungsgebühren zu tun. Dieser hat erstmals die 6-Prozent-Marke in Relation zum Umsatz überschritten.
Mit dem gesunkenen Gesamtumsatz ist auch der Umsatz pro Mitarbeiter weniger geworden. Und zwar hat dieser 2015 die ominöse Grenze von einer Million erstmals unterschritten. 980'000 Franken steuerte im Durchschnitt jeder Reisebüro-Mitarbeiter zum Jahresumsatz bei. 2014 waren es noch 1'020'000 Franken.
Herausforderung Digitalisierung
Reisen ist grundsätzlich mit Emotionen verbunden, der Buchungsprozess ist im Wesentlichen aber auch ein reines Informationsgeschäft, teilt der SRV mit, «aus diesem Grund gehörten Touroperators und Reisebüros um die Jahrtausendwende zu den ersten, welche mit der Informationstransparenz im Internet konfrontiert waren.» Die diesjährige SRV-Umfrage bringt nun zu Tage, dass die Reisebüros diese Herausforderungen erfolgreich angenommen haben: Die Grossmehrheit hat heute eine Webseite mit Buchungsmöglichkeit. Knapp die Hälfte aller Reisebüros hat darüber hinaus Vertriebskonzepte über mehrere digitale Kanäle und verzahnt diese nach Möglichkeit mit Offline-Kanälen. Und dem Thema «Big Data» nimmt sich etwa die Hälfte der Reisebüros an; so werden etwa Kundenanalysen zusehends systematisiert, geht aus der Umfrage hervor.
Was den Ausblick betrifft, spricht SRV-Geschäftsführer Walter Kunz von verhaltenen Aussichten: «Während in der Vergangenheit die Wechselkursschwankungen den Reisebüros zu schaffen gemacht haben, ist es dieses Jahr die geopolitische Lage in zahlreichen potentiellen Top-Destinationen». Diese führe zu einer gewissen Zurückhaltung und einem kurzfristigeren Buchungsverhalten für Auslandreisen. Während Kunden bei einzelnen Destinationen nicht einmal mehr zu Tiefstpreisen buchen, steigen bei anderen Destinationen die Preise stark an.