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Travelnews hat bei vier Reiseprofis aus der Deutschschweiz nachgefragt: Wie steht es kurz vor den Sommerferien um die Buchungslage? Bilder: Adobe Stock / zVg

Reisebranche im Sommer-Check: Kommt die Buchungswelle noch?

Reto Suter

Nach einem starken Jahresauftakt geriet die Schweizer Reisebranche im Frühling arg ins Stocken: Der Iran-Krieg bremste die Buchungslust abrupt. Wenige Tage vor Beginn der Sommerferien wollte Travelnews von Reisebüros in der Deutschschweiz wissen, ob nach schwierigen Monaten nun ein Last-Minute-Effekt spürbar ist.

Der Jahresstart hätte für viele Schweizer Reisebüros kaum besser verlaufen können. Nach einem bereits starken 2025 lagen die Buchungen vielerorts erneut über Vorjahr. Zwar schwächelten die USA, dafür brachten viele andere Feriendestinationen starken Rückenwind.

Dann folgte Ende Februar die Eskalation im Nahen Osten – mit spürbaren Folgen weit über die Region hinaus. Die Unsicherheit rund um Reisen in die Golfstaaten und Umsteigeverbindungen via Doha, Dubai oder Abu Dhabi bremste die Nachfrage.

Gleichzeitig geriet die Reiselust generell ins Stocken. Zahlreiche Reisebüros berichteten von ungewöhnlich ruhigen Frühlingsmonaten. Bis Ende Mai beantragten 21 Betriebe der Schweizer Reisebranche Kurzarbeit.

Wenige Tage bevor in den ersten grossen Kantonen die Sommerferien beginnen, stellt sich deshalb die Frage: Kommt das Fernweh zurück, oder bleibt die grosse Ferienlust weiterhin aus? Travelnews hat bei mehreren Reisebüros in der Deutschschweiz nachgefragt und den Puls gefühlt.

Grosse Last-Minute-Welle bleibt aus

Von einem klassischen Last-Minute-Sommer will kaum jemand sprechen. Trotzdem bewegt sich etwas. «Seit rund zwei Wochen spüren wir wieder etwas mehr Nachfrage – allerdings kaum für den Sommer», sagt Michael Mettler, Geschäftsführer von Helbling Reisen in Gossau SG, auf Anfrage. Wer aktuell buche, denke eher an den Herbst oder bereits an Reisen im Jahr 2027.

Auch bei Lehmann Reisen in Bern bleibt der grosse kurzfristige Buchungsschub aus. «Das hochsommerliche Wetter in der Schweiz hilft dem Last-Minute-Geschäft nicht unbedingt», so Therese Stump, Abteilungsleiterin Freizeit- und Gruppenreisen. Die Kundschaft plane eher langfristig.

Ganz anders erlebt Jenny Eggenberg von Jenny Reisen in Baar ZG die Situation: «Zum ersten Mal seit vielen Jahren beobachten wir ein ausgeprägtes Last-Minute-Bedürfnis», sagt sie. Besonders bemerkenswert sei, dass selbst in beliebten Hotels noch freie Zimmer verfügbar seien. Etwas, das zuletzt selten geworden sei. Das eröffne Möglichkeiten, Kundinnen und Kunden auch kurzfristig attraktive Angebote zu machen.

Alex Bähler, Managing Director von Media Reisen in Basel, spricht weniger von klassischen Schnäppchenjägern als von kurzfristigeren Entscheidungen. «Viele haben in den vergangenen Monaten bewusst abgewartet. Jetzt werden diese Reise-Entscheide nachgeholt», so der erfahrene Reiseprofi. Entsprechend betreffe ein Grossteil der aktuellen Anfragen Ferien innerhalb der nächsten zwei Monate.

Noch stehen vielerorts freie Liegestühle bereit. Aber kurz vor Ferienbeginn ziehen die Buchungen in Teilen der Schweizer Reisebranche wieder leicht an. Bild: Adobe Stock

Die Geschäftszahlen zeigen ein gemischtes Bild. Helbling Reisen bewegt sich insgesamt auf Vorjahresniveau. Im touristischen Geschäft liegt das Unternehmen laut Geschäftsführer Michael Mettler aber rund zehn Prozent tiefer als 2025.

Jenny Reisen verzeichnete per Ende Mai ein Minus von rund elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotzdem überwiegt der Optimismus. «Gerade in unsicheren Zeiten merken wir, wie wichtig Vertrauen und abgesicherte Pauschalreisen für unsere Kundschaft sind», sagt Geschäftsführerin Jenny Eggenberg.

Auch Lehmann Reisen liegt leicht hinter dem Vorjahr zurück, profitiert aber weiterhin vom starken Jahresauftakt. Der Auftragsbestand sei nach wie vor solide, erklärt Geschäftsleitungs-Mitglied Therese Stump.

Bei Media Reisen hat sich die Lage zuletzt deutlich verbessert. «Nach einem sehr starken Start und dem Einbruch im Frühling sind wir dank der letzten Wochen wieder auf Vorjahreskurs», sagt Managing Director Alex Bähler.

Norden und Griechenland unter den Gewinnern

Helbling Reisen erkennt bei den bevorzugten Destinationen aktuell keinen dominanten Trend. Jenny Reisen beobachtet dagegen mehrere Gewinner. Griechenland bleibe gefragt, ebenso Spanien, Portugal, Japan und die Inseln im Indischen Ozean, sagt Geschäftsführerin Jenny Eggenberg. «Der grosse Sommergewinner ist für uns aber klar der Norden.» Gefragt seien Städtereisen, Bahnferien, Reisen mit Havila oder Hurtigruten sowie Rundreisen auf den Lofoten.

Auch Lehmann Reisen sieht den Norden im Aufwind. Zusätzlich laufen laut Geschäftsleitungs-Mitglied Therese Stump Kreuzfahrten weiterhin sehr gut – meist mit grossem Vorlauf. «Ebenfalls gefragt bleiben Afrika und der Indische Ozean.» Media Reisen wiederum registriert ein «schönes Comeback» Griechenlands. Zudem entwickle sich Südamerika deutlich besser als erwartet. Stabil blieben individuelle Rundreisen, hochwertige Unterkünfte und besondere Reiseformen wie Hausbootferien.

Auf der Verliererseite zeigt sich ein klares Bild: Der gesamte Mittlere Osten bleibt unter Druck. «Normalerweise hätten wir zu diesem Zeitpunkt bereits zahlreiche Anfragen für den Oman oder die Emirate für den Winter, aktuell fehlt diese Nachfrage fast komplett», sagt Therese Stump von Lehmann Reisen.

Auch Jenny Eggenberg hofft auf eine Erholung: «Gerade vor den geopolitischen Ereignissen hatten wir wieder erste Buchungen für Jordanien. Jetzt hoffen wir, dass diese Reisen bald nachgeholt werden.»

Weiterhin einen schweren Stand haben die USA. «Viele beobachten die Entwicklungen sehr genau und entscheiden heute deutlich bewusster als noch vor einigen Jahren», erklärt Alex Bähler von Media Reisen. Michael Mettler von Helbling Reisen berichtet von einer auffällig schwächeren Nachfrage nach Asien und den USA.

Die Gespräche zeigen: Die Reiselust der Schweizerinnen und Schweizer ist nicht verschwunden. Nach einem schwierigen Frühling scheint sich die Nachfrage zurück zu kommen.

Gleichzeitig wird anders gebucht: später, überlegter und mit stärkerem Fokus auf Sicherheit. Persönliche Beratungsgespräche gewinnen an Bedeutung, ebenso Destinationen, die Stabilität, Natur und Planbarkeit versprechen.

Oder wie es Alex Bähler formuliert: «Die Menschen haben das Fernweh nicht verloren. Sie wollen heute einfach sicher sein, dass sie die richtige Entscheidung treffen.»