On The Move
Reisebranche punktet im «Eco Talk»
Die Schweizer Reisebranche sah sich im gestrigen «Eco Talk» von SRF durch SRV-Präsident Martin Wittwer und Sonja Müller Lang (Women Travel) gut vertreten. Der Wirtschaftstalk drehte sich um die aktuelle Herausforderung für Reisebüros und Reiseveranstalter, wie sie in der aktuellen Kriegssituation im Nahen Osten die sichere Rückführung von Touristen sowie die vielen Umbuchungen meistern können.
Es sei nicht die Aufgabe des EDA, gestrandete Touristen heimzuholen, dies sei Aufgabe der Reiseveranstalter, betonte Martin Wittwer. Ohnehin hätte ein Sonderflug bloss 250 der 4000 Schweizerinnen und Schweizer heimholen können. Die Leute seien ja nicht nur an einem Ort gestrandet, zahlreiche etwa auch auf den Malediven.
Gut aufgehoben im Reisebüro
«Für uns als Reiseveranstalter gehört das zum Package, wir lassen die Leute nicht stehen», sagte Sonja Müller Lang. Und Martin Wittwer fügte an: «Die, die nur den Flug gebucht haben, sind verloren in einer solchen Situation und gezwungen, die Rückreise selber zu arrangieren oder selber etwa über die Grenze nach Maskat zu reisen. Das ist der Nachteil, wenn nicht bei einem Reiseveranstalter gebucht wird.»
Hier spielten Wittwer und Müller Lang die Trümpfe der Pauschalreise voll aus und konnten aufzeigen, dass Reisende in einer Krisensituation bei Reisebüros gut aufgehoben sind.
Die aktuelle Krise sei in dieser Form nicht vorhersehbar gewesen, fand Wittwer, und sagte zugleich, dass die Welt generell unsicherer geworden sei. Die Reisebranche habe aber gelernt, mit Krisen umzugehen: «Wir alle verfügen über eine Krisenorganisation und sind gerüstet, wenn eine Krise kommt. Es ist nicht die erste Krise, aber auch nicht die letzte».
Talk-Moderatorin Eveline Kobler brachte einige Fakten ein. 50'000 Flüge seien in den ersten zwei Wochen der Eskalation gestrichen worden, sechs Millionen Passagiere betroffen. Und wegen den beschränkten Flugkorridoren dauert der Flug von Zürich nach Tokio neu 13 Stunden, zwei Stunden mehr als vor dem Iran- und Russland-Ukraine-Krieg.
Weiter drehte sich der Talk um die anfallenden Mehrkosten bei einer Umbuchung, «das ist die grosse Herausforderung für die Reisebranche», sagte der SRV-Präsident und verwies dabei auf die Bedeutung vorliegender EDA-Reisehinweise, die dem Kunden eine Annullation ermöglichen. Was indes eine Kostenfolge für die Veranstalter bedeutet: «Das ist die grosse wirtschaftliche Herausforderung, die ein Reiseveranstalter hat.» Aktuell gewähren Dertour und TUI eine kostenlose Annullation bis zum 7. April, es gehe nun Schritt um Schritt. «Wir sind bereit, wenn der Kunde annullieren will, dass er auch annullieren kann. Vielleicht finden wir aber auch eine neue Lösung.» Dies sei der Mehrwert, den Reisebüros und Reiseveranstalter in der Krise bieten.
Dann wurden die Talk-Fragen zunehmend spitzfindiger. Wie viele Extrastrapazen sind für einen Kunden zumutbar? Ab wann könne ein Kunde sagen, «nein, so will ich nicht mehr nach Australien oder China reisen?» Eine einfache Pauschalantwort blieb Wittwer hier zwar schuldig, er antwortete pragmatisch: «Vom Gesetzlichen her ist es so, dass wenn das EDA von einer Reise abrät, man kostenlos annullieren kann.» Wenn man fliegen könnte und das EDA aber sagt, man soll das Land nicht bereisen, ist es die Verantwortung des Reiseveranstalters, das Geld zurückzugeben. Aber im Kundengespräch versuche man in einer solchen Situation ein anderes Routing oder ein anderes Zielgebiet anzubieten.
Reiselust sinkt – und kommt schnell zurück
Eine eingespielte Strassenumfrage verdeutlichte, dass die Nahost-Eskalation auf die Reiselust schlägt und Auswirkungen auf die Reiseplanung vieler Schweizerinnen und Schweizer hat. Aktuell sehe der Reisetrend so aus, dass eher das Westliche Mittelmeer oder der Norden gefragt seien, sagte Sonja Müller Lang, «wenn sich die Lage beruhigt, kann sich die Situation aber schnell wieder ändern.» Aber im Moment höre sie schon da und dort, dass die Leute lieber hierbleiben möchten, «die Verunsicherung ist da».
«Nach den vielen Krisen, die die Reisebranche schon erlebt hat, weiss ich, dass dies schnell wieder vergehen kann», hielt Martin Wittwer fest, «die Leute vergessen. Man muss einfach wissen, dass die Leute sehr gerne reisen.» Das Einzige, was sich nun ändere, sei der Ferienort.
Zum Schluss konnte Wittwer noch ausführen, dass 2,5 Milliarden Franken über Reisebüros gebucht werden, ein Viertel des gesamten Volumens und dieser Anteil bleibe aktuell stabil. «Eine solche Krise, die wir heute haben, zeigt den Mehrwert einer Reisebüro-Buchung: Convenience, Sicherheit und das Geld ist sauber hinterlegt bei der Kundengeldabsicherung.»
Insgesamt kam gestern die Rolle von Schweizer Reisebüros und Veranstaltern gut über den TV-Bildschirm und dürfte den einen oder anderen Online-Bucher künftig wieder ins Reisebüro bewegen – gerade in unsicheren Zeiten verfügt die Reisebranche über starke Trümpfe.