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Edelweiss geht All-in auf Faro
Reto Suter«Im Vergleich zum Vorjahr beobachten wir generell einen Rückgang der Buchungen für die Algarve – besonders in den Sommerferien», sagt Janine Zimmerli, Sprecherin des grössten Schweizer Reiseveranstalters Dertour Suisse, gegenüber Travelnews.
Auch bei TUI Suisse gehört die Algarve nicht zu den absoluten Rennern. In den vergangenen Jahren war sie nie unter den beliebtesten Sommerzielen des zweitgrössten Schweizer Veranstalters. Und auch 2026 liegt sie nicht unter den Top 5, wie das Ranking zeigt, das TUI Suisse an seiner Medienkonferenz Mitte Januar veröffentlichte. Zugpferde sind andere, wie Antalya, Kreta oder Mallorca.
Vor diesem Hintergrund passt eine Meldung aus Deutschland ins Bild: Der Ferienflieger Condor zieht sich komplett von der Algarve zurück. Zudem reduziert TUIfly die Kapazitäten zwischen Deutschland und Faro, wie das Branchenportal «FVW» (Abo) berichtete. Beide Airlines begründen ihre Entscheide mit einer konsequent nachfrageorientierten Netzplanung. Strecken und Sitzplätze würden laufend überprüft und saisonal angepasst, heisst es sinngemäss.
Mit anderen Worten: Wenn sich eine Verbindung wirtschaftlich weniger rechnet, wird sie reduziert oder ganz gestrichen. Ganz von der Bildfläche verschwindet die Algarve für deutsche Feriengäste jedoch nicht. Eurowings und Discover bedienen Faro weiterhin.
Edelweiss fliegt gegen den Branchentrend
Und wie präsentiert sich die Lage auf dem Schweizer Markt? Hier zeigt sich ein differenziertes Bild, mit durchaus spannenden Entwicklungen. Die Billigairline Easyjet hält am Euro-Airport Basel-Mulhouse-Freiburg an der Algarve fest und bietet zwischen Ende Mai und Ende Oktober tägliche Flüge an.
Anders präsentiert sich die Situation am Flughafen Zürich. Dort hatte Easyjet für die vergangene Sommersaison zwei wöchentliche Flüge nach Faro lanciert (Travelnews berichtete). Ein dauerhaftes Engagement wurde daraus allerdings nicht: Im aktuellen Sommerflugplan sind keine entsprechenden Verbindungen mehr zu finden.
Einen gegensätzlichen Kurs verfolgt die Edelweiss – und fliegt damit gewissermassen gegen den Branchenwind. Die Ferienfluggesellschaft baut ihr Angebot ab Zürich weiter aus und plant in der Hochsaison neu tägliche Verbindungen nach Faro.
«Ein wesentlicher Grund für den Ausbau ist, dass wir neu einen Slot für einen Sonntagsflug erhalten haben. Dieser fehlte uns bislang, obwohl wir die Verbindung gerne schon früher ausgebaut hätten», sagt Medienchef Andreas Meier auf Anfrage. Generell habe man das Angebot in den vergangenen Jahren sowohl im Sommer als auch im Winter erweitert. «Faro hat sich damit für uns zu einer stabilen Ganzjahresdestination entwickelt.»
Der Ausbau kommt nicht von ungefähr: Laut Meier ist die Nachfrage auf den Edelweiss-Flügen in den letzten beiden Jahren jeweils um rund 30 Prozent gewachsen. Entsprechend zuversichtlich blickt die Airline nach vorne. «Wir sind mit dem Interesse und den Vorausbuchungen sehr zufrieden. Diese bewegen sich auf konstant hohem Niveau», so Meier. Dass die Buchungsstände für den Sommer 2026 derzeit noch vergleichsweise tief seien, entspreche dem saisonalen Verlauf. Erfahrungsgemäss folgten weitere Buchungswellen erst in den kommenden Monaten.
Ob sich die Strategie voll auszahlt, bleibt abzuwarten. Möglich ist durchaus, dass die Edelweiss vom Rückzug einzelner Mitbewerber profitiert und zusätzliche Gäste – etwa aus dem süddeutschen Raum – anzieht. Gleichzeitig zeigen die Einschätzungen grosser Schweizer Reiseveranstalter derzeit keinen Algarve-Boom für den kommenden Sommer. Setzt die Edelweiss also auf die richtige Karte? Die Wette gilt.